München: Caritas begrüßt erste muslimische Erzieherin mit Kopftuch in katholischem Kindergarten

Von 19. September 2019 Aktualisiert: 19. September 2019 18:53
In Westdeutschland zwingt der Erziehermangel kirchliche Träger von Sozialeinrichtungen, auch auf nichtchristliches Personal zurückzugreifen. Gerade in Gebieten mit hohem Einwandereranteil beschäftigen christliche Einrichtungen vermehrt muslimische Mitarbeiter. Eine davon ist Sakine Doğudurak, die als erste Muslima mit Kopftuch ihren Dienst in einer Caritas-Kita angetreten hat.

Im Jahr 2015 hat die Deutsche Bischofskonferenz die neue „Grundordnung des kirchlichen Dienstes im Rahmen kirchlicher Arbeitsverhältnisse“ beschlossen. Die Katholische Kirche stand vor der Notwendigkeit, in einer Situation des Mitgliederrückgangs in den eigenen Reihen und der Erosion christlich-religiöser Lebenspraxis in Deutschland einen neuen Ansatz zu finden.

Einerseits wollte man wie bislang die Gewinnung loyaler Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen sichern, andererseits aber auch Stellen besetzen können, für die es zu wenige Bewerber mit mustergültiger katholischer Vita gibt. Deshalb beschloss die Bischofskonferenz einige Lockerungen, die zumindest in Bereichen, die nicht direkt mit der Glaubensverkündigung zu tun hatten. Geschiedene, auch Wiederverheiratete, sollten leichter zumindest in einigen Bereichen kirchlicher Einrichtungen arbeiten können, aber auch Nichtkatholiken – bei Bedarf auch Nichtchristen.

Mittlerweile Kinder aus über 70 Nationen in Oberbayern betreut

Besonders in den kirchlichen Sozialeinrichtungen hat das zum Teil zu gravierenden Veränderungen geführt. So greifen einem Bericht des „Bayerischen Rundfunks“ (BR) zufolge unter anderem in Oberbayern Kindertagesstätten der Caritas vermehrt auf muslimische Kindergärtnerinnen zurück.

„Bei den 64 Kindertageseinrichtungen der Caritas in München und Oberbayern werden mittlerweile Kinder aus über 70 Nationen betreut“, berichtet der BR, „mehr als zehn Prozent aller Kinder sind muslimisch“. Kürzlich stellte die Wohlfahrtseinrichtung selbst auf Facebook Sakine Doğudurak vor, die als erste muslimische Erzieherin mit Kopftuch in einer Einrichtung des katholischen Trägers tätig geworden sei.

Zu Beginn, so erzählt die Erzieherin, sei sie überrascht gewesen, ausgerechnet bei der Caritas eine Anstellung zu bekommen, nachdem sie zuvor mehrere Absagen kassiert hatte – unter anderem bei Einrichtungen öffentlicher Träger.

„Ich wollte nur mit meinem Kopftuch arbeiten“, erklärte die Erzieherin gegenüber dem BR.

Ich bin, wie ich bin. Ich würde alle anderen Menschen so annehmen, wie sie sind, ich würde aber auch erwarten, dass mich andere Leute so annehmen.“

In einer Kindertagesstätte der Caritas in München-Ludwigsfeld, eines Stadtviertels im Arbeiterviertel Feldmoching-Hasenbergl, das im Nordwesten der Stadt liegt und einen hohen Anteil an Einwanderern aufweist, hat Sakine Doğudurak eine Anstellung gefunden.

Bereitschaft, katholische Feste mitzufeiern, wird vorausgesetzt

Anfeindungen wegen des Kopftuches habe sie nicht erlebt. Sie beschreibt sich vielmehr als der „momentan glücklichste Mensch auf der Welt, weil ich so akzeptiert wurde, wie ich bin“. Der Umgang im Team sei offen und respektvoll.

Leiterin Ina Horlbeck sieht in der Beschäftigung gläubiger muslimischer Kolleginnen kein Problem, solange diese den religiösen Hintergrund der Einrichtung respektierten: Sie hätte „jetzt natürlich ein Problem“, wenn eine muslimische Mitarbeiterin sagte, der Kirchgang mit den Kindern sei ihr unangenehm, äußerte Horlbeck gegenüber dem BR.

Wer sich für die Caritas als Arbeitgeber entscheide, egal ob als jemand ohne oder mit anderem religiösen Bekenntnis, müsse sich im Klaren darüber sein, dass von ihm erwartet werde, die spezifischen Traditionen, Werte und Feste der katholischen Gemeinde mitzutragen.

Im Caritas-Kindergarten im Münchner Stadtteil Hasenbergl sind nach Angaben der Leiterin beispielsweise 50 Prozent der Kinder muslimisch. In vielen großstädtischen Lagen Westdeutschlands ist die Situation ähnlich. Der Erziehermangel veranlasst Caritas-Einrichtungen dazu, verstärkt auf muslimische Bewerberinnen zurückzugreifen.

Christliche Feste werden aber weiterhin gefeiert, heißt es aus dem Träger. Die muslimische Erzieherin Sakine Doğudurak wurde nach ihrer Einstellung in christlichen Inhalten und Bräuchen geschult, das Gleiche geschehe mit anderen Erziehern ohne christlichen Hintergrund.

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