Boris Palmer, Grünen-Politiker und Oberbürgermeister von Tübingen.Foto: Christoph Schmidt/dpa

Morddrohungen und Kritik: Palmer will Tübinger Modell weiter fortführen

Epoch Times30. März 2021 Aktualisiert: 30. März 2021 9:46

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat das Testkonzept und die Öffnungsstrategie in seiner Stadt gegen Kritik verteidigt und der Rückkehr in einen harten Lockdown eine Absage erteilt.

„Ein Lockdown ist für mich das letzte Mittel der Wahl und nicht das erste“, sagte Palmer der „Rheinischen Post“. „Die Kritik auch der Kanzlerin beruht auf einem Missverständnis. Wir öffnen nicht einfach, wir haben auch zusätzliche Testpflichten zum Beispiel beim Friseur“, so Palmer weiter.

Wegen dem Modellprojekt erhalte er auch Morddrohungen, berichtet die F.A.Z. „Das Modellprojekt steht seit heute sehr unter Druck“, sagte Palmer in einer Online-Gesprächsrunde mit Wissenschaftlern am Montagabend in Tübingen. Viele wünschten sich, dass das Projekt scheitere.

Wegen Morddrohungen gegen ihn gebe es bereits eine dreistellige Zahl an Verfahren bei der Staatsanwaltschaft, heißt es in dem Artikel weiter.

Zur Kritik am Modellprojekt äußerte Palmer:

„Wir wollen herausfinden, ob wir mit unserer Teststrategie die Pandemie besser unter Kontrolle bekommen, als andere Regionen mit Schließungen“, sagte Palmer am Montag bei einer Ringvorlesung der Universität Tübingen. „Ich hoffe, dass dieser Versuch so lange laufen kann, bis wir darüber klare Daten haben.“

Palmer: Erhöhung von Inzidenzzahl wegen Ausbruch in Asylheim

Die „Stuttgarter Zeitung“ meldet derweil in ihrer Dienstagsausgabe, dass sich die Inzidenzzahlen in der schwäbischen Universitätsstadt von Donnerstag auf Sonntag von 35 auf 66,7 fast verdoppelt haben. Palmer bestätigte die Tendenz, sieht die Öffnungsstrategie dafür aber nicht als Ursache an.

Nach den Öffnungen von Geschäften, Restaurants und Kultureinrichtungen in Tübingen in der vergangenen Woche seien die Zahlen nach oben gegangen, sagte der Grünen-Politiker.

Grund dafür sei aber ein Ausbruch in der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Tübingen gewesen. „Das hat meiner Ansicht nach nichts mit unserer Öffnungsstrategie zu tun“, sagte Palmer.

Palmer: Teil der höheren Inzidenzzahlen verbunden mit intensiver Testung

Der Oberbürgermeister verwies zudem darauf, dass ein Teil der höheren Inzidenzzahlen durch die mit der Öffnung verbundene intensive Testung zu erklären sei. An den neun öffentlichen Teststationen, die jeder Passant für die Innenstadt durchlaufen muss, seien viele unentdeckte Infektionen gefunden worden, sagte Palmer.

Der Grünen-Politiker schloss nicht aus, dass der Modellversuch seiner Stadt auch abgebrochen werden könnte – etwa, wenn Menschen die Öffnungen missbrauchten oder die Zahlen unverhältnismäßig stiegen. Das Tübinger Modell, bei dem Menschen nach einem Test in der Innenstadt ungehindert einkaufen und flanieren können, hat bundesweit Beachtung gefunden. (afp/dts/er)



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