Merkel geht auf Distanz zu umstrittenem „Wir schaffen das“- Mantra

Von 17. September 2016 Aktualisiert: 17. September 2016 12:32
Kurz vor der Wahl des neuen Abgeordnetenhauses in Berlin distanziert sich Angela Merkel von ihrem berühmten Satz: "Wir schaffen das". Sie wolle das Mantra bezogen auf die Flüchtlingskrise nicht mehr wiederholen, da "er doch zu einer Art schlichtem Motto, fast zu einer Leerformel geworden," so die Kanzlerin.

Angela Merkels berühmtester Satz in der Flüchtlingskrise ist „Wir schaffen das“. Seit Beginn der unkontrollierten Massenzuwanderung nach Europa wurde dieser Ausspruch zum Mantra der Bundeskanzlerin. Viele stimmten ihr anfangs noch zu. Doch eine unkontrollierte Einwanderung von über einer Million Menschen in kürzester Zeit bringt Probleme mit sich, die nicht mehr so einfach zu schaffen sind. Die Herausforderungen bei der Integration von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen und aus den Kriegsgebieten sind enorm.

„Wir schaffen das“ ist von einem positiven Motto für manch einen deutschen Bundesbürger bereits zum Hohn geworden.

Deshalb wächst der Druck auf Angela Merkel, ihren Kurs in der Flüchtlingsfrage zu korrigieren. Die CSU unter Horst Seehofer fordert eindringlich eine Obergrenze für Flüchtlinge und Migranten. Die Kanzlerin lehnt dies vehement ab. Die CSU droht: Die Partei werde Merkel im Bundestagswahlkampf 2017 nur unterstützen, falls sie einer Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge nachkommt.

Merkel: Wir schaffen das ist zu Leerformel geworden

Es ist nicht zu erwarten, dass die Kanzlerin dem nachkommen wird, doch äußerte sie jetzt erstmals selbst Kritik über ihren umstrittenen Satz „Wir schaffen das“.

Der „WirtschaftsWoche“ sagte Merkel: „Er ist Teil meiner politischen Arbeit, weil ich davon überzeugt bin, dass wir ein starkes Land sind, das auch aus dieser Phase gestärkt herauskommen wird. Er ist Ausdruck einer Haltung, wie sie sicher viele aus ihrem beruflichen und privaten Leben kennen. Manchmal denke ich aber auch, dass dieser Satz etwas überhöht wird, dass zu viel in ihn geheimnist wird. So viel, dass ich ihn am liebsten kaum noch wiederholen mag, ist er doch zu einer Art schlichtem Motto, fast zu einer Leerformel geworden.“

Weiters meinte die Kanzlerin: „Manch einer fühlt sich von ihm sogar provoziert. So war er natürlich nie gemeint, sondern anspornend, dezidiert anerkennend. Und zwar weil ich genau weiß, dass wir alle in unserem Land gemeinsam sehr viel zu schultern haben, aber dass sich das in den übertrieben oft wiederholten drei Wörtern nicht sofort abbildet.“

Angela Merkel distanzierte sich von „Wir schaffen das“ nur einen Tag vor der Wahl des neuen Abgeordnetenhauses in Berlin, wo eine rot-rot-grüne Koalition wahrscheinlich ist. Anfang September war die CDU bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern mit lediglich 19 Prozent hinter der AfD gelandet.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN