Foto: Caroline Chen/The Epoch Times

Von kleinen und großen Forschern in unseren Kindergärten

Von 17. Februar 2010 Aktualisiert: 17. Februar 2010 12:27
Die Forscherstation des Klaus-Tschira-Kompetenzzentrums für frühe naturwissenschaftliche Bildung präsentierte Forschungsergebnisse und vergab Forscherplaketten in der Villa Bosch Heidelberg.

„Ätsch, es geht auch anders!“, strahlt die 35-jährige Diplompädagogin Monika Zimmermann voller Erleichterung. Nach mehrjähriger Forschungsarbeit blickt sie zurück und zieht Resümee. Zusammen mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der Klaus Tschira Stiftung wurden über vier Jahre hinweg Kompetenzen analysiert und entwickelt, die Erzieherinnen im naturwissenschaftlichen Bereich besitzen sollten. „Ein Bereich, um den sich vorher nie jemand gekümmert hat“, so Zimmermann. Das naturwissenschaftliche Arbeiten mit Kindern im Kindergartenalter von vier bis sechs Jahren war ein unbeschriebenes Blatt. Dank Monika Zimmermann in Zusammenarbeit mit Manuela Wenzel-Breuer und ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist es gelungen, diese Lücke zu schließen.

Das Gute sehen

Ihre Kollegen, so Zimmermann, haben sie gewarnt, man könne nur Schwächen messen. Doch sie hat es geschafft, das Gute zu sehen. Es ist nicht wie bei Pisa, wo, wie sie sagt, nur aufgezeigt wird, was falsch gelaufen ist. „Es werden keine Schwächen gemessen, sondern nur die Stärken“, so die Pädagogin über ihre Arbeit. Vielmehr geht es um das konstruktive Verändern. Da kann auch Kritik sehr hilfreich sein oder ist gar der Schlüssel zur Weiterbildung.

Dass Geduld auch in der Pädagogik eine Tugend ist, steht außer Frage. „Wir alle glauben ja, dass Wissen etwas Anstrengendes ist und das fängt schon im Kindergarten an.“ Über 100 Gespräche mit Erzieherinnen hat sie ausgewertet, um etwa herauszubekommen, was die Scheu vor Naturwissenschaften auslöst und wie man sich verhalten kann, um sie aufzuschlüsseln.

Während Monika Zimmermann darüber forscht, wie Erzieher ihre Kompetenzen entwickeln, arbeitet Anja Dhein daran herauszufinden, wie die Arbeit der Erzieher bei den Kindergartenkindern ankommt. Dabei wurden unter anderem ein Jahr lang Videoaufnahmen von Kindern gemacht, ausgewertet und kindliche Äußerungen in empirische Befunde zusammengefasst. Fragen zum Thema wie „Schwimmen-Schweben-Sinken“ konnten die Kindergartenkinder nach gehen: „Ob eine Styroporkugel auch dann schwimmt, wenn sie mit Nägeln bestückt wird?“ Dies sind Fragen, die auch im Lehrplan der Grundschule behandelt werden.

„Ich denke, es ist grundsätzlich falsch, dass erst in der Pubertät Chemie und Physik in der Schule aufgegriffen werden. Denn mit fünf Jahren sind die Kinder am neugierigsten“, so begründet Klaus Tschira, in Anlehnung an den Psychologen Manfred Spitzer, nach der Veranstaltung in der Villa Bosch in Heidelberg seine Unterstützung für die Forscherstation und Entwicklung der Kompetenzen für Erzieherinnen.

Welcher Ort könnte sich für solch wissenschaftlichen Präsentationen und einer naturwissenschaftlichen Auszeichnung besser eignen, als der ehemalige Wohnsitz des Nobelpreisträgers Carl Bosch?

Auszeichnung für Erzieherinnen

Im Anschluss der Vorstellung der Ergebnisse der beiden Diplom-Pädagoginnen wurde erstmalig die Forscherstationsplakette verliehen. Dabei wurden Erzieher und Grundschullehrer ausgezeichnet, die erfolgreich ein Jahr lang bei der Forschungsstation, die von der Klaus Tschira Stiftung ins Leben gerufen wurde, teilgenommen haben.

Vorstudien haben beispielsweise gezeigt, dass ein Großteil der Erzieher/innen Berührungsängste in naturwissenschaftlichen Bereichen zeigen, wie zum Beispiel in „Physik“. Daher vermeiden sie die Beschäftigung auch in ihrem Arbeitsumfeld. Die Forscherstation möchte den Berührungsängsten von Erziehern entgegenwirken und mit der praxisorientierten Schulung Hilfestellungen für die Arbeit im Kindergarten und der Grundschule anbieten.

Erzieher aus der Heidelberger Umgebung – und jeweils zu zweit aus einer Einrichtung teilnehmend –  sind von der Fortbildung begeistert und haben Einiges dazu gewonnen. „Es hat sich gelohnt. Ich habe gelernt, mich auf den Weg zu machen und dass man nicht alles wissen muss“, so die beiden Teilnehmer Reidinger und Alter aus dem Mannheimer Kinderhaus Bromberger Baumgang. Zwei Erzieherinnen des Kindergartens der Jugendkunstschule Konfetti sind froh, durch die Fortbildung Anregungen bekommen zu haben, wie man das naturwissenschaftliche Arbeiten umsetzen kann. „Man muss nicht alles erklären, sondern Kinder einfach selbst machen lassen.“ Nothdurft und Wesch aus der Villa Kunterbunt waren von den Materialien begeistert: „Man schafft eine Motivation für die Kinder. Kinder experimentieren dann alleine mit Anleitung.“ Auf spielerische Art werden die Kinder mit naturwissenschaftlichen Themen konfrontiert. Diese Erfahrungen nehmen sie mit in die Schule.

Qualitätssicherung für Heidelberger Erzieher

Das Land Baden-Württemberg hat Anfang des Jahres 2006 den Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die Kindergärten des Landes auf den Weg gebracht. In ihm wird „das Bildungs- und Erziehungsverständnis für Kindergärten entfaltet und der Bildungsauftrag konkretisiert“. Während seiner dreijährigen Erprobungsphase sollte mit dem Projekt Quasi Heidelberg der Implementierungsprozess unterstützt werden.

Das Projekt Quasi, das eine Fortbildungsinitiative für Heidelberger Erzieher zwischen 2006 und 2009 darstellte, wurde ebenfalls von der Klaus Tschira Stiftung finanziert. Insgesamt 600 Erzieher und damit alle Erzieher innerhalb Heidelberg, unabhängig von welcher Einrichtung, nahmen an der Fortbildungsreihe teil, indem sie beispielsweise in Hinblick auf Sprachentwicklung, kognitive Entwicklungen aber auch im Qualitätsmanagement geschult wurden.

„Mit Kindern die Welt entdecken“ lautet eine Devise in der Pädagogik. Dazu ist es nötig, dass der Erzieher, mag es in der Grundschule, im Kindergarten oder als Elternteil sein, selbst fähig ist, Neues zu entdecken – dazu ist eine Einrichtung wie die Forscherstation zur Weiterbildung von Erziehern genau das Richtige.

Foto: Caroline Chen/The Epoch Times


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