Neuer Skandal um BER: Gutachten schätzt 100 Millionen Euro Mehrkosten für Pannen-Flughafen

Von 12. März 2019 Aktualisiert: 12. März 2019 11:41
Das Zusatzterminal für den geplanten Hauptstadtflughafen BER, das auf Grund der zu erwartenden Nachfrage von Billigairlines ausgebaut werden muss, wird doppelt so teuer wie erwartet. Davon geht ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers aus.

Es gibt erneut Ärger um den geplanten Hauptstadtflughafen BER in Berlin-Schönefeld. Ein bislang vertrauliches Gutachten des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC), das der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft in Auftrag gegeben hat, bestätigt Gerüchte über eine weitere Kostenexplosion und nennt die Gründe dafür. Die „Berliner Morgenpost“, die als Erste über den Inhalt des Gutachtens berichtete, sprach von einem „neuen Planungsdesaster“.

Kern der neuen Unwägbarkeiten ist eine Verdoppelung der Baukosten für das geplante Zusatzterminal 2. Ursprünglich ging man bei den Planungen davon aus, mit Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro rechnen zu müssen.

Aber vor allem angesichts der zu erwartenden Anzahl an Billigairlines, die den Flughafen nutzen wollen, müssten jährlich sechs Millionen Passagiere mehr abgefertigt werden, als zuvor veranschlagt. Die bestehenden Kapazitäten würden andernfalls bereits zum Zeitpunkt der Eröffnung nicht ausreichen.

„Noch keine Kalkulationsreife bestanden“

Immerhin geht der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Engelbert Lütke Daldrup, immer noch davon aus, dass der geplante Zeitpunkt der Eröffnung, der Oktober 2020, weiterhin steht. Eigentlich war dieser bereits für das Jahr 2011 geplant. Der TÜV hat allerdings seine Zweifel, ob der Anlagentest, der im Frühjahr stattfinden soll und dessen Bestehen eine Voraussetzung für die Inbetriebnahme darstellt, planmäßig beginnen kann. Sollte es diesbezüglich zu Verzögerungen kommen, steht auch die Eröffnung in eineinhalb Jahren infrage.

Die Morgenpost nennt auch den Grund für die neuerliche Blamage: Der PwC-Gutachter stellt fest, dass bereits zu Beginn des Vergabeverfahrens „noch keine Kalkulationsreife bestanden“ habe, was mehr oder minder der Aussage gleichkommt, es sei de facto ins Blaue hinein geplant worden. Weder habe es belastbare Einschätzungen dahingehend gegeben, wie viele Passagiere im Terminal 2 abgefertigt werden würden, noch solche über die erforderliche Anzahl an Sicherheitskontrollen.

Ein besonderer Kostentreiber ist zudem, wie die „Bild“ schreibt, die Zahl der Geschossebenen, die bei der Planung des Innenausbaus nicht einmal grundsätzlich klar gewesen sei. Wie bereits beim Hauptterminal 1 seien neuerliche Planungsänderungen erforderlich geworden, am Ende hatten die Erweiterungen zur Folge, dass die Bruttogeschossfläche insgesamt von ursprünglich kalkulierten 15 000 auf 23 000 Quadratmeter stieg. Und das, obwohl man, wie Lütke Daldrup versichert, aus den Erfahrungen und Schwierigkeiten mit dem „äußerst komplexen Fluggasterminal T1“ gelernt und den zweiten Terminal deutlich funktionaler konzipiert habe.

Auftragsvergabe im Schnellverfahren

Die von den Ländern Berlin und Brandenburg getragene Flughafengesellschaft FBB spricht inzwischen von „verschiedenen Unzulänglichkeiten über alle bisherigen Projektphasen hinweg“. Auch Termindruck habe Versäumnisse begünstigt. Die Baugenehmigung für den Zusatzbau war im Juli 2018 durch den Landkreis Dahme-Spreewald erteilt worden. Das bedeutet, dass de facto nur zwei Jahre Zeit für dessen Fertigstellung blieben.

Deshalb war man auch bestrebt, zügig ein EU-weites Verfahren durchzuführen, um einen Generalunternehmer zu finden, der den Bau des zweiten Terminals im entsprechenden Zeitraum durchführen könnte. Den Zuschlag erhielt die Zechbau GmbH aus Bremen. Die FBB, so kritisiert PwC, habe jedoch den Auftrag an den Generalunternehmer nicht im Sinne bis dahin bekannt gewordener Änderungen angepasst und keine schriftlichen Kostenziele gesetzt.

Lütke Daldrup sieht, so zitiert die „Morgenpost“ seine Äußerungen gegenüber dem Flughafenausschuss des Brandenburger Landtags, noch potenzielle Risiken hinsichtlich einer zeitgerechten Fertigstellung bei den Kabeltrassen auf der Baustelle, die erst im Juli ihren Abschluss finden soll. Bis April soll immerhin das Prüfergebnis bezüglich der noch unvollendeten Brandmeldeanlage vorliegen.

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