Steinmeier lobt schulische „Gesinnungstage“ in Dresden: Freud’scher Versprecher oder Wegmarke zur DDR 2.0?

Von 13. November 2018 Aktualisiert: 13. November 2018 13:32
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Anfang des Monats mit einer Schulklasse aus Zwickau eine Ausstellung über Rassismus im Hygienemuseum in Dresden besucht. Dass er dabei in lobender Weise den Begriff "Gesinnungstag" verwendete, hat verwunderte bis bestürzte Reaktionen ausgelöst.

Im katholischen Milieu sind Allerheiligen und Allerseelen Tage, die der Stille, Einkehr und Besinnung dienen. Die meisten Familien nutzen sie zum Friedhofsbesuch, in mehrheitlich katholischen Gegenden Deutschlands und vielen europäischen Ländern ist zumindest der 1. November auch ein gesetzlicher Feiertag.

Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung des Freistaates Sachsen liegt bei dürftigen vier Prozent. Mögen sie nach der Wende auch politisch überdurchschnittlich stark in den Führungsetagen vertreten gewesen sein, ist ihnen nicht einmal der Coup ihrer Glaubensbrüder in Sachsen-Anhalt gelungen, die es geschafft hatten, den Dreikönigstag (6. Januar) als gesetzlichen Feiertag für alle durchzuboxen. Sachsen hat hingegen den protestantischen Buß- und Bettag.

Wie auch immer: Der 1. November ist in Sachsen ein regulärer Werk- und Schultag. Dies gilt auch für die Schüler des katholischen Peter-Breuer-Gymnasiums aus Zwickau. Dessen 12. Klasse hat den Tag allerdings genutzt, um eine Exkursion durchzuführen. Es ging in die Landeshauptstadt Dresden und dort ins Hygiene-Museum. Die „Sächsische Zeitung“ berichtete über den Besuch.

Die Schüler und ihr Lehrpersonal befanden sich dabei in prominenter Begleitung: Neben Ministerpräsident Michael Kretschmer und Oberbürgermeister Dirk Hilbert war es niemand Geringerer als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der sich an jenem Tag mit ihnen zusammen eingefunden hat, um einer Ausstellung unter dem Titel „Rassismus. Die Erfindung von Menschenrassen“ beizuwohnen.

Pädagogisches Potenzial blieb ungenutzt

Ob Allerheiligen der passende Tag dafür ist oder nicht, sei dahingestellt. Ein Ausstellungsbesuch dieser Art hat aber zweifellos ein nicht unerhebliches pädagogisches Potenzial. Die Nationalsozialisten hatten das 1912 von dem Dresdner Unternehmer und Odol-Fabrikanten Karl August Lingner im Zeichen der Gesundheitsvorsorge gegründete Hygienemuseum zur Propaganda für ihre rassenideologischen und eugenischen Ziele missbraucht.

Wie Steinmeier in zutreffender Weise anmerkt, hat die Junk Science rund um Schädelvermessung, Bevölkerungszucht und staatliche Geburtensteuerung nicht erst mit der Machtübernahme Hitlers begonnen. Forschung in diesem Bereich hatte in ganz Europa stattgefunden und Darwins Evolutionstheorie hat eine Vielzahl an Theorien inspiriert, die heute als esoterischer Unfug gelten.

Es wäre vor diesem Hintergrund ein durchaus lohnendes Unterfangen gewesen, Fragen wie jene aufzuwerfen, ob das Phänomen einer politisch-ideologisch gesteuerten Wissenschaft nicht auch heute noch ein ernstes Problem wäre. Konkret hätte man etwa fragen können, ob nicht der heutige, politisch flankierte „Konsens“ in Fragen wie Gender oder Klima in ähnlicher Weise Gesellschaftsexperimente mit schrecklichen Folgen nach sich ziehen könnte wie „Rassenbiologie“ oder „Marxismus-Leninismus“ als vermeintlich wissenschaftliche Weltbilder von gestern. Auch unter den Vordenkern der „Klimaschutz“-Community gibt es bekanntlich auch solche, die eine „Diktatur auf Zeit“ oder eine staatlich erzwungene Geburtenkontrolle vor dem Hintergrund der angeblich drohenden Klimakatastrophe für angemessen halten.

