Angela MerkelFoto: über dts Nachrichtenagentur

Merkel verteidigt Nord Stream 2 vor Europarat

Epoch Times20. April 2021 Aktualisiert: 20. April 2021 14:27

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat erneut das umstrittene deutsch-russische Pipeline-Projekt Nord Stream 2 verteidigt.

Grundsätzlich sei russisches Gas, das durch die Ostsee nach Europa gelange, ja nicht schlechter als solches über die Ukraine oder die Türkei, sagte Merkel am Dienstag per Videoschalte im Straßburger Europarat.

Sie habe den Eindruck, dass es bei der Kritik an dem Vorhaben um die übergeordnete Frage gehe: „Wie wollen wir mit Russland Handel treiben?“

Merkel: „Wir haben viele Konflikte mit Russland“

„Wir haben viele Konflikte mit Russland, die leider unser Verhältnis schwierig machen“, sagte Merkel weiter. „Aber wir müssen trotzdem reden.“ Vor diesem Hintergrund habe sich Deutschland für Nord Stream 2 entschieden, auch wenn viele in diesem „politischen Kampf“ anderer Meinung seien.

Nord Stream 2 soll das Potenzial für russische Gaslieferungen nach Deutschland deutlich erhöhen, sorgt aber für Spannungen sowohl innerhalb Europas als auch mit den USA. Kritiker befürchten unter anderem eine Schwächung alternativer Pipelines und traditioneller Transitländer, etwa der Ukraine.

Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit Russland wegen dessen Truppenaufmarschs an der ukrainischen Grenze und der Inhaftierung des prominenten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny war die Kritik an dem Vorhaben noch lauter geworden. Unter anderem das EU-Parlament forderte einen Baustopp.

Uniper, Wintershall, Engie, Shell, OMV an Nord Stream 2 beteiligt

Die Bundesregierung hält aber bislang an Nord Stream 2 fest. Die Pipeline, an der neben dem russischen Energieriesen Gazprom auch Uniper und Wintershall aus Deutschland, der französische Konzern Engie, der britisch-niederländische Konzern Shell sowie OMV aus Österreich als Finanzinvestoren beteiligt sind, ist nahezu fertiggestellt.

Im Europarat verwies die Kanzlerin auf die gemeinsamen Sanktionen der EU gegen Russland wegen des Ukraine-Konflikts und des Falls Nawalny. Ihr sei dieses gemeinsame Vorgehen „sehr wichtig“. Die Lage in der Ukraine sei „angespannt, auch wegen der Truppen an der Grenze“.

Im Fall des inhaftierten Kreml-Kritikers Nawalny, der seit drei Wochen mit einem Hungerstreik für eine angemessene medizinische Versorgung kämpft, äußerte Merkel „große Sorge“ über dessen Gesundheitszustand. Die Bundesregierung versuche ihren Einfluss geltend zu machen, damit „er die geeignete medizinische Betreuung bekommt“.

Deutschland bezieht 94 Prozent seines Erdgas-Bedarfs aus dem Ausland

Derzeit werden knapp 94 Prozent des Gesamtbedarfs ausschließlich über Pipelines aus verschiedenen Lieferländern bezogen. Nur 6 Prozent des Erdgases stammt aus heimischen Quellen.

Aktuell gibt es bereits mehrere Erdgasleitungen die von Russland nach Deutschland führen (Nord Stream und die Jamal-Leitung). Russland ist mit einem Anteil von über 50 Prozent wichtigster Lieferant von Erdgas nach Deutschland. Es folgt mit ca. 25 Prozent Norwegen und dann die Niederlande mit ca. 21 Prozent.

Nach dem Erdöl ist Erdgas der wichtigste Brennstoff für den Primärenergieverbrauch in Deutschland.

Im Laufe der letzten fünf Jahre ist im Trend ein Anstieg im Erdgasverbrauch zu erkennen. Doch über einen längeren Zeitraum betrachtet zeigt sich ein relativ konstanter Bedarf.

Deutschland ist weltweit der zweitgrößte Erdgasimporteur nach China. Dabei verbraucht die Industrie den größten Anteil, gefolgt von privaten Haushalten, wobei die Fernwärme nur knapp ein Zehntel des Gesamtverbrauchs ausmacht.(dpa/statista/afp/er)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion