Schicksalswahl für Armin Laschet: Putsch in der CDU?

Von 26. September 2021 Aktualisiert: 26. September 2021 19:51
Erst im Januar ist NRW-Ministerpräsident Armin Laschet an die Spitze der CDU gewählt worden. Am Sonntag muss er gegen Zangenangriffe von links und rechts, Querschüsse aus dem eigenen Lager und nicht gewogenen Medien um seine Zukunft an der Parteispitze kämpfen.

In den vergangenen Tagen haben, glaubt man den aktuellen Umfragen, CDU und CSU noch eine unerwartete Aufholjagd hingelegt und könnten am Sonntag sogar noch die SPD einholen. Für Armin Laschet geht es möglicherweise aber bereits um seine politische Zukunft als Parteichef: Schon am Tag vor der Wahl spekulieren deutsche Medien über mögliche Zukunftsszenarien für die Union nach der Bundestagswahl.

„Bild“ spekuliert über Zukunft des CDU-Chefs

Die „Bild“-Zeitung unterscheidet im Kern drei mögliche Szenarien für die Union: eine erfolgreiche Verteidigung des ersten Platzes in der Wählergunst und damit die Pole-Position in den Verhandlungen um eine künftige Regierungsbildung, ein Ergebnis knapp hinter der SPD und eine deutliche Niederlage. Für Laschet sieht sie im Kern nur im erstgenannten Fall eine Bleibeperspektive.

Das Blatt verweist auf anhaltend schlechte persönliche Umfragewerte des erst im Januar an die Spitze der Partei und erst im Mai nach wochenlangen Debatten zum Spitzenkandidaten bestimmten Ministerpräsidenten. Dazu käme die in den Reihen der eigenen Anhänger verbreitete Überzeugung, dass Söder den CDU-Chef nicht adäquat unterstütze.

Eine absehbare schleichende Verbannung der Union ins zweite Glied im Fall einer knappen Niederlage oder eine unausweichliche Oppositionsrolle im Fall einer klaren Schlappe würde Putschgelüste mit hoher Wahrscheinlichkeit mobilisieren, meint etwa Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg-Essen in der „Welt am Sonntag“.

Söder durch schlechte Umfragewerte gebremst

Der „Tagesspiegel“ hingegen zweifelt daran, dass selbst im Fall eines zweiten Platzes mit größerem Abstand in der Union eine Stimmung Platz greifen würde, die auf einen schnellen Führungswechsel gegen den Willen Laschets gerichtet wäre.

In der CDU selbst würde man zwar eine schnelle Entscheidung über die politische Zukunft der Partei in der Opposition einem lähmenden Schicksal als Verfügungsmasse für FDP-Chef Lindner in Koalitionsverhandlungen vorziehen.

Allerdings wäre ausgerechnet in der CSU keine „Putschbereitschaft“ zu erkennen, da Laschets vormaliger stärkster Rivale Söder selbst mit alarmierenden Umfrageergebnissen zu kämpfen hat.

Schon am Dienstag wird Fraktionsspitze gewählt

Eine unbedingte Rückendeckung hätte Laschet dennoch nur dann zu erwarten, wenn es der Union gelingt, den ersten Platz zu behaupten, da es dann seine große Aufgabe wäre, eine tragfähige Regierung zu bilden. „Oberste Pflicht ist dann die Regierungsbildung“, zitiert die „Bild“ ein CDU-Bundesvorstandsmitglied. Und die Besetzung des Kanzleramtes und damit auch die Stärkung des Spitzenkandidaten stehe dann über allem.

Ein möglicher Putsch gegen Laschet müsste allerdings schnell organisiert sein. Schon am Dienstag (28.9.) wird die neu gewählte Unionsfraktion zusammentreten, um eine neue Fraktionsspitze zu wählen – und wenn jemand anderer als Laschet dort stehen solle, müsste eine etwaige personelle Alternative schon am Montag bestimmt werden.

In der Union hat es sich zudem in Oppositionszeiten eingebürgert, Partei- und Fraktionsvorsitz in einer Hand zu vereinen. Dies war 1976 bei Kohl der Fall und 2002 bei Merkel.

Laschet könnte sich seine Chance erkämpfen

Je näher die Union am Wahlabend zur SPD auf Tuchfühlung geht, umso größer werden jedoch die Chancen für Armin Laschet, diese für ihn heikle Phase zu überstehen. Je knapper das Ergebnis ausfällt, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Union zumindest an Sondierungen oder Regierungsverhandlungen teilnimmt.

Für Laschet wäre dies die Chance, sich endlich auch auf Bundesebene über seine sachpolitischen und persönlichen Stärken sowie mit zählbaren Ergebnissen zu profilieren. Bis dato war er eher in der undankbarsten Position, in der ein Unions-Kanzlerkandidat sein konnte.

Seine Wahl zum Bundesvorsitzenden erfolgte nach mehreren Corona-bedingten Verschiebungen des Parteitags spät, die Kür zum Spitzenkandidaten war umstritten und problematisch. Dazu kamen Zangenangriffe von links- und rechtsaußen, innerparteiliche Querschüsse, eigene Schnitzer wie die „Lach-Affäre“ im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe und Medien, die ihn schon zum designierten Wahlverlierer gestempelt hatten, bevor überhaupt der Wahlkampf begann.

Nach der Bundestagswahl könnte sich Laschet hingegen die Chance erkämpfen, in die Fußstapfen seiner rheinisch-katholischen Vorgänger Adenauer und Kohl zu treten, die er seit seiner Wahl im Januar noch nie gefunden hatte.



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