„Eminenz, wo blieben ihre persönlichen Worte gegen Kriege auf der Münchner Sicherheitskonferenz?“ Offener Brief von Willy Wimmer

Epoch Times18. July 2018 Aktualisiert: 19. Juli 2018 17:13
"Wo ist Ihre, verehrte Eminenz, Unterstützung der größten zivilisatorischen Errungenschaft des modernen Deutschland in der Form des 'demokratischen Rechtsstaates?'" Willy Wimmer wendet sich an Kardinal Marx als Antwort auf dessen Interview in der ZEIT: ''Zu der Frage, was geht und was nicht geht''.

Eminenz,

was soll ich davon halten, daß Sie als Gast bei der zu einer jährlichen Kriegskonferenz mutierten Münchener Sicherheitskonferenz für jeden Betrachter unübersehbar als Ehrengast anwesend sind und den dort auch jährlich versammelten deutschen, angelsächsischen und allgemein internationalen Kriegstreibern nicht die Leviten lesen für ihr schändliches Tun?

Wo waren Ihre persönlichen Worte oder die der von Ihnen vertretenen Deutschen Bischofskonferenz gegen die völkerrechtswidrigen Kriege der NATO seit dem ordinären Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien im Jahre 1999 und die nachfolgenden Mordzüge von Afghanistan über den Irak, Syrien, Libyen bis hin zu anderen Staaten?

Ganze Nachbarstaaten von uns wurden durch die amerikanische NATO-Führungsmacht unter den Präsidenten Clinton, Bush den Unsäglichen und Obama in die Steinzeit zurückgebomt.

Und Ihr, verehrte Eminenz, Wort dagegen? Fehlanzeige und stattdessen Vollpräsenz unter den uns allen seit 1999 und dem Angriff auf eine europäische Stadt-Belgrad eben- sattsam bekannten Kriegstreibern in einem wohltemperierten Sitzungssaal.

Man braucht sich nicht zu fragen, was man davon zu halten hat. Schon vorher kennt man die Antwort auf eine derartige Frage.

Seit Jahrzehnten verläuft die Drogenroute zur Versorgung von Rotterdam und Tel Aviv aus dem Hafen von Buenos Aires über Westafrika nach Norden. Darüber wird heute der lukrative Transport von Menschen nach Norden vorgenommen.

Zu Ihrem Sprengel zählt ein oberster ehemaliger europäischer Polizeibeamter, der das beurteilen kann. Buenos Aires ist bekanntlich die Heimat des derzeitigen Heiligen Vaters und gerade unsere Kirche, Eminenz, ist bekannt dafür, wie umfassend Ihre Kenntnis auch der weltlichen Dinge ist.

Ein hochrangiger Diplomat aus Asien hat dazu einmal geurteilt, daß die römische Kirche den weltbesten Nachrichtendienst unterhalte.

Das war in Sachen „globaler Migration“ noch nicht einmal erforderlich, um eine Ahnung von den damit verbundenen Problemen zu erhalten. Es war die Russische Föderation, die in Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erleben mußte, wie Millionen Menschen aus einem Nachbarland die Grenzen überquerten.

Sie, Eminenz, wissen doch über Ihre Amtsbrüder aus Afrika am besten Bescheid über die verzweifelte Lage von Millionen Menschen in diesen geschundenen Agrargesellschaften, wo multinationale Konzerne Afrika regelrecht plündern und fremde Staaten sich die landwirtschaftliche Fläche unter den Nagel reißen.

Den Menschen in Afrika wird jede Hoffnung genommen und diejenigen, die Ihnen helfen müßten, schweigen nachdrücklich.

Wo waren die deutschen Bischöfe, als europäische Regierungen, darunter die von Bundeskanzlerin Dr. Merkel, für die Flüchtlingslager in Nah- und Mittelost die Finanzbeiträge zusammengestrichen haben und den Menschen die Alternative: Tod oder Migration nach Europa blieb?

Wo ist Ihre, verehrte Eminenz, Unterstützung der größten zivilisatorischen Errungenschaft des modernen Deutschland in der Form des „demokratischen Rechtsstaates“, der es Regierungen verbietet, sich über das Gesetz zu erheben?

Es war doch nur ein Steinwurf entfernt von Ihrer Residenz, daß ein Ministerpräsident des Freistaates Bayern von einem „Unrechtsstaat“ gesprochen hat und ein ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht von einem „offenkundigen Rechtsbruch“, wenn die öffentlichen Berichte darüber zutreffend sein sollten.

Wo ist Ihr Einwirken auf Ihre Amtsbrüder in den USA, die dortige Regierung von ihren mörderischen Kriegen seit Jahrzehnten abzuhalten und den Opfern amerikanischer Kriege wenigstens die Aufnahme als Flüchtlinge zu garantieren? Es gibt aus meiner Sicht genug Anlaß, die Dinge umfassend zu bewerten.

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Für ein abgewogenes Urteil Ihrerseits bin nicht nur ich Ihnen dankbar, wenn ich die heutige Berichterstattung über Ihre jüngsten Einlassungen sehe.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
Willy Wimmer
Staatssekretär des Bundesministers der Verteidigung a.D.

Zum Nachlesen: Kardinal Marx im Interview mit der „Zeit“

33 Jahre lang war Willy Wimmer Bundestagsabgeordneter der CDU  und zwischenzeitlich Parlamentarischer Staatssekretär im Kabinett Kohl. Von 1994 bis 2000 fungierte er als Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

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