Streit um Gleichberechtigung überschattet Start der Bischofskonferenz in Fulda

Epoch Times22. September 2020 Aktualisiert: 22. September 2020 16:26

Überschattet von Auseinandersetzungen um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie anderen grundlegenden Strukturfragen der katholischen Kirche hat die Deutsche Bischofskonferenz im hessischen Fulda ihre Herbst-Vollversammlung begonnen. Deren Vorsitzender, der Limburger Bischof Georg Bätzing, bekräftigte am Dienstag vor Journalisten, es werde mit Blick auf derartige Fragen keinen Sonderweg der deutschen katholischen Kirche geben.

Die katholische Kirche in Deutschland sei „Kirche im Kontext der katholischen Weltkirche“ und werde dies bleiben, betonte Bätzing. „Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise uns als Nationalkirche dort abzuspalten.“ Mit Blick auf die Fragen rund um den sogenannten synodalen Weg gebe es „Konfliktlinien“ unter den Bischöfen, räumte er dabei ein. Die aktuelle Konferenz solle dazu dienen, einen konstruktiven Umgang damit zu finden.

ZdK fordert Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Kirche

Zugleich forderte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) die Gleichberechtigung für Frauen und Männer innerhalb der Kirche. Es gehe nicht darum, den Frauen „Brotkrümel vom Tisch des Herrn“ zukommen zu lassen, sagte Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel im Südwestrundfunk zum Auftakt der dreitägigen Vollversammlung der Bischöfe. Frauen müssten als gleichwertige Mitglieder mit allen Rechten und Pflichten gelten.

Die Frage der Gleichberechtigung ist eine von vier maßgeblichen Themen des sogenannten synodalen Wegs. Dabei handelt es sich um einen Reformprozess, mit dem die Kirche verlorenes Vertrauen in der Gesellschaft wiedergewinnen will. Es handelt sich vor allem um eine Reaktion auf die Skandale um sexuellen Missbrauch, durch den zentrale Strukturfragen in der Kirche in den Blick gerieten.

Bischöfe wollen Regelung zur Entschädigung von Missbrauchs beschließen

Die 69 in Fulda versammelten Bischöfe werden sich unter anderem auch mit einer abschließenden Regelung für Entschädigungen von Missbrauchsopfern befassen. Dabei geht es nach Bätzings Angaben darum, die Zahlungen bistumsübergreifend auf ein einheitliches von Fachleuten als angemessen angesehenes Niveau zu heben. Ob ein entsprechendes Papier, das der Konferenz vorliegt, bis zum Donnerstag verabschiedet werden kann, war demnach jedoch offen.

Die Vollversammlung der Bischöfe ist das höchste Gremium der katholischen Kirche in Deutschland. Sie tritt jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst zusammen, um wichtige Fragen zu klären.

Weihe von Frauen zu Diakoninnen

Bätzing befürwortete im Vorfeld der Versammlung, dass sich die deutsche katholische Kirche innerhalb der Weltkirche für die Weihe von Frauen zu Diakoninnen einsetzt. Lücking-Michel sprach von einem „Fortschritt“. Dieser reiche so allerdings nicht aus.

Die ZdK-Vorsitzende betonte, Ziel müsse sein, allen Getauften und Gefirmten eine „gleichberechtigte Zugangsmöglichkeit zu allen Ämtern“ zu geben. Auch „die Realitäten in den Pfarreien“ ließen „keine andere Möglichkeit, als weiter zu handeln und da noch weiter zu ringen“. Der ZdK ist die zentrale Organisation der Mitglieder und Laien der katholischen Kirche. Er vertritt unter anderem die Diözesanräte sowie die kirchlichen Verbände.

Corona-Pandemie und Asyl

Weiterhin befasst sich die Bischofskonferenz noch mit diversen weiteren Themen, darunter der Corona-Pandemie. Bätzing rügte zum Auftakt zudem den europäischen Umgang mit Flüchtlingen. Nötig sei ein neues Asylsystem, „das dem Anspruch der Geflüchteten gerecht wird und nicht vor allem die Tendenz hat, geflüchtete Menschen abzuhalten“, sagte er. Ein derartiges System sei „nicht christlich, das unterstützen wir nicht“.

Nötig sei „ein in Europa abgestimmtes, neues System“, betonte der Bischof unter Verweis auf die Lage auf der griechischen Insel Lesbos. Die Situation dort sei „sehr prekär“. Asyl sei „ein Grundrecht“. Zugleich warnte er Deutschland vor einem Alleingang. Die Bundesrepublik könne und dürfe diese Frage nicht allein lösen wollen. Die Bundesregierung müsse in der Zeit ihres EU-Vorsitzes allerdings auf eine Einigung dringen. (afp)

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