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Der Untersuchungsausschusses zur Flutkatastrophe im Ahrtalbei hat derzeit viele offene Fragen zu klären.
Der Untersuchungsausschusses zur Flutkatastrophe im Ahrtalbei hat derzeit viele offene Fragen zu klären.Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Wo war der Landrat in der Flutnacht?

Epoch Times8. Juli 2022
Wo hielt sich Landrat Pföhler in der Flutnacht an der Ahr auf? Diese zentrale Frage versucht der Landtag-Untersuchungsausschuss kurz vor dem Jahrestag der Katastrophe zu klären.

Ex-Landrat Jürgen Pföhler war während der Flutkatastrophe am 14. Juli im Ahrtal zumeist nicht in der Einsatzleitung der Kreisverwaltung. Lediglich zu einem kurzen Treffen mit Innenminister Roger Lewentz (SPD) tauchte er dort auf, wie mehrere Zeugen im Untersuchungsausschuss des Mainzer Landtags ausgesagt hatten. Aber wo war der CDU-Politiker? Seine „rechte Hand“ in der Kreisverwaltung, Erich Seul, konnte diese Frage im Ladtags-Untersuchungsausschuss nicht beantworten, obwohl er mehrfach mit Pföhler telefonierte. Am Freitag versuchten die Abgeordneten das Rätsel zu lösen – mithilfe der Telefonliste und SMS von Pföhlers Handy, besuchten Internet-Seiten sowie Privatleuten als Zeugen.

Danach hatte Pföhler am häufigsten Kontakt zu Seul. Die zweithäufigste Nummer – 13 Anrufe – gehört zu einer als „Nring“ im Handy abgespeicherten Frau aus dem Ahrtal, wie die mit der Auswertung betraute Beamtin des Landeskriminalamts (LKA) im Untersuchungsausschuss sagte. Dazu kamen SMS: Um 0.50 Uhr beispielsweise schrieb Pföhler an „Nring“: „Katastrophe, Tote, Verletzte, Menschen auf Dächern, kein Hubschrauber, Stromausfälle, unser Haus ist geflutet, ich bin am Ende.“

Eine Stunde lang lediglich private Kontakte

Pföhler war nach Angaben der Ermittlerin am 14. Juli kurz nach 16.00 Uhr per SMS von Seul unterrichtet worden, dass der Pegelstand an der Ahr sehr stark ansteige und sich der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) und die Technische Einsatzleitung (TEL) für einen größeren Einsatz vorbereiteten. Um 18.24 Uhr habe Seul den Landrat informiert, dass Innenminister Roger Lewentz (SPD) den Krisenstab besuchen wolle. Zwischen 19.00 und 20.00 ergaben die Handydaten, dass in diesem Zeitraum lediglich private Kontakte registriert wurden.

Wo sich der inzwischen 64-Jährige am Abend und in der Nacht jeweils aufgehalten hat, ließ sich nach den Worten von zwei LKA-Ermittlern nicht ermitteln. Die Standortdaten seien nicht erfasst, der Grund dafür sei unbekannt, sagte die Polizistin. Gegen 22.25 Uhr habe Pföhler bereits eine SMS an jene Frau geschickt, in der er von der bevorstehenden Evakuierung berichtet habe, und dass „alle mit den Tieren“ auf die Straße gehen müssten. „Hoffentlich stürzt das Haus nicht ein“, endete die SMS. Der letzte Anruf an Pföhler wurde um 1.57 Uhr am 15. Juli registriert.

Wichtige Zeugin sagt ab

Die Frau sollte eigentlich an diesem Freitag als Zeugin aussagen, hatte ihre Ladung aber am Abend zuvor begründet abgesagt, wie der Ausschussvorsitzende Martin Haller (SPD) sagte. Nun soll sie am kommenden Freitag (15. Juli) gehört werden.

Pföhler habe sich auch mehrmals am Abend auf Medienseiten im Internet über die Hochwassersituation informiert, sagte die Polizistin. Insgesamt seien zwischen dem frühen Morgen des 14. Juli 2021 und dem 15. Juli um 2.30 Uhr 77 beantwortete Anrufe Pföhlers registriert worden, die jedoch teilweise weniger als 20 Sekunden lang gewesen seien. Daher sei es unklar, ob die Gespräche zustande gekommen seien, sagte die Ermittlerin. Von den 51 SMS hätten 18 Bezug zu der Sturzflut gehabt. Die Inhalte der Telefonate seien nicht bekannt. Die Handy-Kontakte beschränkten sich nach der Auswertung der Ermittlerin auf Telefonate und SMS; WhatsApp sei auf dem Handy nicht installiert gewesen.

Pföhler sollte im späteren Verlauf der Sitzung (ab 18.00 Uhr) erstmals im Landtags-Untersuchungsausschuss „Flutkatastrophe“ erscheinen. Die Ehefrau des CDU-Politikers machte am Mittag von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Denn gegen Pföhler ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz wegen womöglich zu später Warnungen und Evakuierungen. Pföhler hatte ebenfalls bereits angekündigt, deshalb nicht aussagen zu wollen.

Bei der Flutkatastrophe vor einem Jahr (14./15. Juli) waren mindestens 135 Menschen im nördlichen Rheinland-Pfalz ums Leben gekommen, darunter 134 im Ahrtal. 766 Menschen wurden verletzt. Auf einer Länge von 40 Kilometern an der Ahr wurden Straßen, Brücken, Gas-, Strom- und Wasserleitungen und rund 9.000 Gebäude zerstört oder schwer beschädigt. Allein im Ahrtal sind rund 42.000 Menschen betroffen, landesweit etwa 65.000. (dpa/red)



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