Ein im Bau befindlicher Tesla Model Y in der Tesla Gigafactory in Grünheide.Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/dpa

Tesla Grünheide: „gefährliche“ Farbspritzer und aufgeblasener Wasser-Wirbel

Von 29. April 2022 Aktualisiert: 29. April 2022 19:36
Milliarden-Investitionen, Tausende Arbeitsplätze – aber auch Ärger mit Klima-Aktivisten: Seit mehr als vier Wochen ist das Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin offiziell eröffnet. Mit innovativer Technologie sollen hier Elektro-Autos in rekordverdächtigem Takt vom Band rollen.

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Am 22. März wurde nach zwei Jahren Bauzeit das erste Tesla-Werk Europas, rund 30 Kilometer südöstlich von Berlin, in Grünheide eröffnet. Die „Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg“, kurz auch „Giga Berlin“ oder „Gigafactory 4“ genannt, kommt als 5-Milliarden-Euro-Investition daher und bietet 12.000 Menschen Arbeit.

Doch so manchen ist die riesige E-Auto-Fabrik ein Dorn im Auge, vorgeblich, weil sie viel Wasser verbrauche oder wegen des Umweltschutzes.

Zwei Liter Farbe auf der Straße

Vor einer Woche erst war Tesla in Grünheide wieder in den Schlagzeilen der Presse, weil „Tausende Liter Chemikalien ausgelaufen“ seien, schreibt die „Zeit“. Dabei soll es sich nach Angaben des Landesumweltamtes Brandenburg um 15.000 Liter Flüssigkeit – ohne gefahrenrechtliche Einstufung – aus der Elektrotauchlackiererei des Werkes gehandelt haben.

Dem „Stern“ nach habe es sich um eine „schwach wassergefährdende“ Flüssigkeit gehandelt – ebenfalls nach Angaben der Behörden. Und vom „Auslaufen eines wassergefährdenden Stoffes“ berichtete der RBB. Die aufgrund eines offenbar defekten Ventils ausgelaufene Flüssigkeit sei in einer Schutzwanne aufgefangen und später von einem angeforderten Spezialunternehmen für Entsorgung abgepumpt worden.

Nachdem der Vorfall im Werk also offensichtlich keine Grundwassergefahr dargestellt hatte, wurde das Problem anderweitig entdeckt. Am Folgetag seien nämlich „zwei bis drei Liter Flüssigkeit auf die Zufahrt der Lackiererei“ geflossen. Die Farbreste seien beim Aufräumen aus den Abpump-Schläuchen ausgelaufen.

Konflikt wegen Wasserverbrauch

In dem Tesla-Werk sollen in einer ersten Stufe bis zu 500.000 Autos pro Jahr gebaut werden. Der genehmigte Wasserverbrauch des Werkes wird mit rund 1,4 Millionen Kubikmeter pro Jahr angegeben. Laut Tesla benötige man pro Fahrzeug 2,2 Kubikmeter Wasser, was dem E-Konzern nach sogar einiges unter dem Branchenschnitt von mehr als drei Kubikmetern liege.

Dennoch will der für das Gebiet zuständige Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) nun seine privaten Neukunden beim Wasserverbrauch begrenzen, wie unter anderem der „Focus“ berichtet. Grund ist die behördlich begrenzte Entnahmemenge für Grundwasser, die dem Wasserverband auferlegt ist. Verbandssprecherin Sandra Ponesky erklärte kürzlich dazu, dass dies notwendig sei, falls der Verband nicht mehr Wasser aus dem Boden pumpen dürfe – um rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen.  Demnach seien pro Person und Jahr 37 Kubikmeter Wasser vorgesehen, was etwa 101 Liter pro Tag und Person entspricht. Bei Überschreitung der erlaubten Menge könnten Ordnungs- oder Bußgelder drohen. Einen Wasser-Stopp werde es aber nicht geben, da die Trinkwasserversorgung rechtlich gesichert sei.

Zudem habe der WSE dem Bericht nach seit Monaten schon ähnliche gedeckelte Verträge mit Industrieunternehmen abgeschlossen. Der WSE hofft auf die Genehmigung weiterer Wassermengen durch das Umweltministerium.

Das Statistische Bundesamt rechnet im bundesweiten Schnitt mit einem Wasserverbrauch von 128 Litern pro Einwohner und Tag und im Bundesland Berlin verbrauchen die Einwohner nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg im Schnitt jeweils 117 Liter. Brandenburg liegt mit 111 Litern etwas darunter.

