Leserbrief an den Chefredakteur der „Rheinpfalz“: „Was haben Sie gegen Heimattümelei?“

Von 21. February 2018 Aktualisiert: 23. Februar 2018 1:59
"Ging es Ihnen nur darum, der AfD mal wieder eins auszuwischen?" Am 17. Februar 2018 erschien in der Rheinpfalz, Ludwigshafen, ein Leitartikel des Chefredakteurs Michael Garthe zum Thema Heimat. Unser Gastautor Hans-Jürgen Wünschel hat ihn kommentiert.

Am 17. Februar 2018 erschien in der Rheinpfalz, Ludwigshafen, ein Leitartikel des Chefredakteurs Michael Garthe. Dieser ist seit etwa 25 Jahren im Amt, meint zu allen Themen sich äußern zu müssen, ist der Ökumene-Papst der Pfalz und hat die 1945 durch Frankreich lizenzierte Zeitung, die jahrzehntelang einen guten Ruf hatte, in den letzten zehn Jahren durch Falsch- bzw. Halbwahrheitsmeldungen lädiert. Seinen Versuch, sich zum Thema Heimat zu äußern, habe ich in meinem Brief bewertet. Der Leitartikel findet sich im Anschluss.

An den Chefredakteur der Rheinpfalz                                                                 19.2.2018

Michael Garthe

Sehr geehrter Herr Garthe,

in der Ausgabe vom 17.2.2018 versuchten Sie sich an einer Begriffsklärung über Heimat.

Sicher spüren Sie inzwischen, dass dies gründlichst daneben gegangen ist.

Doch wie so oft in der Zeitung werden falsche Tatsachen oder Halbwahrheiten den Lesern angedient. Man lässt sich selten Zeit, gründlich nachzuschlagen, nachzuforschen, obwohl doch Ihre Zunft dazu noch das schöne Wort recherchieren erfunden hat.

Die Arbeiten der beiden Historikerinnen Weber und Gilcher sind in der Regel einwandfrei, gut recherchiert und prima geschrieben.

Sie bemühen sich ab und zu mitzuteilen, Sie hätten auch Geschichte studiert. Na ja. Ihre Kenntnisse sind gemessen an Ihren mit Historischem geschmückten Texten meist suboptimal.

Nun habe ich den Leitartikel Heimat-Politik mehrmals gelesen und frage mich, wie es kommt, dass in Deutschland ein Chefredakteur seinen – wie Sie einmal schrieben – über 600.000 Lesern so etwas vorsetzen kann?

Ging es Ihnen nur darum, mal wieder der AfD eins auszuwischen? Dann sollten Sie das mit Intelligenz und Geist tun und nicht im Stile des Sozialismus der Antifa oder der linksgestrickten Unionisten oder Gut-Menschen-Gazetten.

Hätte mir einmal ein Student oder eine Studentin so etwas abgeliefert, hätte ich gesagt: „Setzen. Sechs.“ Über das Thema Heimat gibt es ganze Bibliotheken von Literatur. Ihr Text sagt mir, dass Sie nicht in einem Beitrag bzw. oder einem Buch dazu gelesen haben. Stattdessen faseln Sie an einer eigenen Begriffserklärung, die recht primitiv ist, herum. Warum?

Haben nicht viele Männer, Frauen und Kinder bei dem Begriff Heimat auch die Vorstellung von Familie? Dieser Begriff scheint Ihnen natürlich fremd, sind Sie ja doch der glühende Anhänger des Protestantismus, der Gender-Bewegung und all der Elemente, die das, was die Grundlage unserer Kultur ist, vernichten wollen.

Abenteuerlich ist folgende oberflächliche Formulierung: „Heimat grenzt nicht aus. Sie führt zusammen, was zusammen sein möchte. Rechtsextremisten und Nationalisten haben ein entgegengesetztes Verständnis. Für sie ist Heimat rassisch begründete Abstammungsgemeinschaft, die einen eigenen Raum besiedelt. Aus dieser Ideologie gingen Rassismus, Völkermord und Krieg hervor.“

Ist so etwas wirklich Ihre Meinung?? Wenn ja, dann sind die Juden in Israel fürchterliche Rechtsextremisten und Nationalisten. Gehört es aber nicht zu unserem Konstitutivum der Bundesrepublik Deutschland, diese Rechtsextremisten und Nationalisten in allem, was sie tun, zu unterstützen und sie zu verteidigen? Wehe es erhebt einmal eine Person ihre Stimme und fragt kritisch nach dem Mord an palästinensischen Kindern durch Juden oder ein Historiker nennt Juden Täter und nicht nur Opfer. Sicher würden Sie und Ihre Zeitung diejenige Person so fertig machen wegen Antisemitismus, dass sie als Lehrer z. B. den Staatsdienst verlassen müsste (was ja schon geschehen ist).

Merken Sie nicht, dass Sie gerade mal 20 Zeilen weiter Heimat als das definierten, was sie eben als böses faschistisches Gedankengut gegeißelt hatten: Heimat definiert sich für Sie aus Herkunft (Abstammungsgemeinschaft) und Zugehörigkeit (eigener Raum). Dann führen Sie als Elemente von Heimat Begriffe ein, die wirklich nichts mit Heimat zu tun haben: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde, usw. eine Fülle von Begriffen führen Sie auf, von denen Sie arroganterweise, unverschämterweise behaupten, dass die AfD am weitesten davon entfernt wäre. Woher nehmen Sie diese Selbstgerechtigkeit?

