Maischberger diskutiert: War Sarrazin Schuld am AfD-Aufstieg? – Er sagt „Nein“

Epoch Times28. April 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 21:37
Ein resignierter Thilo Sarrazin, eine entschiedene Beatrix von Storch und alle anderen hitzig gegen sie – das war das Gesamtbild des gestrigen Maischberger-Talks: "Die Angstmacher: Wie gefährlich sind Deutschlands Populisten?" Die wichtigsten Thesen im Überblick.

War Sarrazin mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ nicht eigentlich schuld am Aufstieg der AfD? Diese Frage wurde gleich zu Anfang diskutiert. Das Buch erschien 2010. Die AfD wurde 2013 gegründet.

Sarrazin distanziert sich

Sarrazin sagt dazu: „Ich bin natürlich traurig, dass es nicht meine eigene Partei ist, die mir gefolgt ist." Er ist seit 1973 SPD-Mitglied und schätzt, dass es die AfD wohl nie gegeben hätte, wenn die Volksparteien auf ihn gehört hätten. Von der AfD distanziert er sich im Folgenden so gut er kann. „Wenn ich Herrn Höcke vor wallenden Fahnen nächtliche Reden schwingen höre, dann weckt das bei mir ungute Assoziationen", sagt Sarrazin. Man müsse sich schließlich "von unbeherrschten Emotionen aus der rechten Ecke abgrenzen", zitierte ihn die SZ.

Von der stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Beatrix von Storch wurde Sarrazin direkt eingeladen, ihrer Partei beizutreten: "Er ist natürlich auch bei uns willkommen“, sagte sie wörtlich. Er würde der SPD, die vergeblich versucht hatte ihn auszuschließen, aber sicher auch gut tun, so die AfD-Politikerin.

CDU-Politiker Elmar Brok ergänzte, Sarrazin habe der AfD den Weg bereitet, indem er als damals angesehener SPD-Politiker und Bundesbanker abwegige Thesen in Deutschland salonfähig gemacht habe.

Politologe Albrecht von Lucke erklärte, die AfD habe Sarrazins Thesen radikalisiert. So stehe nun im Entwurf zum Parteiprogramm der Satz: “Der Islam gehört nicht zu Deutschland”.

Von Storch sieht „kollektive Schnappatmung“

Ab hier entwickelte es sich in eine hitzige „alle gegen von Storch“-Runde – und die AfD-Frau nannte die Reaktion ihrer Gesprächspartner „kollektive Schnappatmung“.

Vergangenen Oktober habe eine Umfrage ergeben, dass zwei Drittel der Menschen dem Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ zustimmen, erläuterte von Storch. Die AfD sei eine Partei die das diskutieren wolle und Diskurse führen wolle, die eigentlich lange hätten geführt werden müssen. Man wolle auch nicht Muslime pauschal diffamieren, sondern unterscheiden zwischen dem Glauben der gelebt werde und dem politischen Islam.

„Warum sagen Sie dann nicht einfach: Der Islamismus gehört nicht zu Deutschland?“, konterte darauf von Lucke. Er kritisierte auch, dass von Storch den Kölner Kardinal Woelki einen „Staatsbeamten“ nannte. Weil er mit Steuergeldern bezahlt werde, ergänzte von Storch.

Sie verwies auch darauf, dass der Unionsfraktionsvorsitzende Volker Kauder 2012 sagte: "Der Islam ist nicht Teil der deutschen Tradition und der Identität, und deswegen gehört er nicht zu Deutschland"

Gysi: "Können uns Religionskrieg nicht leisten"

Der LINKE-Politiker Gregor Gysi vertrat folgende Auffassungen: Die AfD radikalisiere sich ständig, ihr Partei-Programm sei in Steuerfragen zutiefst "asozial" und beim Thema Islam "grundgesetzwidrig". Die AfD könne zwar das Verbot von Moscheen, Minaretten und Muezzinrufen fordern und gleichzeitig behaupten, damit die Glaubensfreiheit nicht zu beeinträchtigen, aber "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sähe das das Bundesverfassungsgericht gänzlich anders und würde es unterbinden", so Gysi laut N24.

Dann prognostizierte Gysi noch, dass die AfD einen „Religionskrieg“ vom Zaun brechen könnte: "Wenn sie das Sagen hätten und sich durchsetzten, wäre das in islamistischen Staaten die Begründung, die christlichen Kirchen zu verbieten." Schon jetzt gebe es dort Verfolgung. "Es ist abenteuerlich, was sie hier machen", sagte Gysi zu AfD-Frau von Storch: "Wir können uns einen Religionskrieg in neuer Form im 21. Jahrhundert überhaupt nicht leisten."

Der Politologe Albrecht von Lucke unterstützte diese These: "Wenn die AfD sagt, der Islam gehört nicht zu Deutschland, dann ist das eine Radikalisierung des Diskurses in diesem Lande, der bis vor kurzem nicht denkbar gewesen wäre". Damit würden faktisch vier Millionen Menschen in Deutschland "außerhalb der Gemeinschaft" verortet, so der Forscher und Publizist. Der AfD warf er vor „eine Partei der permanenten Entdifferenzierung“ zu sein, „und sie sprechen doch nicht zu differenziert denkenden Leuten."

Politologe: „Versagen der anderen Parteien“ verursacht AfD-Erfolg

Für den Aufstieg der AfD sieht von Lucke aber nicht Sarrazin verantwortlich, sondern die CDU. Merkels Aussage “Wir schaffen das!” folgte keine Erklärung, wie das alles geschafft werden könne. Dieses Versagen habe die AfD erst groß gemacht. Seehofer habe durch seine Kritik die Kanzlerin „wundgeschossen" und so den Eindruck erweckt, sie habe gar keine Lösungen. Damit habe er der AfD „permanent Wahlpublikum" zugeschoben, sagte von Lucke laut Huffington Post. (rf)

Hier kann man die einstündige Sendung online sehen:

https://youtube.com/watch?v=qXUnY8J1-uE

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