Virologe Streeck auf Corona-Spurensuche: „Die meisten Menschen stecken sich nicht über Oberflächen an“

Von 7. April 2020 Aktualisiert: 7. April 2020 16:36
Fakten schaffen statt spekulieren. Das ist das Motto von Professor Hendrik Streeck. Der Virologe führt derzeit eine Studie im deutschen Corona-Epizentrum, im Landkreis Heinsberg, durch und stößt dabei auf so manches Rätsel.

Deutschland schaut nach Gangelt. In dem kleinen Städtchen im nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg, dem Epi-Zentrum von Deutschland, begibt sich Professor Hendrik Streeck von der Universität Bonn auf die Spuren von Corona, genauer gesagt dem neuartigen Virus Sars-Cov-2. „Ich kann mich gar nicht daran erinnern, mich jemals mit etwas anderem beschäftigt zu haben“, sagte Streeck gegenüber der „Zeit“. Das Virus bestimme „jeden Tag“.

Im Landkreis Heinsberg sind bislang (Stand 6. April, 17.22 Uhr) 46 Menschen mit einer Infektion gestorben. 1.464 Menschen sind infiziert. 31 der Todesfälle hat Streeck sich einmal „genauer angeschaut – und war nicht sehr überrascht, dass diese Menschen gestorben sind. Einer der Verstorbenen war älter als 100 Jahre, da hätte auch ein ganz normaler Schnupfen zum Tod führen können.“

Vorgreifen will er den Ergebnissen jedoch nicht, denn die Studie läuft noch. Gemeinsam mit seinem Team aus 40 Studenten sammelt der Virologe derzeit neue Erkenntnisse, um das Virus besser zu verstehen. Für ihn ist es wichtig, ob die Lungenseuche COVID-19 todesursächlich war oder ob die Patienten an etwas anderem gestorben sind. Beispielsweise wurde bei einem Heinsberger Patienten zwar das Virus im Rachen festgestellt, eine Lungenentzündung lag jedoch nicht vor. Der Mann starb an einem Herzstillstand.

Nach Streecks Ansichten stütze man sich derzeit zu sehr auf Modellrechnungen. „Aber diese Modelle stecken voller Annahmen, die niemand getestet hat. Und es muss oft ja nur eine Annahme falsch sein oder eine Sache unberücksichtigt und schon fällt das ganze Modell in sich zusammen“, schildert der Virologe, der nun Fakten schaffen will.

Repräsentative Studie im Landkreis Heinsberg

Für eine repräsentative Stichprobe werden von 1.000 Menschen aus 500 Haushalten Abstrich- und Antikörpertests im Blut abgenommen. Gemeinsam mit seinem aus 40 Studenten bestehenden Team will Streeck auf diesem Weg herausfinden, ob die Einwohner mit dem Virus infiziert sind oder waren. So könne auch die Dunkelziffer von Infektionen abgeschätzt werden. Die Teilnehmer der Studie werden beispielsweise befragt, ob sie auf der Karnevalssitzung waren, von der der Ausbruch in dieser Region seinen Beginn genommen haben soll; ob sie Vorerkrankungen haben oder bestimmte Medikamente nehmen, die im Verdacht stehen, die Infektion zu verschlimmern.

Und natürlich spielen die Karnevalisten des Ortes eine wichtige Rolle. Sie sind für den heutigen Dienstag geladen. „Auch wenn man es nicht glaubt, die wurden bisher noch nicht alle getestet“, gibt Streeck zu bedenken.

Bereits jetzt gibt es einige Rätsel für den Virologen. So waren viele Menschen direkt nach dem Karneval krank, „oft schon einen Tag später“. Das passe aber nicht mit der Inkubationszeit von COVID-19 zusammen.

Oberflächenansteckung infrage gestellt

Auch die Theorie von verseuchten Oberflächen stellt Streeck mit seinen Forschungen infrage. Bei 70 Haushalten wurden Stichproben genommen – aus der Luft, von Fernbedienungen und Türklinken beispielsweise. Dort wurden zwar Viren gefunden, aber intakte Viren konnten daraus nicht gezüchtet werden. „Das deutet zumindest darauf hin, dass sich die meisten Menschen nicht über Oberflächen anstecken.“

Kritik gab es von dem Virologen für die verhängten Maßnahmen. Zu wirtschaftlichen und psychischen Folgen wollte sich Streeck nicht äußern, eine strikte Ausgangssperre lehnte er allerdings ab: „Ein Grund ist, dass wir gerade alles tun, was schlecht für unser Immunsystem ist. Wir hängen zu Hause rum und gehen nicht raus in die Sonne.“

Nur zu viert im Park auf einer Decke zu sitzen, sei schon verboten. Dabei übertrage sich das Virus Sars-CoV-2 im Wege der Tröpfcheninfektion und nicht über die Luft.

RKI lehnt repräsentative Stichproben ab

Die Studie in Heinsberg wird über das Land NRW finanziert. Die oberste staatliche Gesundheitsbehörde, das Robert-Koch-Institut (RKI), lehnte eine Erhebung einer Studie anhand repräsentativer Stichproben ab.

In der Pressekonferenz vom 3. April 2020 sagte RKI-Chef Lothar Wieler: „Wir denken, dass das nicht sehr zielführend ist“. Man teste sehr, sehr viele Menschen. Das sei zwar nicht repräsentativ, gäbe aber einen Einblick. Darüber hinaus würde man unter anderem mit Blutspendediensten serologische Studien durchführen. Zukünftig soll es diese Studien auch in Ausbruchsgebieten geben. Insoweit geht das RKI davon aus, dass  man dort aussagefähigere Informationen bekomme. „Das ist die aktuelle Einschätzung des RKI.“

Für diese Äußerung hat die bayerische Statistikerin Katharina Schüller kein Verständnis. Sie schaltete eine Petition zur Forderung nach repräsentativen SARS-CoV-2-Tests zu Studienzwecken. Gegenüber Epoch Times zeigte sie sich über die ablehnende Haltung des RKI empört. Sie sagte:

„Um die Ausbreitung und die Dynamik von COVID-19 zu verstehen, brauchen wir nicht viele schlechte Daten, sondern wenige gute. Die schiere Zahl der Tests liefert keine belastbaren Daten, wenn sie ein verzerrtes Bild der Lage abgeben. Es ist schwer verständlich, warum es zielführender sein soll, weitere hunderttausende nicht-repräsentativere Tests durchzuführen – wenn man lediglich eine relativ kleine Zahl von Tests für eine gut geplante, schlanke und damit kostengünstige Studie verwenden könnte, aus der wir weitaus mehr lernen könnten.

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Insbesondere ließe sich sehr zeitnah erkennen, welchen Effekt die derzeitigen Einschränkungen auf die Ausbreitung haben, anstatt zwei Wochen auf die Neuinfektionen und Todesfälle warten zu müssen.“

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