Sie sprechen also Personen, die in totalitären Staaten leben müssen, Heimatgefühl ab. Wie kommen Sie dazu? Hat nicht Kopelev so schön über Heimat geschrieben, obwohl er Jahrzehnte in einer kommunistischen Diktatur leben musste? Hatten Juden kein Heimatgefühl, die vom Zaren aus Russland vertrieben wurden? Schauen Sie mal bei „Anatevka“ nach!

Und wie ist es mit dem Grafen von Monte Christo…? Die europäische Literatur ist voll von Heimat-Beispielen … und dann kommt ein Chefredakteur daher und versucht eine neue Definition von Heimat. Schlimm! Haben Sie schon einmal Heinrich Böll gelesen? Wie hat er liebevoll Heimat umschrieben? Oder Bergengruen, oder Siegfried Lenz mit seinem Roman „Heimatmuseum“. Ich muss annehmen, dass Ihnen diese Normalliteratur, die eigentlich einem Deutschen geläufig sein müsste, abgeht.

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Zum Schluss ätzen Sie noch gegen Heimattümelei. Was haben Sie dagegen? Mir ist diese aber lieber als die Aussagen einer Bundestagsvizepräsidentin: „ich scheiße auf Deutschland“ oder eines linksfaschistischen Journalisten namens Yücel, der sich nur dann freuen könnte, wenn Deutschland unterginge. Können Sie sich in die Situation eines halberfrorenen deutschen Soldaten in Stalingrad versetzen, der seinen Liebsten einen Brief nach Hause schrieb? Nach Ihrer Sorte Gutmenschen ist dies Heimattümelei.

Können Sie sich in die Situation von deutschen Kriegsgefangenen hineinversetzen, die an Heilig Abend in Workuta „Stille Nacht, heilige Nacht“ sangen? Ist dies Heimattümelei? Oder was verstehen Sie darunter, da Sie ja die Deutungshoheit beanspruchen? Was ist so schlimm an einer kleinen heilen Welt, wie sie so verächtlich schreiben? Ist nur eine Welt der Hetze, der Korruption, der Ellbogen, der Großkonzerne, der übermächtigen Bürokratien, der menschenverachtenden EU, der Soros und Draghis, der Junkers, der Macrons, des Hasses und des Neides für Sie erstrebenswert? Hoffentlich wird endlich einmal die Verheißung von einer kleinen heilen Welt – Info von Christus übrigens! – Wirklichkeit!

Merkwürdig auch, dass Sie in Ihrem Leitartikel mit keinem Wort Heimat in Verbindung mit Freiheit und Frieden bringen. Warum nicht? In welche Richtung also sollte denn Ihr Leitartikel leiten? Richtung Sozialismus? Ja, denn Sozialismus, ob rechts oder links, kennt weder Freiheit noch Frieden! Markus Söder hat am Politischen Aschermittwoch gefragt, warum wir uns damit zufrieden geben, dass wir nur das Materielle beachten, nicht aber das, was den Menschen ausmacht, seine Gefühle, sein Herz usw.

Sie beschreiben den Menschen auch nur nach Materiellem. Das Bauchgefühl geht Ihnen total ab, wie eben auch allen Protestanten, auch A. Merkel. Sie diffamieren das „Bauchgefühl“ als Heimattümelei, gleichzeitig faseln Sie von dem Gefühl der Heimatlosigkeit. Das gilt Ihnen aber offenbar nur für die Isklamiskis, die seit Jahren zu Millionen Deutschland überschwemmen. Dürfen Deutsche sich nicht mehr ihrer Heimat erwehren, die sie bzw. ihre Eltern und Großeltern mühevoll nach dem von Sozialisten angezettelten Krieg wieder aufgebaut haben?

Sie schreiben, dass der Heimattümelei der AfD entgegengetreten werden müsse. Bitte nennen Sie mir einen Satz, eine Begebenheit, die die Heimattümelei der AfD deutlich machten.

Schlimm ist es, ja sogar faschistisch und extrem lutheranisch-sozialistisch, wenn Sie schreiben, dass unsere Heimat vom christlichen Glauben geprägt ist. Nicht auch von jüdischem Glauben? Warum grenzen Sie wieder aus, was sie unbewiesenermaßen der AfD, die bisher niemanden ausgrenzt hat, vorwerfen?

Sie schreiben, dass der Mensch einem Stamm zugehörig sei. Warum vermeiden Sie den Begriff Volk? Haben Sie Angst, sich zum Volk der Deutschen zu bekennen? Sagen Sie ich gehöre zum Stamm der Deutschen? Vermeiden Sie den Begriff Volk, weil die Sozialisten diesen missbraucht hatten? Dann dürften Sie auch nicht eine Wagner-Oper hören oder für die christliche Gemeinschaftsschule sein, die die Sozialisten eingeführt hatten.

MfG

H.J.Wünschel

Zur Person: Der 1947 in Bad Dürkheim geborene Wünschel ist seit mehr als 20 Jahren akademischer Direktor des historischen Seminars der Universität Landau. Seit 2002 ist der Historiker außerdem Honorarprofessor der polnischen Universität Tschenstochau.

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