Religiöser Extremismus: Bundesamt meldet zunehmende Zahl radikalisierter Mädchen

Epoch Times10. September 2016 Aktualisiert: 10. September 2016 8:44
"Die Mädchen, die sich radikalisieren, kommen in den seltensten Fällen aus muslimisch konservativen Elternhäusern“, so ein Religionspädagoge.

In Deutschland radikalisieren sich offensichtlich immer mehr muslimische junge Frauen. Die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge verzeichne einen starken Anstieg der Beratungen, in denen es um die religiöse Radikalisierung von Mädchen gehe, berichtet die „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Waren in der Vergangenheit in etwas mehr als einem Viertel der Beratungsfälle Mädchen betroffen, seien es 2015 bereits knapp die Hälfte aller Fälle gewesen.

Die Radikalisierung ist ein Jugendphänomen, erzählt der Osnabrücker Islamwissenschaftler Michael Kiefer der Zeitung. Bereits 13-Jährige sind mittlerweile unter den Mädchen, die in die Fänge von Salafisten geraten. Die Altersgrenze verschiebe sich immer weiter nach vorne. Anders als bei Jungen, die häufig provozierten und konfrontativ seien, vollziehe sich die Radikalisierung von Mädchen im Stillen. „Wir sprechen von einer Kinderzimmerradikalisierung“, sagt Kiefer.

Die Mädchen gerieten nur nach persönlichen Krisen in die Fänge religiöser Extremisten, weiß Religionspädagoge Andre Taubert. „Bei Mädchen hat das ganz oft mit Unsicherheit zu tun, mit dem anderen Geschlecht, mit körperlichen Veränderungen während der Pubertät. Im Grunde sind das alles Dinge, die Mädchen schon immer beim Erwachsenwerden bewegt haben.“

In diesen Krisensituationen gäben Salafisten einfache Antworten auf die persönlichen Probleme der Jugendlichen.

Radikalisierung gebe es bei Mädchen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Manche seien atheistisch aufgewachsen, andere christlich oder moderat muslimisch. „Die Mädchen, die sich radikalisieren, kommen in den seltensten Fällen aus muslimisch konservativen Elternhäusern“, sagt Taubert. „Wer in einem Elternhaus aufwächst, wo der Islam einen alltäglichen Platz hat, ist für die Botschaften der Extremisten nicht empfänglich, weil er die Komplexität des Glaubens begreift und sich nicht von holzschnittartigen Religionsauslegungen verleiten lässt.“ (dpa/so)

 

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