Rötlich, pink, grün: Gen Norden blicken
Starke Sonnenstürme treffen Erde: Weltraumzentrum warnt vor Störungen
Polarlichter gab es in den vergangenen Monaten schon häufiger zu sehen – am frühen Mittwoch erneut und so weit südlich wie selten. Über mögliche Fehlfunktionen bei GPS oder Satelliten ist bislang nichts bekannt.

Seltenes Naturschauspiel: Polarlichter leuchten über Bayern.
Foto: -/onw-images/dpa
Ein heftiger Sonnensturm hat in der Nacht für Polarlichter bis weit in den Süden gesorgt. Selbst in Bayern waren sie in den Morgenstunden zu sehen. Webcams in den Alpen zeichneten das Spektakel zwischen 4:00 und 5:00 Uhr auf, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in München sagte.
Auch über Baden-Württemberg seien rötliche, pinke und teils grüne Lichteffekte zu sehen gewesen, sagte Carolin Liefke, stellvertretende Leiterin am Haus der Astronomie in Heidelberg.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) warnt vor möglichen Störungen der Satellitennavigation. Es komme derzeit zu schweren geomagnetischen Stürmen, die sich in den nächsten Stunden zu solchen der höchsten Warnstufe G5 steigern könnten, teilte das DLR am Mittwoch in Köln mit.
Die eigenen Weltraumwetter-Vorhersagenzentralen beobachteten die Lage fortlaufend. Auswirkungen etwa auf GPS-Systeme seien möglich.
Besonders intensive Solarstürme
Laut DLR gab es auf der Sonne zwischen dem 9. und 11. November besonders intensive Eruptionen, darunter eine der energiereichsten der letzten Jahre. Damit einher gingen sogenannte koronale Massenauswürfe, die nun als Sonnenstürme auf das Erdmagnetfeld treffen und es stören.
Bereits in der Nacht zu Mittwoch traf demnach ein Sonnensturm der zweithöchsten Warnstufe G4 die Erde. Dem DLF zufolge können derartige Ereignisse den Elektronenfluss innerhalb der Ionosphäre beeinflussen und Radiosignale von und an Satelliten ablenken. Das wiederum kann zu Ungenauigkeiten in der Positionsbestimmung etwa per GPS führen.
„Extrem gefährlich“ seien diese bei Anwendungen mit hochgenauer Ortung wie der autonome Steuerung fahrerloser Autos, erklärte das DLF. Es gebe spezielle Elektronenflusskarten aus Ionosphärenmodellen, mit denen sich derartige Magnetfeldabweichungen erfassen und ausgleichen lassen.
USA meldet Polarlichter in Florida
Aus den USA wurden Polarlichter ebenfalls weit im Süden – Florida, Texas, Arizona und Alabama – gemeldet, wie es bei der Astronomie-Plattform „Spaceweather“ hieß.

Polarlichter leuchten im April 2025 am Nachthimmel über einer Straße im Landkreis Märkisch-Oderland in Ostbrandenburg.
Foto: Patrick Pleul/dpa
Aus der Salve energiereicher Protonen von der Sonne seien einige so stark gewesen, dass sie die Atmosphäre durchdrangen und den Boden erreichten, hieß es bei „Spaceweather“. Wenn hochenergetische geladene Teilchen von der Sonne so viel Energie besitzen, dass sie bis zur Erdoberfläche vordringen, wird das Ground Level Event (GLE) genannt.
Messgeräte auf der ganzen Welt hätten das besondere Ereignis erfasst, wurde Clive Dyer vom Surrey Space Centre zitiert. GLEs dieser Größenordnung seien selten, es gebe sie nur ein- oder zweimal pro Sonnenzyklus, hieß es. Ein solcher Zyklus dauert im Durchschnitt etwa elf Jahre.
Sonnenteilchen + Atmosphären-Moleküle = Polarlicht
Polarlichter entstehen, wenn nach Eruptionen auf der Sonne Wolken aus elektrisch geladenen Teilchen Richtung Erde rasen. Vom Magnetfeld unseres Planeten werden sie zu den Polen gelenkt. In der oberen Atmosphäre treffen die geladenen Teilchen dann auf Luftmoleküle und regen sie an, Licht auszusenden – zu sehen als bunte, tanzende Lichter am Himmel.
Die Lichtfarben variieren je nach Art des angeregten Gases und Höhe: Sauerstoff kann grünes oder rotes Licht emittieren, Stickstoff oft violette oder blaue Farbtöne.
Die Formen der Polarlichter reichen von Vorhängen und Bögen bis hin zu Spiralen, beeinflusst durch die Bewegung des Magnetfeldes. Starke Sonnenstürme können Polarlichter erzeugen, die noch weit südlich der Polarregionen zu sehen sind.
Die Chance, sie zu sehen, geht weiter
Wer das seltene Himmelsphänomen am frühen Mittwochmorgen verpasst hat, bekommt möglicherweise gleich erneut eine Chance, wie Liefke sagte: „Die nächsten zwei Nächte kann man durchaus noch mal auf Alarmstellung bleiben.“
Dank eines weiteren Sonnensturms seien weitere Polarlichter möglich. Eine Garantie gebe es aber nicht – und auch die genaue Zeit lasse sich schwer vorhersagen. Das hänge auch davon ab, wie schnell die Teilchen von der Sonne zur Erde unterwegs sind.
Blicken sollte man Richtung Norden. Wenn nichts oder kaum etwas zu sehen ist, kann es lohnen, eine Aufnahme mit dem Smartphone zu machen. Polarlichter wirken auf Handy-Fotos oft viel farbiger und kräftiger, weil Smartphones mit speziellen Nachtmodi und längerer Belichtungszeit arbeiten.
Die Kamera sammelt das schwache Licht über mehrere Sekunden. Polarlichter wirken auf dem Foto dann ausdrucksvoll und bunt, während wir sie mit bloßem Auge manchmal nur als grauen oder blassen Schein sehen. (dpa/red)
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