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Studien zeigen: Gendersprache beschädigt die Sprachkultur – ohne Wahrnehmungen zu verändern

Von 10. Oktober 2020 Aktualisiert: 10. Oktober 2020 14:19
Die „Welt“ hat Studien zur sogenannten Gendersprache ausgewertet. Keine davon konnte einen Beweis für „bewusstverändernde“ Wirkung von Sprache erbringen. Es seien vielmehr Kontext und Lebensrealität, die bestimmten, wie ein generischen Maskulinum aufgefasst werde.

Dass die Verwendung sogenannter Gendersprache mittlerweile nicht nur das private Vergnügen von Anhängern der dieser zugrunde liegenden Ideologie ist, zeigt der Umstand, dass immer mehr öffentliche Institutionen sie benutzen und sie teilweise sogar zur Vorschrift machen – etwa in akademischen Arbeiten. Kritiker sehen darin eine unzulässige Vermengung von Ideologie und Staat, fühlen sich an Sprachdiktate totalitärer Regime erinnert oder fürchten um Freiheitsrechte. Was allerdings bislang selten thematisiert wird: Die Gedanken von Menschen lassen sich nicht über Sprachvorgaben steuern. Sie suchen sich ihren Kontext selbst.

Gendersprache macht abstrakte Wahrnehmungen nicht konkreter

In der „Welt“ hat Marcus Lorenz mehrere Studien über den Effekt sogenannter „geschlechtergerechter“ Sprache ausgewertet. Die akademischen Arbeiten und Studien aus dem Bereich der Psychologie, die sich mit dem Themenkomplex beschäftigt hatten, lassen dabei den eindeutigen Schluss zu, dass die „Gerechtigkeit“ der Sprache in erster Linie von dem Kontext abhängt, in dem sie verwendet wird – unabhängig davon, ob generisches Maskulinum oder Genderkonstrukte verwendet werden.

Es sei in den seltensten Fällen eine bloße Formulierung, die bestimmte Bilder im Kopf erzeuge. Wenn es beispielsweise heiße, dass „60,5 Millionen Bürger […] zur Bundestagswahl aufgerufen“ seien, sei es höchst unwahrscheinlich, dass tatsächlich jemand damit assoziieren würde, dass nur männliche Wahlberechtigte damit gemeint wären. Im Vordergrund stünde vielmehr der abstrakte Informationsgehalt, der darin bestehe, dass ein neuer Bundestag gewählt werde.

Außersprachliche Faktoren werden meist ausgeklammert

Weder gäbe es einen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Personenbezeichnungen zu Assoziation mit konkreten Merkmalen wie dem Geschlecht führten, noch lege die tägliche Lebenserfahrung dies nahe. Wenn jemand beispielsweise sage, er gehe „zum Arzt“ oder man treffe sich „beim Italiener“, löse dies ebenso wenig konkrete Assoziationen mit Personen und deren Eigenschaften aus wie Berichte, wonach „Demonstranten“ sich versammelt oder sich „Zuschauer“ anlässlich eines bestimmten Ereignisses eingefunden hätten.

Zwar gäbe es tatsächlich Fälle, in denen generische Maskulina in erster Linie an Männer denken ließen. Dies habe jedoch weniger mit der Formulierung als mit der eigenen Lebenserfahrung und wahrgenommenen Lebensrealität zu tun.

„Wie groß die Tendenz zu männlichen Lesart ist, hängt, wie die Forschung gezeigt hat, von einer ganzen Reihe sprachlicher und außersprachlicher Faktoren ab“, resümiert Lorenz die Ergebnisse einer Vielzahl am Untersuchungen und Arbeiten, die er auch als weiterführende Lektüre benennt. Diese, und dies sei einer der wissenschaftlichen Hauptkritikpunkte an vielen psychologischen Experimenten, auf die sich auch Befürworter der Gendersprache berufen, würden in den Untersuchungen allerdings meistens nicht berücksichtigt.

Studie zeigt: „Schüler“ und „Bewohner“ fast ausschließlich als neutral wahrgenommen

Vor allem eine Studie mit deutschen und niederländischen Muttersprachlern, die Lorenz zitiert, zeige, dass es vor allem der Plural sei, der Aufschluss darüber gäbe, inwieweit Begriffe mit männlichen Personen oder abstrakt und geschlechtsneutral verstanden würden:

„Ein Ergebnis der Untersuchung war: Pluralformen generischer Maskulina wurden von den Probanden im Deutschen zu 97 Prozent korrekt verstanden, also geschlechtsneutral. Bei Rollenbezeichnungen wie Schüler, Zuschauer oder Bewohner waren es sogar 99 Prozent. Und die besonders umstrittenen Berufsbezeichnungen wie Ärzte, Politiker, Schauspieler verstanden die Versuchsteilnehmer zu 94 Prozent als neutral.“

Wo Wörter jedoch ohnehin als geschlechtsneutral verstanden werden, wirken Gender-Zusätze möglicherweise sogar noch in stärkerem Maße als unwillkommene Fremdkörper.

„Terroristen“ seit 11. September vorwiegend „männlich“ verstanden

Auch diesbezüglich gäbe es Ausnahmen. Wörter wie „Piloten“, „Soldaten“ oder „Terroristen“ würden auch unter Türken, Ungarn oder Japanern, in deren Sprachen es kein Maskulinum oder Femininum gäbe, vorwiegend mit männlichen Akteuren assoziiert – wobei auch hier das grammatikalische Geschlecht nicht der Hauptgrund sei.

Vielmehr gäbe auch hier die Lebensrealität den Ausschlag. Aber auch diese verändere sich. Spielten mehr weibliche Piloten im Alltag oder auch in den Medien eine Rolle, würde sich dies auch auf die „Bilder im Kopf“ auswirken. Ebenso übrigens wie der 11. September 2001: Seit diesem werde das Wort „Terroristen“ vor allem mit Männern assoziiert. In den 1970er und 1980er Jahren wäre jedoch zumindest in Deutschland auch dieser Begriff neutraler verstanden worden – da beispielsweise in der RAF vielfach auch Frauen als solche in Erscheinung getreten wären.

Sprache prägt nicht das Bewusstsein

Linguist Hans-Martin Gauger warnt zudem davor, die „bewusstseinsbildende Macht einer Sprache“ zu überschätzen. Diese präge nicht das Bewusstsein. Es gäbe keinen Fall, in dem Sprachregulierungen je einen Bewusstseinswandel ausgelöst hätten. Weder verringerten sie Ressentiments, noch veränderten sie Berufspräferenzen, noch beeinflussten sie Emanzipationsprozesse oder heilten soziale Missstände. Umgekehrt sei die Gleichberechtigung der Frauen in Ländern, deren Sprache gar kein Maskulinum kenne, nicht unbedingt weiter gediehen als in anderen.

Wer die Wirklichkeit ändern wolle, müsse die Wirklichkeit ändern. Nicht die Sprache.

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