Sarrazin im ET-Interview zum UN-Migrationspakt: „Durch viele kleine Fäden werden wir am Ende bewegungsunfähig gemacht“

Von 28. November 2018 Aktualisiert: 29. November 2018 18:16
"Der Migrationspakt hat in völlig unübersichtlichen Einzelbestimmungen, die auch nicht leicht zu lesen sind, letztlich so ein bisschen die Tendenz wie in dem Märchen, in dem der Riese Gulliver gefesselt wurde. Durch ganz viele kleine Fäden haben die Zwerge ihn am Ende bewegungsunfähig gemacht. Genauso macht das der Migrationspakt mit den Ländern der westlichen Welt." Thilo Sarrazin unterwegs in Sachsen.

Thilo Sarrazin besuchte am Dienstag erneut Sachsen, um sein Buch „Feindliche Übernahme – Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ vorzustellen. Das jüngste Werk des Autors von „Deutschland schafft sich ab“ hat sich laut seinen eigenen Angaben seit Veröffentlichung im August dieses Jahres bereits 220 000 Mal verkauft.  Es ist damit – ebenfalls nach seinen Angaben – das seit Jahren am besten verkaufte Sachbuch über den Islam in Deutschland. Die Tatsache, dass die renommierten Medien sein Buch größtenteils totschweigen oder negativ rezensieren, habe dem Erfolg seines Buches keinen Abbruch getan, sagt er.

Sarrazin, der wieder von Ex-ARD-Korrespondent in Algerien, Samuel Schirmbeck, begleitet wurde, füllte die Remonte-Halle in Großenhain bis fast auf den letzten Platz. Damit lauschten rund 500 Besucher seinen Ausführungen und dem anschließenden Zwiegespräch zwischen den beiden Islam-Experten.

Epoch Times-Redakteurin Nancy McDonnell traf den ehemaligen Finanz-Senator von Berlin nach der Veranstaltung. Sie wollte von ihm wissen, wie er sich den Verlust in der Wählergunst seiner eigenen Partei, der SPD, erklärt und wie er über den UN-Migrationspakt denkt.

Epoch Times: Herr Sarrazin, die SPD verliert in der Wählergunst immer mehr und ein Ende ist nicht abzusehen. Woran liegt das?

Thilo Sarrazin: Es gibt in jeder historischen oder gesellschaftlichen Zeitspanne sogenannte Mega-Themen, die Leitthemen sind. Die SPD stieg damals vor dem ersten Weltkrieg auf, da waren die sozialen Fragen sehr wichtig. Die CDU stieg in den 50-ger Jahren mit den Wirtschaftsfragen auf und danach kam das Thema Umwelt auf, damit gewannen die Grünen in den 80-ger Jahren stark an Zuwachs.

Heute kristallisieren sich zwei große Themen heraus, die zum Leitthema geworden sind. Das eine ist die Erhaltung der natürlichen Umwelt, Klimawandel usw.- das ist das Thema der Grünen. Das andere ist der Schutz vor unerwünschter Globalisierung – das Thema der AfD. Das sind die beiden großen Leitthemen der heutigen Zeit. Wer als Partei aufsteigen will, muss ein Leitthema bedienen. Die SPD hat zwar immer noch die größte Kompetenz in Sozialfragen – die hat sie sich über hundert Jahre erhalten – nur steht das Thema heute eben nicht mehr im Mittelpunkt.

ET: Damit erklärt sich also auch der plötzliche und fulminante Aufstieg der Grünen?

Sarrazin: So erklärt sich der Aufstieg der Grünen und auch der AfD. Die Grünen besetzen das Leitthema Umwelt, das Leitthema Globalisierung wird mittlerweile von der AfD besetzt, es war mal die CDU/CSU. Darum wird die AfD, wenn sie keine Riesenfehler macht, auch in die Tendenz von 20 Prozent gehen. Damit meine ich, sofern sie es intelligent anstellen und die bürgerlichen Wähler nicht verschrecken. 

ET: Das Leitthema Globalisierung lässt wunderbar auf den Global Pact of Migration überleiten, oder auf deutsch UN-Migrationspakt. Erst verschwiegen, dann zäh ans Licht gebracht ist in Deutschland nun doch eine Debatte um den Pakt entstanden. Eine Debatte, in der auch Ihr Wort nicht fehlen sollte. Was sind Ihre Gedanken dazu?

Sarrazin: Die Ursache des Flüchtlings- bzw. Migrationsdrucks sind die Verhältnisse in den Herkunftsstaaten, die geprägt sind von einer Herrschaft von Kleptokraten, von Diktatur, Korruption, fehlender Bildung, Vorherrschaft des Islam, Unterdrückung von Frauen usw.  Es gilt hier wie bei der Religion – nur die Muslime selbst können ihre Einstellung ändern, man kann ihnen das nicht aufzwingen. Und dasselbe gilt auch für fremde Länder, ob sie im Nahen Osten liegen oder in Afrika. Nur in den Ländern selber kann sich etwas ändern. Jedes Land kann sich so ändern, dass es seinen Menschen angemessene Lebensmöglichkeiten bietet. Wir können dies nicht dadurch kompensieren, dass wir Einwanderung aus diesen Ländern zulassen.

ET: Was werfen Sie dem Pakt vor?

