Lockdown belastet Kinder schwer: Arche-Gründer spricht von „Katastrophe“ – Sofortmaßnahmen gefordert

Epoch Times6. Mai 2021 Aktualisiert: 7. Mai 2021 11:22
Arche-Gründer Bernd Siggelkow weiß aus erster Hand, wie schwer es Eltern und Kinder in der Corona-Krise haben. Er fordert die Politik zum Handeln auf – und zwar heute und nicht morgen.

Neben einem warmen Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung oder Freizeitangeboten bietet die Berliner Arche Kindern und Jugendlichen mittlerweile seit Jahrzehnten noch ein anderes wichtiges Gut: ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte. Und die sind in der mehr als einjährigen Pandemie ganz sicher nicht zurückgegangen, weiß Bernd Siggelkow zu berichten.

„Nach 13, 14 Monaten muss ich sagen, es ist eine Katastrophe für die Kinder, weil ihnen die gesamte Infrastruktur fehlt“, sagte der Gründer und Leiter der sozialen Institution an dem Tag, an dem die Bundesregierung ein Corona-Aufholpaket im Volumen von zwei Milliarden Euro für Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen auf den Weg brachte.

„Bei den Kleineren geht es ja, die dürfen in die Kita“, sagte Siggelkow gegenüber „Reuters“ am Mittwoch inmitten seiner Schützlinge. „Aber bei den Größeren, die so unregelmäßig Schule haben (…) manche sind schon ziemlich dick geworden, die sitzen den ganzen Tag nur vor dem PC. Der Tagesablauf hat sich verändert, und die Isolation hat natürlich auch um sich gegriffen. Und dadurch ist das natürliche Aggressionspotenzial gestiegen.“

Kinder am Rand der Verzweiflung

Die Familienstrukturen und die damit zusammenhängenden Problemlagen seien sehr unterschiedlich und entsprächen auch den kulturellen Gegebenheiten. „Wir haben hier in unserer Haupteinrichtung überwiegend alleinerziehende Mütter, die sowieso Ängste haben, die ihre Kinder schon lange zu Hause gelassen haben. Da ist aber die Ansteckungsgefahr nicht so groß. Wir haben allerdings auch viel größere Familien (…) wo Oma und Opa eben auch noch getroffen werden. Da ist natürlich der Krankheitsverlauf viel schlimmer“, so Siggelkow. Schützen würden sich die Menschen aber schon.

„Da gibt es dann andere Probleme. Da ist nicht das Problem die Krankheit, sondern die Angst, die wachsenden Probleme, die Sorgen, vielleicht auch die häusliche Gewalt. Manchmal rufen Eltern in der Nacht an, weil sie nicht mehr weiter wissen mit ihren Kindern. Kinder rufen an, die an den Rand der Verzweiflung kommen, weil sie sich ständig mit ihren Geschwistern prügeln. Das ist schon so eine besondere Herausforderung. Aber wir sind erreichbar 24 Stunden, das hilft – aber viele Kinder sind es eben nicht in Deutschland.“

Kabinett beschließt Förderangebote

Das Kabinett billigte am Mittwoch ein Aktionsprogramm von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Familienministerin Franziska Giffey (SPD). Die Hälfte der für die Jahre 2021 und 2022 veranschlagten Summe ist für Nachhilfe- und Förderprogramme vorgesehen. Schülerinnen und Schülern soll laut der Kabinettsvorlage ermöglicht werden, Lernrückstände durch zusätzliche Förderangebote aufzuholen.

Für Kinder in bedürftigen Familien ist auch ein Kinderfreizeitbonus von 100 Euro vorgesehen. Dafür sowie für Ferienfreizeiten und außerschulische Angebote sind 530 Millionen Euro eingeplant. Das Kabinett brachte zudem einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler auf den Weg.

Dieser soll ab dem Schuljahr 2026/2027 für Erstklässler gelten. Ab August 2029 soll dann jedes Grundschulkind der Klassen eins bis vier einen Anspruch auf acht Stunden Betreuung pro Tag haben. Der Bund will dafür 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Karliczek sprach von „wegweisenden Beschlüssen“ für die Zukunft der Kinder. Mit dem Corona-Aktionsprogramm solle erreicht werden, „dass die Kinder möglichst unbeschadet durch die Pandemie kommen“.

Man müsse davon ausgehen, dass 20 bis 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler deutliche Lernrückstände durch Schulschließungen hätten. Giffey wertete das Aufholpaket als „klares Signal, dass wir Kinder und Jugendliche und ihre Familien berücksichtigen“. Es gehe nicht nur um das Nachholen des versäumten Unterrichtsstoffs, sondern auch um außerschulische Bildungs- und Freizeitangebote.

„Die Menschen brauchen heute Hilfe“

Siggelkow warb am Mittwoch seinerseits für konkrete und vor allem schnell umsetzbare Maßnahmen. „Die Menschen brauchen heute Hilfe, und sie brauchten gestern Hilfe. Lehramtsstudenten ins Schulsystem. Das fordere ich seit Monaten, um die abgehängten Kinder zu unterstützen, die Lehrer zu unterstützen und die Eltern zu unterstützen, die dringend Hilfe brauchen“, sagte der umtriebige Arche-Initiator.

„Man kann nicht erwarten, dass nach Corona die Kinder die Klasse wiederholen, um mitzukommen. Also es heißt, es braucht Pakete, die jetzt geschnürt werden für heute und nicht für morgen. Und ich glaube, das ist so ein bisschen das Problem, was unsere Politik hat, dass es ihnen gar nicht bewusst ist, was passiert vor Ort, was passiert in den Brennpunkten? Was passiert bei Eltern zu Hause, die zu Hause bleiben müssen und nicht arbeiten gehen können, weil sie ihre Kinder im Homeschooling unterrichten müssen? Und da braucht es Lösungen. Und diese Lösungen sind weit weg, weil man nicht mit den Experten darüber redet und sagt: Hier Leute, was können wir eigentlich tun, wo drückt jetzt der Schuh?“

Diese Frage stellt Siggelkow selbst seit langen Jahren direkt vor Ort, konkret seit der Pastor 1995 in Berlin-Hellersdorf die Arche gründete, um mit der Stiftung an der Verbesserung der Situation von Kindern speziell aus sozial benachteiligten Familien mitzuwirken. Inzwischen gibt es hierzulande nach Angaben des christlichen Kinder- und Jugendwerkes Anlaufstellen an rund 25 Standorten. Mit den kostenlosen Angeboten erreiche man bundesweit mehr als 4.000 Kinder und Jugendliche. Inzwischen zeige die Arche auch in Polen und der Schweiz Präsenz. (reuters)



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