Lockdown mit Ausgangssperren – Virologe Streeck warnt: „Feuern das Infektionsgeschehen weiter an“

Epoch Times10. April 2021 Aktualisiert: 11. April 2021 9:45
Die Bundesregierung plant noch schärfere Maßnahmen. Der Virologie-Professor Hendrik Streeck sieht das skeptische. Der geplante harte Lockdown mit Ausgangssperren könnte die Infektionslage verschlimmern.

Der Bonner Virologie-Professor Hendrik Streeck warnt vor einem härteren Lockdown mit Ausgangssperren. „Dadurch feuern wir das Infektionsgeschehen weiter an“, sagte der Virologe im Videocast „19 – die Chefvisite“. Aktuell infizierten sich laut RKI vor allem sozial Schwache in beengten Wohnverhältnissen. Bei einer Ausgangssperre „können die sich nicht Corona-konform aus dem Weg gehen“, so Streeck.

Seine Forderung: „Wir schaffen sichere Bereiche draußen, wo die Menschen sich treffen können, anstatt sie weiter zusammenzudrängen.“ Er denkt zum Beispiel an gelüftete Turnhallen mit Sicherheitspersonal. Diese Lösung sei besser als „private Graubereiche, wo keiner sehen kann, ob die Regeln eingehalten werden“. Das heiße „Ventile schaffen“, betonte Streeck. Dabei könne auch die Außengastronomie eine Rolle spielen, wo das Infektionsrisiko vergleichsweise gering sei.

Der Mediziner meldete sich zu Wort, nachdem am Freitagabend berichtet wurde, dass die Bundesregierung den Fraktionen von Union und SPD konkrete Vorschläge zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes übermittelt hat. In der sogenannten „Formulierungshilfe“ sind demnach unter anderem nächtliche Ausgangssperren von 21.00 bis 05.00 Uhr in allen Landkreisen und kreisfreien Städten ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 vorgesehen.

Verwundert zeigte sich der Mediziner indes auch über die Alarmrufe. In Frankreich liege die Inzidenz bei 400 auf 100.000 Einwohnern binnen einer Woche und damit viermal höher als in Deutschland. „Die gehen damit relativ gelassen um“, so der Virologe. Hierzulande führten steigende Inzidenzwerte dagegen zu Warnungen, als ob Deutschland „kurz vor der Triage steht“.

Angesichts der unklaren Datenlage nach Ostern mahnte Streeck „ruhige Abwägung und Langzeitblick“ an. Er geht davon aus, dass sich „Coronaviren saisonal verhalten“ und rechnet mit einem „Abfall des Infektionsgeschehens in den nächsten Monaten“, wenn es wärmer wird. Hinzu kämen die Fortschritte bei der Impfung.

Streeck überrascht über Empfehlung nach AstraZeneca-Impfung

Zuvor hatte sich Streeck überrascht über die Empfehlung gezeigt, Menschen nach einer Corona-Impfung mit dem Präparat von AstraZeneca eine Zweitimpfung mit Biontech (BioNTech (ADRs))- oder Moderna-Wirkstoffen anzubieten.

„Da sind die klinischen Studien noch nicht gelaufen. Ich hielte es für notwendig, sich an die Regeln zu halten und abzuwarten, ob die Studien erfolgreich sind“, sagte Streeck der „Fuldaer Zeitung“ am Donnerstag. Er halte es aber für eine „nachvollziehbare“ Entscheidung, das AstraZeneca-Vakzin nicht mehr an Menschen unter 60 Jahren zu verabreichen – auch wenn der Impfstoff an sich gut und sicher sei.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte empfohlen, dass Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Corona-Impfung mit dem Präparat von AstraZeneca erhalten haben, bei der zweiten Impfung auf ein anderes Mittel umsteigen sollen. Grund sind mehrere Verdachtsfälle auf eine Hirnvenenthrombose. Experten vermuten, dass das Risiko jüngere Menschen betrifft.

Die Stiko empfahl, als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen. In Deutschland sind die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. (oz/afp)


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