Der Duden kennt den „Gesinnungstag“ nicht

Immerhin ging die Ausstellung auch auf das Schicksal afrikanischer Kinder in Kobaltminen ein oder solcher, die auf Müllhalden nach Metallgegenständen suchen, um Material für hiesige Lithium-Ionen-Akkus zu gewinnen. Allerdings wurde der dazugehörige Narrativ schnell auf die vulgärmarxistische Lesart vom „Neoliberalismus“ oder den „globalen Ausbeutungszusammenhängen“ gelenkt, statt etwa die Bedeutung afrikanischer Kinderarbeit für Elektroautos zu thematisieren – deren Weiterentwicklung als erklärtes Förderziel der Planwirtschaft unter dem Banner des „Klimaschutzes“ gilt.

Für Befremden in sozialen Medien hat jedoch vor allem die Aussage Steinmeiers gesorgt, der Besuch der Klasse in der Ausstellung an Allerheiligen schaffe einen „Gesinnungstag“, der „unserer ganzen Gesellschaft guttäte“.

Der Duden kennt ein solches Wort nicht. Insofern ist es durchaus denkbar, dass Steinmeier selbst der Urheber eines solchen Begriffes ist. Natürlich kann ihm auch einfach nur ein Freud’scher Versprecher unterlaufen sein und er hat eigentlich „Besinnungstag“ gemeint – welcher der 1. November für Katholiken auch ist. Im Zweifel sollte man zu seinen Gunsten von dieser Annahme ausgehen.

Jüngste Entwicklungen im deutschen Gemeinwesen, an denen auch Steinmeier selbst nicht unbeteiligt ist, wecken jedoch düstere Assoziationen im Zusammenhang mit einem Begriff wie „Gesinnungstag“. Dies gilt insbesondere mit Blick auf Vorfälle der jüngsten Zeit, die etwa den AfD-Bundestagsabgeordneten Gottfried Curio zu der Aussage veranlasst haben, die Bundesrepublik Deutschland entwickele sich zunehmend vom Rechts- zum „Gesinnungsstaat“.

Maaßen-Entlassung als Ausdruck gesinnungsstaatlicher Tendenzen

Anlass für diese Aussage war die Disziplinierung des Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. Dessen Entlassung war für viele Bürger des Landes geradezu ein Paradebeispiel für das Handeln eines „Gesinnungsstaates“, in dem die „Moral“ über dem geschriebenen Recht steht und die ideologischen Vorstellungen der Herrschenden ein größeres Gewicht haben als diesen widersprechende Fakten – selbst dann, wenn diese rational nachgeprüft werden können.

Maaßen hatte es gewagt, die Autorität einer linksextremistischen Organisation bezüglich der Deutung der Ereignisse von Chemnitz kritisch zu hinterfragen. Er hat Politik und Medien zur Besonnenheit und Quellenkritik gemahnt. Die Politik jedoch hatte längst ihre Seite bezogen – und mit ihr auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dieser hatte auch sein gesinnungsethisches Bekenntnis „gegen rechts“ über die Würde und Verantwortung seines Amtes gestellt und für den Besuch eines Konzertes geworben, bei dem Bands auftraten, die schon seit Jahr und Tag für ihre extremistische und gewaltverherrlichende Ausrichtung bekannt waren.

Je mehr selbst die politische Spitze des Staates jedoch jede Distanz zu linksextremistischen Bestrebungen verliert – und dass sich mittlerweile auch vermeintliche Konservative wie Friedrich Merz unverhohlener Antifa-Rhetorik bedienen, illustriert diese Tendenz einmal mehr –, umso näher rückt Deutschland einem Gemeinwesen, in dem „Gesinnungstage“ tatsächlich einen festen Platz haben.

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Die DDR war diesbezüglich ja bereits recht einfallsreich. Vom „Tag der Werktätigen der Wasserwirtschaft“ bis zum „Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ war das Spektrum der Gedenk- und Ehrentage sehr breit. Der „Internationaler Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung“ war damals allerdings nicht Allerheiligen, sondern der 21. März.