Real steht vor der Zerschlagung – und ver.di vor dem Bedeutungsverlust im Einzelhandel

Der im Vorfeld der Corona-Krise vereinbarte und im März von der EU-Kommission genehmigte Verkauf der SB-Warenhauskette Real vom Metro-Konzern an den russischen Finanzinvestor SCP ist vollzogen. Für die Gewerkschaft ver.di kommt dies einem schweren Schlag gleich. Auch für die 34.000 Mitarbeiter ist noch nicht absehbar, wie es weitergehen wird. Ein Großteil dürfte jedoch in der einen oder anderen Form an seinem jeweiligen Standort verbleiben.

Kaufland will bis zu 101 Standorte übernehmen, Edeka 53

Obwohl die Märkte bis auf weiteres noch wie gewohnt weiterbestehen: In seiner gegenwärtigen Form wird Real nicht aufrechterhalten. Wie die „Welt“ berichtet, werden nur 50 der derzeit deutschlandweit 276 Filialen für vorerst zwei weitere Jahre unter ihrem Namen weiterbestehen. Wie derzeit beim Bundeskartellamt angemeldete Übernahmebegehren erkennen lassen, soll die Kette jedoch zerschlagen und konkurrierenden Akteuren zum Kauf angeboten werden.

Diese wollen sich auch nicht lumpen lassen: Kaufland strebt die Übernahme von bis zu 101 Standorten an, Edeka will 53. Weitere 18 sollen an REWE gehen, einzelne auch an Globus und Tegut. Bis zu 30 Märkte, für die es bislang noch keinen Interessenten gibt, könnten schließen.

Mit dem Ausscheiden aus dem Metro-Konzern endet auch die Gültigkeit des Tarifvertrages mit der Einzelhandels- und Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Thomas Roeb, Professor für Handel und Marketing an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, deutet gegenüber der „Welt“ an, dass die Rolle der Gewerkschaft bei Real eher Teil des Problems als der Lösung war.

Real als Corona-Gewinner

Die Corona-Krise hatte dem Markt einen enormen Boost verliehen. Real war einer der Anbieter, die den Bürgern die Möglichkeit eines Pandemie-gerechten Einkaufs bot: Den One-Stop-Einkauf, der einmal in der Woche in die Kaufhalle führt und es dem Kunden ermöglicht, nicht nur Güter des täglichen Bedarfs zu erwerben, sondern in einem Aufwasch auch noch Küchengeräte, Hi-Fi, Waschmaschinen oder Gartenbedarf dazu. Dennoch litt die Kette unter hohen Personalkosten und unzureichenden Möglichkeiten, auf veränderte Situationen zu reagieren. Und dafür sei, so Roeb, auch ver.di mitverantwortlich.

Die Gewerkschaft habe im Handel in den vergangenen Jahren mehr Schaden als Nutzen gestiftet, lässt der Ökonom erkennen. Ungeachtet eines hohen Preis- und Konkurrenzdrucks im Einzelhandel habe man eher darauf geachtet, dass „Lösungen brancheneinheitlich sind als passend auf die Situation eines konkreten Unternehmens“.

Gerade bei Real durfte das Unternehmen auch in Zeiten geringer Auslastung nicht auf Kassenmitarbeiter zurückgreifen, damit sie beispielsweise beim Einräumen von Regalen zur Hand zu gehen. Stattdessen war man aufgrund des Tarifvertrages gezwungen, für solche Tätigkeiten auf Leiharbeiter zurückzugreifen. Am Ende waren die Personalkosten bei Real jedoch 30 Prozent höher – ein Nachteil, der nicht durch höhere Gewinnmargen ausgeglichen werden konnte.

Nach Real-Verkauf könnte ver.di weiteres Ungemach drohen

Es sei nun mit einem Abbau von Arbeitsplätzen zu rechnen, da moderne Einzelhändler mit weniger Personal auskämen. Der anhaltende Fachkräftemangel und die deutlich höheren Umsätze der Corona-Monate könnten die negativen Effekte jedoch dämpfen.

Ob der Trend zum One-Stop-Shopping anhalten wird, bleibt offen. Sebastian Hendricks vom Marktforschungsinstitut IRI sieht diesen verbunden mit dem Wunsch, den gesamten Bedarf mit nur einem Einkauf zu decken, Fahrten zu reduzieren und damit auch Kontakte und das damit verbundene Ansteckungsrisiko zu minimieren. Andererseits rechnen Experten für die kommenden Monate aber auch mit beträchtlichen Umsatzeinbußen im Non-Food-Bereich.

Eine mögliche Pleite oder ein Verkauf von Karstadt Kaufhof könnte für ver.di die nächste Schlappe bedeuten. Nur noch dort verfügt die Gewerkschaft im Einzelhandel über einen nennenswerten Organisationsgrad. Generell ist dieser branchenweit deutlich im Sinken begriffen.

Quelle: https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/real-steht-vor-der-zerschlagung-und-ver-di-vor-dem-bedeutungsverlust-im-einzelhandel-a3276978.html