Peking feierte sich auf der Bühne in Köln

Von 18. September 2012 Aktualisiert: 18. September 2012 23:34

„Der Drache tanzt in Köln“ hieß das NRW-Chinafest in der Kölner Innenstadt, um das 25-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft mit der Stadt Peking zu feiern. Am 15. September 2012 veranstaltete die Stadt Köln gemeinsam mit der Landesregierung Nordrhein-Westfalen dieses Fest.

Die dazugehörigen folkloristischen Attraktionen fanden auf dem Roncalliplatz am Kölner Dom statt und umfassten musikalische und sportlich-artistische Darbietungen, Informationen rund um die Partnerstadt und einen chinesischen Markt.

Aber nur wenige hundert Meter entfernt von diesem Schauplatz zeigte sich den Besuchern auf dem Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs ein ganz anderes Bild, eine Realität des heutigen China, welche die chinesische Regierung mit allen Mitteln vor der Weltöffentlichkeit und den eigenen Bürgern versteckt.

Eine deutsche Falun Gong-Gruppe wies mit einer eigenen Veranstaltung auf das Unrecht hin, das vielen Menschen im heutigen China geschieht.

Neben Tibetern, Uiguren, Christen und Vertretern der Demokratiebewegung ist Falun Gong die größte Gruppe, die in China von dem kommunistischen Regime verfolgt wird. Falun Gong ist eine traditionelle buddhistische Kultivierungsschule. Wegen ihres Glaubens werden die Praktizierenden seit 13 Jahren von der chinesischen Regierung verfolgt und ohne Prozess und Rechtsbeistand in Arbeitslagern und Gefängnissen inhaftiert und gefoltert und „umerzogen“.

Allein in Peking kamen in den Jahren 1999 – 2011 dabei mindestens 80 Falun Gong-Praktizierende in Arbeitslagern durch Folter im Auftrag des kommunistischen Regimes zu Tode.

Während der Kundgebung machten Vertreter von Menschenrechtsorganisationen auf diese schweren Menschenrechtsverletzungen aufmerksam, aber auch direkt Betroffene kamen zu Wort. Liu Wei ist seit 1995 eine Falun Gong-Praktizierende. Vom 25.9. 2001 bis zum 25.1. 2003 wurde sie wegen ihres Glaubens an die Prinzipien von Falun Gong, ohne Gerichtsverfahren, in Arbeitslagern und Gefängnissen in Peking eingesperrt und gefoltert. Im März 2004 konnte sie aus China fliehen und lebt seitdem in Deutschland.

„Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Toleranz, das sind die Prinzipien von Falun Gong“, erklärte uns Liu Wei.

Die Chinesin Liu Wei konnte nach Deutschland fliehen.Die Chinesin Liu Wei konnte nach Deutschland fliehen.Foto: Matthias Kehrein / The Epoch Times

In ihrem erschütternden Bericht schilderte sie, wie sie Gehirnwäsche ertragen musste und täglich zur Sklavenarbeit von morgens 6 Uhr bis abends 22 Uhr oder sogar 24 Uhr gezwungen wurde.

Guo Jufeng, ein 38 Jahre alter Elektroingenieur, erzählte von seinem Schicksal und dem seiner Freunde, deren Fotos er auf einer Bildtafel zeigte. Sie wurden alle wegen des Glaubens an Falun Gong verfolgt. Er selbst verbrachte 450 Tage in mehreren Arbeitslagern. Im Jahre 2008 gelang es ihm, China zu verlassen und seitdem lebt er in Freiheit in Deutschland.

Guo Jufeng berichtete vom Foltertod seiner Freunde in Chinas Arbeitslagern.Guo Jufeng berichtete vom Foltertod seiner Freunde in Chinas Arbeitslagern.Foto: Matthias Kehrein / The Epoch Times

In den letzten 13 Jahren wurden zehn seiner Freunde zu Tode gefoltert wegen des Praktizierens von Falun Gong. Der Jüngste von ihnen war 27 Jahre alt. Sechs von ihnen hatten Kinder. Er selbst wurde mit Elektroschocks gefoltert. Nach einem Hungerstreik wurde er zwangsernährt mit Bier. Neben schweren Misshandlungen und Demütigungen musste auch er Zwangsarbeit leisten.

Aber auch Kölner Bürger kamen zu Wort. So die Europa-Journalistin für soziale Themen, Verfassung und Menschenrechte, Birgitt Euting. Sie fand kritische Worte zum Organhandel, der in China stattfindet und erinnerte an das Tiananmen-Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahre 1989, bei dem friedliche Studenten von Panzern überrollt wurden und an Mao Tse-tung, „den Massenmörder, der sein chinesisches Volk nahezu ausgerottet hat mit seinem Irrsinn.“ „Und da sollen wir Chinajahr in Köln als Deutsche feiern und fröhlich Drachen tanzen lassen?“

Prof. Zhu Zhenhe, 1942 in China geboren, war vor seinem Ruhestand Physikprofessor an der Zentraluniversität der Ethnien in Peking.

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Auch er erinnerte kritisch an die schweren Menschenrechtsverletzungen beim Tiananmen-Massaker und an die Verfolgung der Falun Gong-Praktizierenden und klagte die Praktik der Zwangsabtreibungen an, die im Rahmen der Ein-Kind-Politik in China durchgeführt wird. Viele Passanten applaudierten, als er seine Parodie auf das berühmte Propagandalied der Kommunistischen Partei Chinas „Der Osten ist rot“ vorsang.

Die zum Teil sehr schockierenden Redebeiträge wurden umrahmt von den Auftritten der Tianguo Marchingband, einem musikalischen Zusammenschluss von Falun Gong-Praktizierenden. In ihren leuchtend blau-weißen Anzügen zogen sie die Aufmerksamkeit der Besucher durch ihre Darbietungen von Musikstücken und die Vorführung der harmonischen Falun Gong-Übungen auf sich.

Viele Passanten verweilten bei der Kundgebung, stellten Fragen, zeigten ihre Betroffenheit und unterstützten die Veranstaltung indem sie zu Hunderten die Petitionslisten unterzeichneten.