Ein Tempolimit auf Autobahnen wird bald kommen, ist sich Trittin sicher.Foto: Patrick Pleul/dpa

Trittin gegen Raser: Deutsche haben „kollektive Neurose“ bei Autos – wie Amerikaner bei Schusswaffen

Epoch Times9. Juni 2019 Aktualisiert: 9. Juni 2019 21:20
"Wer auf dem Radweg parkt und blockiert, wird meist nicht mal abgeschleppt. Das ist lächerlich", meint der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin. Das müsse sich ändern, findet er. Doch dies sei schwer, weil die Deutschen "eine kollektive Neurose" bei Autos haben, so Trittin weiter.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin fordert höhere Strafen für Verkehrssünder. Verstöße müssten „endlich härter und stärker sanktioniert werden“, sagte Trittin dem „Spiegel“.

Man habe in Deutschlands Bußgeldkatalog extrem niedrige Strafen für den Verstoß gegen Verkehrsregeln.

Wer auf dem Radweg parkt und blockiert, wird meist nicht mal abgeschleppt. Das ist lächerlich. Und wer permanent rast, bekommt in der Schweiz sogar Gefängnisstrafen. Wir brauchen hier endlich eine angemessene Sanktionierung.“

Das Verhältnis der Deutschen zum Auto bezeichnete Trittin als „eine kollektive Neurose, vergleichbar mit der, die Amerikaner mit dem freien Zugang zu Schusswaffen haben“.

Nach dem Faschismus habe man sich hier auf die neue Freiheit, die sich mit dem Auto verband, konzentriert. Aber diese Neurose lasse nach, so Trittin. „Es ist nur eine Frage der Zeit, dass es auch bei uns ein Tempolimit geben wird. Genau wie es nur eine Frage der Zeit war, bis die Wehrpflicht abgeschafft wurde.“

Trittin kritisiert Kretschmann für Diesel-Aussage

Der Grünen-Politiker kritisierte zugleich seinen Parteifreund Winfried Kretschmann für dessen Aussage, dass es einen sauberen Diesel gebe, den man noch lange brauche. „Ich würde dazu raten, eine untergehende Technologie nicht perfektionieren zu wollen. Der Kretsch kann natürlich romantische Gefühle hegen, aber der Diesel hat keine Zukunft mehr“, so Trittin.

Wenn sich ein Strukturwandel abzeichne, gehe es darum, ihn zu gestalten, nicht darum, ihn zu verhindern. „Die Argumente erinnern mich an die SPD im Ruhrgebiet, die noch bis in die Neunzigerjahre die Steinkohle hochgehalten hat. Mit katastrophalen Folgen fürs Ruhrgebiet.“ (dts)



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