Terror-Angst in Deutschland: Das können wir dagegen tun

Nachdem die Schlagzeilen in den letzten Tagen von den Terroranschlägen gefüllt sind verbreitet sich entsprechend Angst in der Bevölkerung. Dass diese Ängste in gewissem Maße begründet sind, ist einfach nachvollziehbar. Wieso aber hat man sehr starke Ängste. Und noch wichtiger, wie wird man verschiedene Formen der Angst wieder los?
Titelbild
Der Sprengstoff-Rucksack des 27-jährigen Attentäters liegt am Tatort im fränkischen Ansbach am Tatort.Foto: Daniel Karmann/dpa
Epoch Times22. Dezember 2016

Es ist kaum vermeidbar, nach den jüngsten Ereignissen in Deutschland keine Unsicherheit zu verspüren. Viele fürchten sich vor weiterem Terror und vor allem davor, sie oder Angehörige könnten ebenfalls Opfer werden. Aber beruht diese Angst tatsächlich auf rationalen Erwägungen.

Sicher nicht, denn es ist wahrscheinlicher bei einem Autounfall zu sterben, als bei einem Attentat, erklärt die Angst-Expertin Heyne, laut „Focus“. Eigentlich ist uns die Bedrohung aus Ländern des Nahen Ostens bekannt, verliert aber aufgrund der Entfernung an Bedeutung, so die Psychologin. Je näher uns diese Problematik kam (Paris, Brüssel) desto größer sind entsprechend die Sorgen.

Nun sind die islamistischen Anschläge auch in Deutschland angekommen. Entsprechend neu ist die Problematik, weswegen die Medien ihr gleichzeitig überproportional viel Raum geben. Dadurch entsteht ein “verzerrtes Bild der Realität”. Die Verbrechen werden als häufig und lokal nah wahrgenommen, auch wenn sie Hunderte Kilometer weg geschehen und im Vergleich zu anderen Todesursachen extrem selten sind. Als Resultat ergibt sich ein Unbehagen öffentliche Plätze oder Konzerte aufzusuchen.

Nachrichten über Terroranschläge mit Toten lösen unbewusst diese Schutzfunktion aus. Unser Überlebensinstinkt wird geweckt. Heyne spricht von Mortalitätssalienz. Uns werde eindrücklich vor Augen geführt, wir würden alle einmal sterben müssen, erläutert sie. Dies wüsste man, würde es allerdings verdrängen. Sonst wäre kein normales Leben möglich.

Warum aber scheint die Angst nicht wegzugehen? Der Körper fährt Angst-Symptome nach einem kurzen Schreck bereits nach zwei Minuten wieder herunter, erklärt die Psychologin gegenüber Focus. Die Ängste, wie wir sie gerade spüren, halten jedoch länger an. Wenn es in den Medien ruhiger wird, würde die Angst auch wieder abnehmen, so Heyne.

Eigentlich sind solche Ängste etwas Gutes, denn sie bewahren uns bei Unkenntnis von potenziell gefährlichen Situationen automatisch vor Schaden. “Dieser Mechanismus ist biologisch verankert”, sagt Heyne.

Was im Körper passiert

  • Um Symptome der Angst erleben zu können, muss viel Adrenalin in das Blut ausgeschüttet werden. Es gibt zwei Hirnregionen, die schreckliche Situationen oder unerwartete Geräusche in Ängste umwandeln. Sie nennen sich Thalamus und Hypothalamus. Von dort wird die Hirnanhangdrüse aktiviert, die ein Hormon ausschüttet. Dieses wiederum regt die Nebennierenrinde zur Adrenalinausschüttung an.
  • Nun befindet sich der Körper in einem Modus erhöhter Leistungsfähigkeit, genau wie kurz vor einem Wettlauf. Die damit verbundenen Emotionen werden selten erlebt, was zusätzlich verunsichert.
  • „Alle körperlichen Reaktionen sind diesem Ziel untergeordnet“. Das Herz schlägt schneller, die Aufmerksamkeit ist erhöht, der Speichelfluss wird reduziert, es gelangt mehr Zucker in die Blutbahn, die Durchblutung des Darms wird zurückgefahren, so Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Wie helfe ich mir selbst schnell

Seine Angst-Gefühle zu unterdrücken oder zu leugnen nützt wenig. Vielmehr lohne es sich, in sich hineinzuhorchen.

Ängste können, je nachdem welcher Typ man ist, heruntergefahren werden. Manchen hilft es sehr, so viel Informationen wie möglich über einen Vorfall zu recherchieren. Anderen dagegen hilft es sich bewusst zu entspannen, um wieder die Balance zu finden. Psychologin Heyne empfiehlt eine Mischung aus beidem.

Wie intensiv man sich zum Beispiel mit Ereignissen, wie den aktuellen Terrorakten, auseinandersetzt und bis zu welchem Punkt es einem gut tut, gilt es selbst herauszufinden, so die Psychologin.

Hilfen zur Entspannung

Um sich bewusst zu entspannen, reiche es meist oft, einfach etwas Schönes zu tun, so Heyne. Intensiver aber auch hilfreicher sind Methoden wie Meditation, autogenes Training und progressive Muskelanspannung.

Aussprechen, Externalisieren

Ängste verarbeiten sich einfacher, wenn man mit jemandem darüber reden kann. Auch hilft es, sich die Ängste von der Seele zu schreiben. Also diese dem Papier anzuvertrauen kann ebenfalls sehr erleichtern und den Kopf wieder freimachen.

Sorgen und Ängste können positiv gesehen auch als ein Hinweis, sogar als Triebkraft gesehen werden, an sich etwas zu ändern. Es kann Menschen helfen, ihr Leben zu hinterfragen.

Die Gedankenspirale unterbrechen

Befindet man sich in einer Gedankenspirale, sollte man sein Gehirn bewusst ablenken. Hier können Vorstellungen wie ein Stoppschild oder eine rote Karte eingesetzt werden. Reicht dies nicht, kann man sich vier Dinge in der Umgebung suchen die rot sind, oder versucht vier Geräusche zu identifizieren. All das bringt einen in die Wirklichkeit zurück.

In Notsituation hilft es, auf den Atem zu achten. Atmet man zu flach? Dann konzentriert kurz in den Bauch einatmen und dann langsam ausatmen (etwa 5 Mal).

Anderen helfen

Probleme können auch offen und konstruktiv angegangen werden, indem man gesellschaftlich oder politisch aktiv wird. Konstruktive Aktionen in Gruppen helfen auch andere aus der Erstarrung zu lösen. (dk)



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