Schimmel, bröckelnder Putz, stinkende Toiletten – trotz guter Konjunktur hakt es bundesweit bei der Schulsanierung

Epoch Times19. Juni 2019 Aktualisiert: 19. Juni 2019 13:01
Schimmel an den Wänden, Putz bröselt von Decken, Wände sind beschmiert und das ewig leidige Thema mit stinkenden Toiletten, die vor sich hin gammeln. Allein im Schulbereich beträgt der Investitionsstau 42,8 Milliarden Euro und bildet momentan das Hauptproblemfeld bei den Investitionen. Dabei ist vielerorts das Geld für Sanierungen vorhanden. Also woran liegt es dann?

Der schlechte bauliche Zustand vieler staatlicher Schulen in Deutschland ist bekannt. Doch warum hat sich daran trotz guter Konjunktur und der besseren Haushaltslage vieler Städte, Kreise und Gemeinden nichts geändert?

Laut Stephan Brand, Kommunalexperte bei KfW Research ist der kommunale Investitionsrückstand, der sich in den letzten Jahren aufgebaut hat, 2018 auf 138 Milliarden Euro geschrumpft, berichtet die „Welt“. Das sind zwar 21 Milliarden Euro weniger als im Jahr 2017, doch ist die Summe immer noch riesig.

Allein im Schulbereich beträgt der Investitionsstau 42,8 Milliarden Euro und bildet momentan das Hauptproblemfeld bei den Investitionen. Auf Platz zwei folgt der Bereich Straßensanierung, wo der kommunale Investitionsstau 36,1 Milliarden Euro beträgt.

Dabei soll das nicht heißen, dass es bundesweit keine wunderbar sanierten Schulen gibt, die in neuem Antlitz strahlen – nur flächendeckend ist das nicht der Fall. So breitet sich in etlichen Schulen der Schimmel weiter aus, der Putz bröselt von Decken, Wände sind beschmiert und das ewig leidige Thema mit stinkenden Toiletten – die vor sich hin gammeln – belasten Schüler, das pädagogische Kollegium und die Elternschaft.

Da hilft dann auch keine Gegenstrategie mehr aus positivem Gruppengefühl und tollem Konzept auf das man sich immer wieder beruft – um den baulichen Zustand zu kaschieren. Die Realität lässt sich dauerhaft nicht leugnen. Und ein intaktes und funktionale Schulgebäude ist einfach durch nichts zu ersetzen.

Schäden so gravierend, dass eine Sanierung im laufenden Schulbetrieb unmöglich ist

Doch woran liegt es denn nun konkret? Einer Studie der bundeseigenen Förderbank KfW nach, liegt dies zum Einen an der Schere zwischen armen und reichen Kommunen, die immer weiter auseinander ragt. So müssen einige Kommunen die finanzielle Notbremse ziehen und bei nicht zwingend notwendigen Ausgaben sparen. Daher wird die notwendige Schulsanierung immer wieder hinausgeschoben.

Andererseits existieren auch strukturelle Probleme, die sich vielerorts wenig geändert hätten, erklärt Brand als Kommunalexperte. Jahrelang hätte man sich kaputtgespart, was die Beseitigung von Gebäudemängel an Schulgebäuden anginge.

Dadurch sind die Schäden und damit der Reparaturaufwand so gravierend, dass eine Sanierung im laufenden Schulbetrieb jetzt unmöglich ist und Dauerprovisorien, wie Container, als temporäre Klassenräume und die Aufteilung der Klassen auf andere Schulen usw. unumgänglich sind. Dadurch müssen Schulen teilweise über Jahre ein Ausweichquartier beziehen.

Fehlende Kapazitäten, hohe Auflagen – öffentliche Aufträge nicht immer beliebt

Ein anders Problem sind fehlende Kapazitäten bei den Handwerksbetrieben und Bauunternehmen. Da das Geld nun bei vielen Städten und Gemeinden locker sitzt (auch da der Handlungsdruck hoch ist) und mehr in den Wohnungsbau, die Straßensanierung u. ä. investiert wird, sind viele Handwerksbetriebe und Bauunternehmen voll ausgelastet und können keine weiteren Aufträge annehmen.

Zudem entscheiden sich viele Unternehmer, die die Wahl zwischen privaten und öffentlichen Aufträgen haben, sich eher für private Bau- und Sanierungsaufträge. Denn der öffentliche Bau ist flankiert mit zahlreichen Auflagen, Bestimmungen, und Regulierungen, was zusätzlichen Aufwand und Mehrarbeit bedeutet.

Darüber hinaus würde es aber oft auch an eigenen Personalkapazitäten in den Kommunalverwaltungen mangeln, so dass Investitionsvorhaben nicht geplant, Fördermittel nicht beantragt und Aufträge nicht ausgeschrieben werden könnten, berichtet Brand. Dadurch sei etwa ein Drittel der geplanten Investitionen nicht umgesetzt worden, so Brand. Und eine Besserung sei momentan nicht in Sicht. Denn Bauunternehmen und Verwaltungen, buhlen um die selben Fachkräfte – wobei die Wirtschaft oft die Nase vorn hat.

Die findige Bauindustrie hat dies sogar als ein neues Geschäftsmodell erkannt und bietet Kommunen mit ihren Verwaltungen an, sich ganz um die Projektumsetzung zu kümmern. Als ein weiterer Hoffnungsschimmer wird die Modularbauweise gesehen, durch die sich die Bauzeit von neuen oder ergänzenden Schulgebäuden extrem verringert. (er)

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