Verbraucher in der Schuldenfalle: Immer mehr Privatpersonen überschuldet

Epoch Times11. November 2016 Aktualisiert: 11. November 2016 9:53
Die Überschuldung von Privatpersonen hat nach Analyse des Auskunftei- und Inkassounternehmens Creditreform erneut und überraschend deutlich zugenommen.

Die Schuldenspirale hat viele Verbraucher fest im Griff: Gut jeder zehnte Bundesbürger ist laut Schuldneratlas der Auskunftei Creditreform überschuldet. Mehr als 6,8 Millionen Deutsche können demnach ihre Schulden nicht zurückzahlen oder fallen durch „nachhaltige Zahlungsstörungen“ auf – das sind rund 131.000 Menschen mehr als zum Stichtag 1. Oktober im Vorjahr. Bei den meisten sei eine „anhaltende Überschuldungskrise“ der Grund.

Die Überschuldung stieg trotz des aktuell vergleichsweise günstigen wirtschaftlichen und konjunkturellen Umfelds. In den vergangenen Monaten habe sich Deutschland durch stabile Konjunktur, moderates Wachstum und günstiger Einkommensentwicklung wegen vergleichsweise hoher Tarifabschlüsse und sinkender Arbeitslosenzahlen ausgezeichnet, betonte Creditreform bei der Vorlage des jährlichen Schuldneratlas‘ am Donnerstag.

Dennoch lag die Überschuldungsquote zum Stichtag 1. Oktober unter allen Bundesbürgern im Alter über 18 Jahren bei 10,06 Prozent. Im Vorjahr hatte die Quote noch bei 9,92 Prozent gelegen. Der Anstieg sei so nicht erwartet worden, erklärte Creditreform. Er sei auf eine Eskalation der Situation bei bereits zuvor verschuldeten Menschen zurückzuführen. Dass Menschen vermehrt neu in finanzielle Probleme geraten, sei dagegen nicht zu beobachten.

Die Zunahme der Überschuldung sei ausschließlich auf einen Anstieg bei schweren, juristisch aktenkundigen Fällen zurückzuführen: Deren Zahl erhöhte sich seit Oktober 2015 um 5,6 Prozent auf 220.000. Die Zahl der leichteren Fälle, bei denen zunächst nur eine „nachhaltige Zahlungsstörung“ vorlag, nahm dagegen um 3,2 Prozent auf 89.000 Fälle ab. Die Zahl junger überschuldeter Verbraucher sei sogar „spürbar“ gesunken.

„Offensichtlich sind viele überschuldete Personen, die zunächst oft auch durch Konsumverschuldung verursachte nachhaltige Zahlungsstörungen aufwiesen, in eine anhaltende Überschuldungskrise geraten“, erklärte Creditreform. Es sei daher davon auszugehen, dass die Überschuldungszahlen in naher Zukunft weiter ansteigen.

Auch das „Phänomen Altersüberschuldung“ habe weiter an Bedeutung gewonnen, erklärten die Experten der Auskunftei. Die Zahl der überschuldeten Verbraucher über 70 Jahren sei um 25.000 oder 16 Prozent auf 174.000 gestiegen. Die Überschuldungsquote in dieser Gruppe sei mit 1,34 Prozent zwar weiterhin nur gering – steige aber bereits seit Jahren sehr steil an.

Die Analyse stützt sich nach Creditreform-Angaben auf Datensammlungen zu juristisch klar definierten Zahlungsunfähigkeits-Sachverhalten wie amtlichen Schuldnerverzeichnissen und Angaben über Privatinsolvenzen sowie eigenen „unstrittigen Inkassofällen“ und „negativen Zahlungserfahrungen“ von Kunden der Creditreform-Tochter Boniversum. Sie prüft Bonitäten für Firmen. Als eine Minimaldefinition für „nachhaltige Zahlungsstörungen“ dient dabei, dass ein Mensch mindestens zwei vergebliche Mahnungen von Gläubigern erhielt. (afp)

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