Zwei Jahre nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt – Polnischer LKW Besitzer gibt Kampf um Entschädigung auf

Epoch Times18. Dezember 2018 Aktualisiert: 19. Dezember 2018 10:26
Zwei Jahre ist es her, dass der Attentäter Anis Amri am 19. Dezember 2016 mit einem LKW in die Menschenmenge auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz fuhr. Den polnischen LKW-Besitzer trieb das Attentat fast in den Ruin. Nun gibt er seinen Kampf um deutsche Entschädigungszahlungen vorerst auf.

Zwei Jahre nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 gibt der polnische Speditionsbesitzer Ariel Zurawski seinen Kampf um deutsche Entschädigungszahlungen vorerst auf, berichtet der „Focus“.

„Das ist ein Kampf wie David gegen Goliath“, sagte der Pole. Zurawski lebt in Sobiemysl bei Stettin und hatte sich bei Berliner Behörden unter anderem um Schadenersatz für den Lkw bemüht, der vom Attentäter Anis Amri entführt und als Terrorwaffe missbraucht worden war.

Doch die deutschen Behörden reagierten bislang nicht. „Solange in Deutschland die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind, habe ich keine Chance, etwas zu erreichen“, so Zurawski weiter. Das habe auch sein Anwalt bestätigt.

Die doppelte Tragödie

Das Attentat trieb den Unternehmer fast in den Ruin. Hinzu kam die Trauer um seinen erschossenen Cousin, den Fahrer des LKWs, sowie die Sorge um die Hinterbliebenen des Cousins, seine Frau und Kind.

Der Vorfall wurde zur emotionalen und finanziellen Tragödie, von der sich Zurawski und seine Familie erst jetzt nach zwei Jahren etwas erholt haben.

Um in den Besitz des LKWs zu kommen, erschoss Amri als erstes den Fahrer des LKWs, Zurawskis Cousin, entführte den LKW und lenkte das Gefährt auf den Weihnachtsmarkt in die Menge hinein. Elf weitere Menschen starben, mehr als 70 wurden verletzt. Der fast neue LKW musste am Ende verschrottet werden, so Zurawski laut „Focus“.

Lange Zeit plagten den Unternehmer Existenzängste, denn der rein finanzielle Schaden belief sich auf 90.000 Euro, wovon ihm lediglich 10.000 Euro Schadensersatz zugesprochen wurden.

Auf die deutschen Behörden ist er wütend. Er kann nicht verstehen, warum Deutschland den ihm entstandenen Schaden nicht ersetzt. „Ich will mich doch nicht bereichern“, so Zurawski gegenüber der Deutschen Presseagentur . Für ein reiches Land wie Deutschland müsse die Entschädigung der Opfer eigentlich Ehrensache sein.

Zudem hätten sich die Behörden „sehr unfein“ verhalten, fast so als wäre das alles seine Schuld gewesen. Er ist sich sicher, die Behörden hätten sich anders verhalten, wenn er „ein Deutscher“ und kein „Pole“ wäre.

Polens Regierung hilft

Immerhin habe sich Polens Regierung hilfsbereit gezeigt, so Zurawski. Sie übernahm die Kosten für die Überführung des toten Cousins und dessen Beerdigung. Staatspräsident Andrzej Duda nahm persönlich am Begräbnis teil, während von deutscher Seite kein Landesvertreter kam.

Zudem bekam die Familie seines Cousins von Polens Regierung eine Spezialrente bewilligt. Die deutschen Opferbeauftragten Edgar Franke und dessen Vorgänger Kurt Beck – beide von der SPD – hätten hingegen gar nichts getan, so Zurawski weiter.

Dass der Lkw-Hersteller Scania auf noch fällige Leasing-Raten verzichtete und der Industriekonzern Thyssen-Krupp auf Schadensersatz für die verrostete Stahl-Ladung, sei entgegen Becks Behauptungen nicht deren Verdienst gewesen. Vielmehr hätten sich die Firmen dem Druck der Medien gebeugt, so der Unternehmer.

In diesem Jahr möchte Zurawski seines verstorbenen Cousins und Mitarbeiters gemeinsam mit den Speditionskollegen in Polen gedenken. „Wir werden mit den Lkws vor den Friedhof fahren und ihm zu Ehren hupen.“ (nh/dpa)

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