Bereits im Dezember hatte Henryk Pilz, Bürgermeister von Erkner, gegenüber dem RBB erklärt: „Wir wollen nicht den Menschen das Wasser wegnehmen, sondern die Verursacher übermäßigen Wasserverbrauchs reglementieren.“

Vor Kurzem beschäftigte sich die „Wirtschaftswoche“ mit dem Tesla-Wasser-Thema und verwies dabei auch auf einen deutschen Chemieriesen: „Während Tesla scharf dafür kritisiert wird, in Grünheide 1,4 Millionen Kubikmeter Grundwasser zu entnehmen, darf BASF anderswo in Brandenburg gut sieben Mal so viel schöpfen – ohne Aufschrei.“ In dem Bericht geht es um das zweitgrößte deutsche Werk von BASF in Schwarzheide, rund 100 Kilometer südlich von Grünheide. Nach Angaben des Landkreises Oberspreewald-Lausitz könnte BASF 10,56 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr verbrauchen. Dieses Kontingent werde jedoch nicht ausgeschöpft. Im vergangenen Jahr habe BASF demnach 2,43 Millionen Kubikmeter Wasser entnommen, im Jahr davor etwa 3,1 Millionen Kubikmeter.

Habeck vom „Tesla-Tempo“ beeindruckt

Wie wichtig das Projekt für die Region und auch Deutschland ist, zeigte die Polit-Prominenz auf der Eröffnungsfeier in der amtsfreien Gemeinde im Oder-Spree-Landkreis. Nicht nur Tesla-Chef und derzeit reichster Mensch der Erde, Elon Musk, kam aus den USA zur Einweihung, sondern auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Musk betonte, dass der Produktionsstart für ihn und Tesla ein „sehr großer Tag“ sei und sagte auf Deutsch: „Danke Deutschland, Brandenburg und Grünheide.“

Offenbar war Robert Habeck vom „Tesla-Tempo“ beeindruckt. Tesla habe die Produktionshallen zudem in Rekordzeit errichtet, so der Bundeswirtschaftsminister. Mit eigenem unternehmerischen Risiko habe Tesla noch vor der Genehmigung angefangen zu bauen. Laut Habeck sei das „ein Stück weit auch ein Zeichen, wie man Dinge angehen kann, wenn man entschlossen ist“. Dieses „Tesla-Tempo“ sei vor allem für die Energiewende entscheidend, so Habeck. Man wolle unabhängig von russischem Öl werden, was nicht trivial für Deutschland sei. Habeck kündigte an, prüfen zu wollen, ob und inwieweit das auch für andere Projekte übernommen werden könnte. Im Vergleich dazu war der neue Hauptstadtflughafen BER 2020 erst mit neun Jahren Verspätung eröffnet worden.

„Klima“-Kampf für mehr „Klima-Gerechtigkeit“

Am Tag der Eröffnung blockierten Akteure von „Extinction Rebellion“, „Ende Gelände“ oder „Sand im Getriebe“ ein Werkstor der E-Auto-Fabrik. Weitere Personen seilten sich von großen Autobahnschildern auf die Autobahn A10 ab, die gesperrt werden musste. Laut RBB kritisierten sie, dass das Tesla-Werk die Wasserversorgung in Brandenburg und Berlin gefährde. Bereits am Vorabend brannte ein Kabel an einer Bahntrasse im Osten Berlins, die auch zum Tesla-Werk führt. Radikale Klimaschützer bekannten sich online zu dem Brandanschlag. Der Berliner Staatsschutz halte das Schreiben für authentisch, so der RBB.

„Heute Morgen, am Vorabend des Produktionsstartes von Tesla in Grünheide, haben wir den Pendelverkehr der RE1 nach Falkensee durch ein Feuer in Sichtweite der S-Bahn Wuhlheide sabotiert“, heißt es in dem Bekennerschreiben und: „Ziel unserer Sabotage sind die 3000 Pendler:innen gewesen, die in der Gigafactory arbeiten.“ Den Tätern nach sei das ihr „Beitrag zum Wasser- und Klimaschutz“. Polizei und Staatsschutz ermitteln unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Nötigung, Hausfriedensbruch und im letzteren Fall wegen Brandstiftung.



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