Mysteriöser Todesfall in Mönchengladbach: Was trieb Marcel K. (32) in den Tod?

Von 22. September 2018 Aktualisiert: 23. September 2018 13:05
Der Tod des Marcel K. wirft Fragen auf. Die Polizei sagt, es war Selbstmord. Das scheint schlüssig. Doch wie geriet der 32-Jährige in eine für ihn ausweglose Situation? Alles Zufall?

Am Nachmittag des 19. September wurde der HoGeSa-Mitgründer Marcel K. tot in Mönchengladbach aufgefunden. Anfangs wurde von einem Mord durch mehrere Messerstiche in den Medien berichtet. Später gab die Polizei bekannt, dass sich der 32-Jährige selbst umgebracht habe:

Wie bereits berichtet, fand ein Passant am gestrigen Nachmittag an der Abteistraße einen leblosen Mann, der Stichverletzungen aufwies. (…) Die Untersuchungen bestätigen ein suizidales Geschehen, bei welchem der 32-jährige Bremer sich selbst mit einem Messer das Leben nahm.“

(Polizei und Staatsanwaltschaft Mönchengladbach)

So berichteten es Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag, 20. September, einen Tag nach dem Tod von Marcel K. (32) in Mönchengladbach.

Die Pressekonferenz

In einer Pressekonferenz am nächsten Tag berichteten Chefermittler Ingo Thiel (Kripo Mönchengladbach), die Pressesprecherin der Polizei, Isabella Hannen und einem Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Wie Ingo Thiel berichtet, wurde das Opfer in einer großen Blutlache und auf dem Bauch liegend aufgefunden. Am Anfang bereits wurden Verletzungen an den Unterarmen bemerkt: “ Dabei habe es sich aber nicht um Abwehrverletzungen gehandelt. Es drängte sich schnell der Verdacht eines Suizides auf.“

Zum „Ausschluss aller Möglichkeiten“ wurde dennoch eine Mordkommission gegründet.

Wir haben dann festgestellt, nach Wenden des Opfers, dass es weitere zahlreiche Stiche im Bereich des Oberkörpers gegeben hat.“

(Ingo Thiel, Kripo Mönchengladbach)

Über die Anzahl der Stiche mit dem am Tatort gefundenen Klappmesser mit Zwölf-Zentimeter-Klinge wollte der Kriminalbeamte nicht sprechen.

Die Kamera in der Nähe hatte den Schilderungen nach keine weiteren Personen aufgezeichnet, die in den abgetrennten Bereich am Tatort gegangen waren, außer Marcel K. und den Passanten, ein Arzt, der ihn gefunden hatte. Auch habe es keinen anderen Zugang zum Tatort gegeben. Den eigentlichen Tatort konnte die Kamera nicht einsehen. Der Tod soll gegen 16 Uhr eingetreten sein. Der Zeuge fand ihn gegen 17 Uhr tot vor.

Medikament am Tatort gefunden

Am Tatort soll auch ein Medikament gefunden worden sein, ein Anti-Depressiva, Angstzustände mildernd und schmerzlindernd.

Die Polizei gehe davon aus, dass Marcel K. große Mengen davon genommen habe, was aber erst noch durch eine toxikologische Untersuchung geklärt werden muss.

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Sämtliche Theorien, die da laut geworden sind, sind von uns zweifelsfrei behoben worden.“

(Ingo Thiel, Chefermittler)

Die Freundin und die Angehörigen von Marcel K. hätten zudem der Selbstmordtheorie nicht widersprochen, hätten „so etwas schon befürchtet“. Der Suizid sei zweifelsfrei geklärt.

Die Pressesprecherin der Polizei Mönchengladbach, Isabella Hannen, wies jegliche Vorwürfe in Richtung Verschleierung und Lügen zurück.

Depression, Psychose, Drogen?

Ein Reporter fragte nach dem gesundheitlichen Zustand des Opfers hinsichtlich der Suizid-Ursachen, worauf Chefermittler Thiel sagte:

Das Krankheitsbild des Marcel K. deutet auf eine Depression hin, eine Psychose hin, die – ich bin kein Arzt – durchaus aufgrund von jahrelangem Drogenkonsum hervorgerufen worden sein kann.“

(Ingo Thiel, Kriminalbeamter)

Das Opfer sei einen Tag vor seinem Tod bei einem Arzt gewesen, habe von Angstzuständen gesprochen. Dies erfuhr die Polizei von seiner Freundin. Auch nach Information der Eltern des Opfers in Bremen soll klar geworden sein, dass diese so etwas schon befürchtet hätten. Eine ärztliche Überweisung in eine Tagesklinik habe er aber nicht wahrgenommen.

Werde verfolgt …

Er ist auch bei der Polizei gewesen und hat eine Geschichte erzählt, dass er von irgendwelchen Gruppierungen in Bremen verfolgt wird.“

(Ingo Thiel, Kripo)

Man sei dem nachgegangen: „Das stimmt alles nicht“, so Thiel. Anzeichen für Suizidabsichten habe es aber nicht gegeben.

Ein Reporter fragte Thiel, ob ihm etwas davon bekannt sei, „dass in Bremen regelrecht Steckbriefe“ gegen Marcel K. ausgehangen worden sind, „vorgeblich der linken Szene“.

Das ist uns bekannt. Wir haben auch einige Hinweise bekommen, die wir alle zur Kenntnis genommen haben, denen wir auch nachgegangen sind, was mögliche Bedrohungsszenarien angeht, die aber mit den Ermittlungen überhaupt nicht korrespondieren. Und von daher für die weiteren Ermittlungen auch nicht mehr erheblich sind.“

(Ingo Thiel, Polizei Mönchengladbach)

Am Tag seines Todes hatte Marcel K. das Haus seiner Freundin verlassen. Sie sei unmittelbar danach auf die Suche nach ihm gegangen, so Thiel. Dann habe sie den Polizeieinsatz am Tatort gesehen.

Hat sich Marcel K. tatsächlich selbst getötet? Vieles spricht dafür, vor allem auch die Aussagen von seiner Freundin und die Einschätzung der Eltern.

Dass Marcel K. einen Tag vor seinem Tod bei der Polizei war und angab, dass er verfolgt werde, wirft allerdings ein schummriges Licht auf den Fall: die Steckbriefe in Bremen, die zumindest gefühlte Verfolgung durch gewisse „Gruppierungen“, die dadurch und durch Drogen begünstigte psychische Ausnahmesituation.

Ein Gespräch mit Stadtrat Roeseler

Youtuber Oliver Flesch sprach angesichts des mysteriösen Falls mit einem guten Freund des Toten, Dominik Roeseler, ebenfalls HoGeSa-Mitgründer und parteiloses Ratsmitglied im Stadtrat von Mönchengladbach.

Diesem fällt es schwer, die Theorie vom Selbstmord zu glauben. Seinen Angaben zufolge war Marcel K. frisch verliebt und seine Lebensgefährtin wollte zu ihm nach Bremen ziehen. Er hatte auch erst vor einiger Zeit einen Laden aufgemacht. Im Gespräch spricht Dominik Roeseler auch noch von anderen merkwürdigen Dingen.

Alles in allem bleibt der Fall mysteriös, wenn nicht von der Todesursache her, so doch von den – zufällig entstandenen oder absichtlich erzeugten – Umständen, die einen Menschen in den Tod treiben.

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