Unangebrachte Islamkritik? Lehrerin nach Selbstmord von Schülerin zu 5000 Euro Geldstrafe verurteilt

Von 25. Oktober 2019 Aktualisiert: 26. Oktober 2019 15:07
Nach dem Selbstmord einer 17-jährigen Schülerin in Herford im Januar spekulierte eine Lehrerin der Gesamtschule Friedenstal über einen möglichen Zusammenhang mit Moralvorstellungen der islamischen Community. Ihre Familie zog darob vor Gericht.

Wie das Portal „Mena-Watch“ berichtet, hat das Amtsgericht Herford in erster Instanz einen Strafbefehl über 5000 Euro gegen eine 59-jährige Pädagogin, die an der dortigen Gesamtschule Friedenstal unterrichtet, wegen übler Nachrede erlassen.

Die Familie einer 17-jährigen Schülerin des nahegelegenen Friedrich-List-Berufskollegs, die am 13. Januar 2019 Selbstmord begangen hatte, war vor Gericht gezogen, weil sie sich durch einen mittlerweile nicht mehr einsehbaren Facebook-Eintrag in ihrer Ehre verletzt sah.

Das „Westfalen-Blatt“ schrieb zudem von einer Flugblattaktion, für die die 59-Jährige verantwortlich gezeichnet habe. Später war nur noch von kopierten Arbeitsblättern die Rede, die im Unterricht zum Zwecke der Erörterung des Themas zum Einsatz kommen sollten. Ein Name der Familie wurde darin nicht genannt, allerdings war das Gericht offenbar der Auffassung, dass diese aufgrund des zeitlichen und örtlichen Naheverhältnisses zum Vorfall von den Adressaten der Texte leicht identifiziert werden konnte.

Kompromittierende Bilder als Auslöser

Anlass des Verfahrens ist die Reaktion der Lehrerin auf den Vorfall vom 13. Januar, als das 17-jährige Mädchen aus der türkischen Einwanderercommunity in der ostwestfälischen Stadt von einem Nahverkehrszug überrollt wurde. Offenbar hatte die Schülerin sich zuvor selbst in suizidaler Absicht auf die Gleise begeben.

Im Vorfeld der Tat sollen kompromittierende Bildaufnahmen der 17-Jährigen aus der Silvesternacht an mehreren Schulen der Stadt und in der Community die Runde gemacht haben. Diese hätten eine Bloßstellung der Schülerin, Gerüchte und Beschimpfungen ausgelöst. Auch in der örtlichen DITIB-Moschee soll die Angelegenheit wenige Stunden vor dem Selbstmord der Schülerin im Beisein der bis dahin nicht darüber informierten Eltern und Verwandten in aufgewühlter Atmosphäre besprochen worden sein.

Für die 59-jährige Gesamtschullehrerin, die sich, so das Westfalen-Blatt „seit Langem in zahlreichen Initiativen – unter anderem gegen Rechtsextremismus und für Frauen- und Menschenrechte“ engagiert, war dies Anlass, um über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Gespräch in der Moschee und dem Selbstmord zu spekulieren.

In ihrem Facebook-Eintrag vom 25. Januar, der auch Inhalt des Arbeitsblattes für ihren Unterricht sein sollte, thematisierte sie Cybermobbing sowie gesellschaftlichen Druck, der vor allem aufgrund des strengen Sittenkodex in vielen islamischen Einwandererfamilien auf jungen Frauen laste. Implizit deutete sie dabei offenbar auch an, dass die DITIB-Moschee auf die Familie der 17-Jährigen einen so großen Druck ausgeübt haben könnte, dass das Mädchen keinen Ausweg als den Suizid gesehen hätte.

Notwendige Intervention oder schamlose Instrumentalisierung?

Nachdem die Eltern, die nicht einmal als besonders streng religiös bekannt gewesen sein sollen, von dem Facebook-Eintrag und dem Arbeitsblatt erfahren hatten, strengten sie gegen die Pädagogin ein Verfahren wegen übler Nachrede an. Sie lasen aus dem Beitrag eine Unterstellung heraus, die eigene Tochter auf dem Gewissen zu haben. Der Lehrerin wurde zudem der Vorwurf gemacht, sich in unzulässiger Weise in das Familienleben der Schülerin eingemischt und das tragische Schicksal der 17-Jährigen zur Stimmungsmache gegen muslimische Einwanderer instrumentalisiert zu haben.

Verteidiger des Vorgehens der Lehrerin führen an, dass laut einer Studie der Berliner Charité aus dem Jahr 2010 die Selbstmordrate unter Mädchen aus der türkischen oder kurdischen Einwanderercommunity deutlich höher sei als die bei nichttürkischen, insbesondere deutschen Altersgenossinnen. Dies führen sie auf höheren Druck und einen strengeren Moralkodex zurück, dem Mädchen dort ausgesetzt seien. Die Spekulationen der Pädagogin seien daher nicht unangemessen.

Sollte die Lehrerin den Strafbefehl nicht akzeptieren, soll die Hauptverhandlung noch im Dezember stattfinden.

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