Sarrazin: Er geht von einer völlig falschen Tatsachenbehauptung aus. Er behauptet und unterstellt, Migration sei generell wohltätig und nützlich. Das ist sachlich einfach falsch. Das stimmt nur unter gewissen Bedingungen. Außerdem geht er von einer falschen Ursachenbeschreibung aus, er sagt nichts darüber, dass die Ursachen für Flucht und Migration in den Herkunftsländern liegen, insbesondere übrigens in der völlig unkontrollierten Bevölkerungsexplosion aufgrund nachhaltig hoher Geburtenraten.

Da dies im Pakt überhaupt nicht zur Sprache kommt und statt dessen erklärt wird, Migration sei generell wohltätig, werden falsche Tatsachen aufgestellt. Die eigentlichen Ursachen werden verschwiegen. Und dann kommt ein großer Pflichtenkatalog, der im Wesentlichen die Einwanderungsländer betrifft. Uns müsste das eigentlich nicht stören, weil wir das sowieso alles schon machen, wir sind Weltmeister in solchen Dingen. Gleichwohl gibt es doch einen Unterschied, ob man es freiwillig macht, oder ob es einem demnächst vorgeschrieben wird.

In der Summe atmet der gesamte Text den Geist aus, dass man möglichst Migration befördern will und zwar immer nur in eine Richtung. Man hört ja nie davon, dass Deutsche plötzlich nach Sambia einwandern, auf die Idee käme ja gar keiner, es geht darum, dass Senegalesen oder Afghanen nach Deutschland einwandern. Die Migration hat erstaunlicherweise nur eine Richtung. Und die Gründe, warum es einseitig ist, werden gar nicht beleuchtet.

ET: Wozu das Ganze? 

Sarrazin: Mit aller Vorsicht ausgedrückt, es gibt große Tendenzen in unserer Gesellschaft, aber auch große Tendenzen international, die sagen, wir sind doch eine Menschheit und eine Erde und wir gehören doch eigentlich alle zusammen und wir machen künftig auch alles zusammen. Staatsgrenzen, Nationen und Ethnien sind eigentlich völlig unnatürlich und das lösen wir alles auf. Und da die Menschen so verstockt sind, helfen wir ein bisschen nach. Wenn wir genügend Menschen wandern lassen, dann sind die Weißen, die ja sowieso mittlerweile schon fast weißköpfig sind, und sich nicht mehr so richtig vermehren wollen, bald in ihren eigenen Ländern in der Minderheit und dann haben wir schon wieder ein Problem gelöst.

Und dieses Ding, was ich jetzt unscharf persifliert habe, ich glaube, ein Teil dieses Denkens ist auch unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die schaut plötzlich auf das Wohl der Welt, aber nicht auf das Wohl Deutschlands. Und die Leute in internationalen Organisationen denken auch so und natürlich möchte jeder höhere UNO-Beamte gern, dass die UNO die Weltregierung wird, dann hat er ja mehr Macht. Ist ja verständlich.

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Man muss wissen, dass hier unscharf solche Bestrebungen im Gange sind. Und der Migrationspakt hat in völlig unübersichtlichen Einzelbestimmungen, die auch nicht leicht zu lesen sind, letztlich so bisschen die Tendenz, wie in dem Märchen, in dem der Riese Gulliver gefesselt wurde. Durch ganz viele kleine Fäden haben die Zwerge ihn am Ende bewegungsunfähig gemacht. Genauso macht das der Migrationspakt mit den Ländern der westlichen Welt.

ET: Wie verbindlich ist der Pakt?

Sarrazin: Nun ist das ja noch nicht zu Ende, denn einige Länder machen das ja nicht mit, wie Australien oder die USA, die beiden größten Einwanderungsländer der Welt. Bei anderen wird man abwarten müssen, was sie mitmachen.

Die Sache ist ja auch noch nicht durch, selbst wenn sie unterschrieben ist, wird sie nicht durch sein. Papier ist geduldig. Der Compact on Migration erinnert mich noch an den Fiscal-Compact, der im Jahr 2012 gemacht wurde, in der EU. Wer hat sich an die fiskalischen Vorgaben gehalten? Die Italiener tun es nicht, andere tun es auch nicht. Wir tun es als einzige. Auch dieser Migrationspakt wird wieder ein Pakt sein, auf den nur deutsche Anwälte und deutsche Verwaltungsgerichte begeistert springen. Schon in Italien und Spanien wird man ihn nicht weiter beachten. Aber die sogenannte Dritte Welt wird ihn begeistert unterschreiben, sie hat ja auch die Erklärung der Menschenrechte unterschrieben. Die unterschreiben alles, wenn es dafür Geld gibt, und tun sowieso nur, was sie für richtig halten.

Die internationalen Menschenrechte sind von allen UNO-Staaten unterschrieben worden, aber wirklich beachtet werden sie nur in den Demokratien der westlichen Welt, vielleicht noch in Japan und Südkorea. Im übrigen Teil der Welt werden sie positiv missachtet. Das geht in China und Russland los und geht in Afrika und dem Nahen und Mittleren Osten weiter. Und dem Migrationspakt wird es nicht anders gehen. Wir werden ihn ernst nehmen und alle anderen nicht.

ET: Was denken Sie, wird Deutschland nach all den Diskussionen im eigenen Land den Pakt unterschreiben?

Sarrazin: Ja, ganz sicher.

ET: Herr Sarrazin, vielen Dank für Ihre Zeit.

Das Gespräch führte Nancy McDonnell

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