Terror-Sorge wächst: Immer mehr Flüchtlingshelfer nutzen BAMF-Hotline

Epoch Times25. Oktober 2016 Aktualisiert: 25. Oktober 2016 18:49
"Seit Juli rufen uns vermehrt Betreuer minderjähriger Flüchtlinge an oder sonstige Ehrenamtliche, die mit Flüchtlingen zu tun haben", sagte der Leiter der BAMF-Beratungsstelle Radikalisierung. Er sieht einen Zusammenhang mit den Anschlägen von Ansbach und Würzburg.

Die Beratungsstelle Radikalisierung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verzeichnet seit diesem Sommer mehr Anfragen von Flüchtlingshelfern und -betreuern.

Grund sei die Sorge um ein Abdriften minderjähriger Flüchtlinge in den Islamismus: „Wir haben in den letzten Monaten einen drastischen Anstieg von Anfragen und Telefonaten erlebt“, sagte der Leiter der Beratungsstelle, Florian Endres, der „Welt“. Während die Beratungsstelle bis Juni etwa 60 Anrufe pro Monat zählte, stieg die Anzahl im Juli auf 120 und im August sogar auf 150 Anrufe pro Monat.

„Seit Juli rufen uns vermehrt Betreuer minderjähriger Flüchtlinge an oder sonstige Ehrenamtliche, die mit Flüchtlingen zu tun haben“, sagte Endres. Während bis Juni 18 Prozent der Anrufe Flüchtlinge betroffen hätten, seien es in den darauffolgenden Monaten Juli, August und September bis zu 30 Prozent gewesen. Als Auslöser dafür sieht Endres die Anschläge nahe Würzburg und in Ansbach im Juli 2016, die jeweils von Migranten begangen wurden.

Ist „Turboradikalisierung“ ein Mythos?

Endres erklärte, dass er nicht an „Turboradikalisierung“ glaubt, wie sie immer wieder behauptet wurde.

Betroffene radikalisieren sich nicht aufgrund einer kurzfristigen Wandlung. Dies gehe über mehrere Wochen und Monate, so Endres. Anzeichen seien oft lange vorhanden.

Würden zum Beispiel Andersgläubige im Gespräch abgewertet oder werde plötzlich von Himmel und Hölle gesprochen, seien dies klare Anzeichen. Auch wenn bereits auffällige Jugendliche mit Szenebezügen beispielsweise ihre Kommunikationsnetzwerke ändern und zum abhörsicheren Kurznachrichtendienst Telegram wechseln, könnte dies ein Indiz sein. Auch Äußerlichkeiten wie Vollverschleierung gehören dazu.

Besorgte Eltern

„Natürlich rufen uns auch immer wieder Eltern an, wenn sie ein einziges arabischsprachiges Bild auf dem Handy ihrer Kinder entdecken“, so Endres zur „Welt“. In rund 20 Prozent der Fälle schalten er und sein Team die Sicherheitsbehörden ein. Er sagt, dass seine Beratungsstelle schon mehrere junge Menschen „aus den Fängen des IS“ befreien konnte. In Asylheime werden auf Teams vor Ort geschickt, um zu helfen.

Das Konzept hat Nachahmer und ähnliche Beratungshotlines gibt es mittlerweile auch in den Niederlanden, Österreich und Frankreich.

Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machen, rät er, keinesfalls aggressiv zu reagieren und zum Beispiel den Koran ihrer Kinder wegzuwerfen: „Bei der Deradikalisierung geht es ja gerade darum ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und das soziale Umfeld so zu stabilisieren, dass man an die Person herankommt“, so Endres.

(dts / rf)

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