Ludwigsburg: Richter schickt „Zeugen-Bestrafer“ für Jahre ins Gefängnis – 19-Jährigen brutal zusammengeschlagen

Von 4. Dezember 2017 Aktualisiert: 4. Dezember 2017 10:24
Sie schlugen und traten brutal zu, um dem ehemaligen Freund und Zeugen vor Gericht eine Abreibung für seine Aussage zu verpassen. Mit Gefängnis hatten sie bereits Erfahrung. Dorthin schickte sie der Richter auch wieder zurück.

Das Amtsgericht in Ludwigsburg zeigte Härte. Dies hatte jedoch nicht allein mit der verhandelten Strafsache, einer gefährlichen Körperverletzung zu tun, sondern mit dem Unvermögen der beiden Angeklagten, aus ihrer kriminellen Vergangenheit zu lernen. Erst im April war der junge Mann aus dem Gefängnis gekommen, in dem er eine vierjährige Haftstrafe absaß.

Auch der 19-jährige Täter saß bereits vorher in Haft, wurde jedoch vorzeitig entlassen, um eine Drogentherapie zu beginnen. Doch diese hatte er ohnehin, wie auch die zweite danach, wieder abgebrochen. Im Sommer soll er auch wieder kriminell geworden sein.

Richter Ulf Hiestermann sah es als erwiesen an, dass die beiden Täter einen 19-jährigen jungen Mann aus Korntal „erhebliche Verletzungen mit erheblichen Folgen“ zugefügt hatten. Zudem hatten sich die Angeklagten mit der Tat brutal an dem 19-Jährigen rächen wollen, der in einem früheren Verfahren gegen einen von ihnen als Zeuge ausgesagt hatte.

1. Juli 2017, nachmittags

Die beiden späteren Angeklagten verabredeten sich in Münchingen mit ihrem Opfer am Nachmittag des 1. Juli 2017, einem Samstag, in den Nachmittagsstunden.

Einst waren die drei jungen Männer Freunde. Jedoch hatte der 19-Jährige in einem Prozess gegen den Gleichaltrigen ausgesagt.

Schon vor dem Treffen sei es den Beteiligten klar gewesen, dass sich eine Schlägerei ergeben würde, berichteten die „Stuttgarter Nachrichten“. Das spätere Opfer ging schon in unheilvoller Erwartung zu dem Treffen, hoffte aber, nach der zu erwartenden Prügel endlich in Ruhe gelassen zu werden. Zu lange schon hatte der ehemalige Freund ihn so massiv bedroht, dass sich der Gleichaltrige nicht mehr zur Arbeit traute, wodurch er seine Lehrstelle verlor:

Ich habe mit Faustschlägen und einer blutigen Nase gerechnet, aber nicht mit einem Ast und mit Brüchen.“

(Opfer, 19, vor Gericht)

Doch der Hass sitzt tief. Der 19-jährige Schläger zieht auf dem Weg zur Unterführung einen 60 Zentimeter langen Ast aus einem Gebüsch. Damit prügelte er anschließend auf Arm und Oberschenkel des Opfers ein, tritt ihn und schlägt ihm die Faust ins Gesicht.

Daraufhin geht der Geprügelte zu Boden. Doch es ist noch nicht vorbei. Auch der 22-Jährige beteiligte sich an der „Bestrafung“, obwohl er dies ursprünglich nicht vorgehabt habe, heißt es.

„Die Täter hätten eine Tötung in Kauf genommen“, erklärte die Anwältin des Opfers vor Gericht und verwies darauf, dass der 22-Jährige zudem ein Messer eingesteckt hatte.

Als die beiden Schläger lachend davongingen, hinterließen sie einen blutenden jungen Mann mit zugeschwollenem Gesicht, zertrümmerter Nase, zwei ausgeschlagenen Schneidezähnen und zahlreichen Prellungen und Hämatomen.

Der 19-Jährige kommt ins Krankenhaus, muss mehrmals operiert werden. Auch heute noch leidet er an den Folgen des Übergriffs, ist arbeitsunfähig und psychisch instabil.

Richter Hiestermann spricht Machtwort

In seiner Urteilsfindung ließ der Richter auch die früheren Urteile mit einfließen. Auch hinsichtlich der „Bestrafung eines Zeugen“ ließ Ulf Hiestermann keine Zweifel aufkommen, dass er es ernst meint:

Wir sind auf Zeugen angewiesen und müssen sie schützen. Wer Zeugen angreift, muss entsprechend bestraft werden.“

(Richter Hiestermann)

Bei der Verhandlung am vergangenen Dienstag wurde der 22-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung zu zweieinhalb weiteren Jahren im Gefängnis verurteilt, der 19-Jährige erhielt eine vierjährige Jugendstrafe. Außerdem müssen die beiden dem Geschädigten 6.000 Euro an Schmerzensgeld zahlen.

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Durch die Härte der Strafe erkannten die beiden Täter offenbar den Ernst der Situation. Sie entschuldigten sich vor Gericht bei dem Opfer. Auch der 19-Jährige zeigte späte Reue:

Ich wollte nicht, dass es so schlimm zugeht, damit habe ich nicht gerechnet.“

(Verurteilter, 19)

Kleinlaut versicherte er noch, dass das Opfer keine weiteren Repressalien mehr zu erwarten hätte …

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