Rainer Eppelmann spricht über 20 Jahre friedliche Revolution in der DDR

Von 25. Mai 2009 Aktualisiert: 25. Mai 2009 9:29

„Aus der DDR sind jeden Abend 90 Prozent der Bürger visuell ausgereist, der Empfang des Westfernsehens machte möglich, dass der jahrzehntelang ersehnte gesellschaftliche und wirtschaftliche Fortschritt auch in den Ost-Wohnzimmern eine Sehnsucht erzeugte, die nach dem Ausschalten der TV-Geräte in die Erkenntnis umschlug, dass Freiheit und persönliche Entwicklung in einer realsozialistischen Gesellschaft nicht zu erreichen sind.“, berichtete Rainer Eppelmann, der letzte „Abrüstungsminister“ für nationale Verteidigung der DDR, dem Publikum im Hotel Steigenberger vor kurzem in Hamburg.

Unter dem Kontext „Zwischen Selbstdemokratisierung und Selbstbefreiung — 20 Jahre Friedliche Revolution“ beschrieb der Berliner Ex-DDR Bürgerrechtler und Bluespastor Rainer Eppelmann auf Einladung von Dr. Karsten Dümmel, Ex-DDR Bürgerrechtler und Leiter der  CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Hamburg den Ablauf der friedlichen Revolution in der DDR. Beginnend mit dem Volksaufstand von 1953 über den Bau der Mauer bis hin zu deren Fall wurden, garniert mit Berliner Charme vorgetragenen persönlichen Erfahrungen des Referenten, dem Zuhörer die Geschehnisse im Herbst 1989 verdeutlicht. Nachdem 1953 die Forderung der DDR-Bürger nach freien Wahlen, Rücknahme unerfüllbarer Arbeitsvorgaben für die Bauarbeiter und die Freilassung politischer Gefangener mit sowjetischen Panzern niedergewalzt wurden, hatte sich die regierende kommunistische SED  ihrer demokratischen Legitimation beraubt und selbst den Namen DDR (Deutsche Demokratische Republik) der Lüge überführt, da Demokratie und Freiheit untrennbar miteinander verbunden sind. Auch der Mauerbau 1961 zur Verhinderung der „Republikflucht“ in die Freiheit und den Wohlstand  der Bundesrepublik Deutschland konnte nicht verhindern, dass insgesamt 2,5 Millionen enttäuschte Bürger der kommunistischen DDR den Rücken kehrten.

Das Rad der Geschichte

Als im Oktober 1989 in der abgewirtschafteten DDR der neue SED-Chef Egon Krenz das Wort „Wende“ in der Politik prägte, war damit lediglich ein neuer parteipolitischer Kurs zum Machterhalt der SED im Land gemeint. Anträge auf Ausreise aus der DDR sollten nun von jedem Bürger bei den Behörden gestellt werden dürfen um die anschwellenden Montags-Demos für Reformen und Freiheit zu zersetzen und trotz Staatsbankrott das Land mit den verbliebenen 15 Millionen Bürgern weitere 40 Jahre in den blassen Farben des Sozialismus weiter zu regieren.

Unter dem Druck der Freiheitsforderungen der Bürger kam es indes zu einem Missverständnis: SED-Politbürosprecher Günter Schabowski verkündete am 9. November 1989 in Ost Berlin der Presse, alle Bürger könnten ab sofort unbürokratisch ausreisen. Das Rad der Geschichte ließ sich nun nicht mehr aufhalten.

Günter Grass : “Deutschland hat kein Recht auf Wiedervereinigung.“

Die bankrotte DDR brauchte Geld, vom großen Bruder Sowjetunion war diesmal keine Hilfe zu erwarten. Staatschef Michail Gorbatschow hatte mit seinem Reformkurs Glasnost und Perestroika  erhebliche innenpolitische Probleme aufgedeckt, die sowjetischen Truppen in der DDR blieben im Herbst 1989 glücklicherweise in den Kasernen. Obwohl die SED-Stalinisten  noch vor kurzem das friedliche Aufbegehren ihrer Bürger als  eine westlich gesteuerte Konterrevolution bezeichnet hatte, war sich SED-Chef Egon Krenz nun im Klaren, dass tausende tote Demonstranten  nach einem Panzereinsatz wie im selben Jahr in Peking keine Verhandlungsbasis für finanzielle Hilfen  aus der  Bundesrepublik Deutschland sein konnten.

Als die Mauer fiel, erhoben sich im Bundestag in Bonn die Volksvertreter spontan von ihren Plätzen um das Deutschlandlied zu singen. Nur die Fraktion der Grünen verließ eiligst geschlossen das Parlament und  der Schriftsteller Günter Grass befand seinerzeit: “Deutschland hat kein Recht auf Wiedervereinigung.“ Auch Selbstzweifel kann ein Merkmal einer demokratischen Kultur sein. DDR Staatschef Erich Honecker resümierte später: “Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“

Rainer Eppelmann ist heute Vorsitzender der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin.

 

(Thilo Gehrke)(Thilo Gehrke)

Zur Person: Thilo Gehrke, 42, ist Journalist, Fotograf und freier Autor in Hamburg. Er hat die deutsche Wiedervereinigung unter sozialen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aspekten medial begleitet und ist Mitglied im Wissenschaftlichen Forum für Internationale Sicherheit an der Führungsakademie der Bundeswehr.

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