Rüdiger Safranski über Flüchtlingskrise und politische Entmündigung der Deutschen

Epoch Times30. Dezember 2015 Aktualisiert: 8. Juli 2016 2:43
Zur aktuellen Lage Deutschlands hat der Schriftsteller und Philosoph Rüdiger Safranski einige bemerkenswerte Aussagen gegenüber der Schweizer Zeitschrift Weltwoche gemacht. „Es herrscht in der Politik eine moralistische Infantilisierung“, sagt er.

In dem Interview geht es hauptsächlich um die Flüchtlingskrise und ihre Auswirkungen. Aber auch um das Warum und wie es dazu kommen konnte.

Von 1945 bis 1989 habe Deutschland seine Souveränität verloren und war unter dem Schutzschild der Amerikaner und war für nichts verantwortlich. „Da wir nicht für uns sorgen mussten, wurden wir infantil“, so Safranski. „Wir wussten nicht mehr, was Aussenpolitik bedeutet.“ Erst 1989 wurde Deutschland wieder souverän und bewege sich bis heute sehr unsicher auf dem internationalen Parkett. „Wir schwanken zwischen ökonomischem Selbstbewusstsein und einem weltfremden Humanitarismus. Unsere Aussenpolitik wird zu einer moralischen Mission“, konstatiert der Philosoph.

Ein zerfallender Staat

„Die infantile Weltfremdheit, die sich dann im Moralismus ausdrückt, ist schon ein sehr spezifisch deutsches Phänomen“ so Safranski. Indem eine Staatschefin wie Angela Merkel sage: «Wir können die Grenzen gar nicht mehr kontrollieren», reihe man sich ein unter die zerfallenden Staaten, wie jene in Afrika.

Ob die Willkommenskultur, bei der Asylbewerber „von einem Jubelchor empfangen werden“ das Resultat davon sind, fragte der Interviewer.

Safranski dazu: „Überall in Europa ausser in Schweden sagt man: «Die Deutschen spinnen.» Das Unreife der deutschen Politik kommt in der Maxime zum Ausdruck, bei Flüchtlingen dürfe man keine Grenzen setzen. Da wird etwas nicht zu Ende gedacht. Denn gemäss heutiger Praxis wären, gemessen an den hiesigen demokratischen und ökonomischen Standards, zwei Drittel der Weltbevölkerung in Deutschland asylberechtigt. Dass unsere Flüchtlingspolitik einem Denkfehler unterliegt, müsste einem spätestens da auffallen.“

Menschenwürde setzt funktionierenden Staat voraus

Weiter sagte er: „Deutsche Politiker sprechen dauernd von der Menschenwürde, die unantastbar sei.“ Diese Menschenwürde falle nicht vom Himmel, sondern setzte einen funktionierenden Staat voraus, der sie in seinen Grenzen garantieren kann. „Und dann muss man sich die Frage stellen: Wie kann man dieses Staatsgebilde erhalten? Das gelingt nur mit sehr strikten Regeln, sonst verliert der Staat seine integrierende, die Menschenrechte garantierende Kraft.“ Er habe grosse Befürchtungen, dass der deutsche Staat diese Kraft verliere, „wenn wir in bestimmten Teilen der Gesellschaft eine islamische Mehrheit mit einer völlig anderen Wertvorstellung haben“.

Er schlägt vor, die gesellschaftliche Kohärenz stabil halten, damit der Staat die Menschenrechte garantieren kann. „Wenn man sich das nicht klarmacht, so ist das verantwortungslos“, so Safranski: „Man will helfen und schwächt dabei die Institutionen, die überhaupt helfen können.“

Das komplette Interview kann man hier lesen:

https://psychosputnik.wordpress.com/2015/12/25/leave-us-not-alone-with-the-germans/

Rüdiger Safranski ist ein deutscher Literaturwissenschaftler und Schriftsteller. Seit Sommer 2012 lehrt er als Honorarprofessor am Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften an der Freien Universität Berlin.

(rf)

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