Schweden im Schockzustand nach Mord an Flüchtlingshelferin – „Sie war mein Engel“, so die Mutter

Epoch Times26. Januar 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 19:31
In einem Flüchtlingsheim für unbegleitete Minderjährige im schwedischen Mölndal wurde am Montagmorgen eine 22-jährige Mitarbeiterin von einem 15-Jährigen angegriffen und mit einem Messer schwer verletzt. Das Opfer verstarb nur Stunden später im Krankenhaus.

Am Montagmorgen um 7.46 Uhr erhielt die Polizei in Mölndal einen aufgeregten Anruf, ein Name wird genannt und die Worte "Messer", "kämpfen" und "verletzt", schreibt das schwedische "Aftonbladet".

"Solche Anrufe sind immer mehr üblich. Es gibt immer mehr solche Zwischenfälle wie diesen, seit der Ankunft der vielen Flüchtlinge aus dem Ausland", so Polizeisprecher Thomas Fuxborg später zu AFP.

Als die Beamten bei dem Heim ankommen, kämpfen zwei der Jugendlichen mit dem 15-jährigen Täter, halten ihn fest und verhinderten damit weitere Angriffe. Das Mädchen liegt am Boden, überall gibt es Blut.

Polizeisprecher Thomas Fuxborg sagte am Montagabend der Nachrichtenagentur TT: "Es war chaotisch, natürlich, der Tatort voller Blut. Der Täter wurde von anderen Bewohnern überwältigt, die Menschen waren niedergeschlagen und aufgebracht."

Flüchtlingshelferin Alexandra Mezher (22) wird in die Sahlgrenska Universitätsklinik in Göteborg gebracht, wo sie gegen Mittag an ihren schweren Verletzungen stirbt.

Das privat geführte Asylheim der Firma Living Nordic AB gibt es seit September 2015. Hier waren zur Zeit zehn 15- bis 19-jährige jugendliche Flüchtlinge untergebracht. Sie wurden mit psychologischer Betreuung in ein anderes Quartier verlegt. Das Haus wurde für forensische Untersuchungen geschlossen.

Die mutmaßliche Tatwaffe, ein Messer, wurde gefunden. Sieben zur Tatzeit anwesende Personen wurden vernommen. Die Polizei hält Identität und Herkunft des Täters weiterhin zurück.

Sie wollte Gutes tun und wurde ermordet

Kurz vor dem Mittagessen am Montag erreichte die Familie die Nachricht, dass Alexandra ihren Verletzungen erlegen ist. 

Der Mutter des Mädchens zerreißt es das Herz. Sie kann nicht verstehen, warum jemand das getan hat. "Sie war nicht nur meine Tochter, sie war mein Engel."

Auch ein Freund der Familie ist fassungslos: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll… Sie liebte die Menschen und wurde von ihnen geliebt", schreibt der Göteborg-Posten.

Alexandra war Psychologieabsolventin am Blekinge Institute of Technology in Karlskrona. Sie absolvierte ein dreijähriges Seminar in Sozialwissenschaften für Kommunikation und Lernen und wollte an der Uni ihren Masterabschluss machen.

Sie nannte den Titel ihrer Master-Arbeit, die sie mit einem anderen Studenten zusammen schrieb: "Der Weg zum Nichtkriminellen – Eine Änderung des Lebensstils", schreibt die englische "Dailymail".

Ihre Cousine sagte im schwedischen "Expressen": "Es ist so schrecklich. Sie war eine Person, die Gutes tun wollte, die gut sein wollte. Und dann wird sie ermordet, als sie ihren Job macht." Ein Cousin sagte: "Wir haben viel geweint. Sie war so ein netter Mensch, warm und glücklich."

Einer ihrer Cousins sagte wütend, dass es die Schuld der schwedischen Politiker sei, dass Alexandra jetzt tot ist. Im Laufe des Tages sprach die Familie, die Anfang der 90er Jahre aus Beirut, Libanon nach Schweden kam, mit Zorn über die Flüchtlingskrise und die chaotische Situation mit den vielen Neuankömnmlingen und überfüllten Unterkünften.

Eine Freundin, die immer da war

Lejla Filipovic war ihre beste Freundin. "Wir weinen viel und versuchen uns, an die schönen Momente zu erinnern", sagte sie im "Aftonbladet".

Sie lernten sich in der Schule kennen, trafen sich gleich am ersten Tag. Seitdem waren sie beste Freundinnen, seit acht Jahren.

"Sie war wie eine Schwester für mich", sagte das Mädchen. "Sie war eine Freundin, die immer da war… Sie gab so viel, ohne etwas zurückzuverlangen." Auch für ihre Eltern sei sie wie eine Tochter gewesen.

Gefährliche Nachtschicht?

Die 22-jährige Alexandra Mezher arbeitete erst seit einigen Monaten in der Flüchtlingsunterkunft. Sie kam an diesem Montagmorgen aus der Nachtschicht und sollte vom Tagespersonal abgelöst werden. Sie hatte allein gearbeitet. Normalerweise würden die Mitarbeiter immer zu zweit arbeiten, sagte eine 29-jährige Arbeitskollegin mit Namen Amal Hassan: "Wir sind nie allein." Wenn nötig wären sie auch mal zu dritt. Doch in der Nachtschicht ist das anders.

Amal Hassan arbeitet seit Oktober hier im Heim. Sie habe in diesem Haus noch nie Gewalt erlebt, alle wären angenehm und fröhlich. Es seien nette junge Menschen, so die Flüchtlngshelferin. Sie ist sehr aufgeregt und denkt jetzt über ihre eigene Sicherheit am Arbeitsplatz nach, schreibt der GT Expressen.

Sozialarbeiter und Sprecher der Firma, Staffan Alexandersson, sagte zu dem Vorfall: "Wir bedauern, was passiert ist und wir erarbeiten gerade in einer Krisensitzung den Umgang von Mitarbeitern und Kindern", so "Thelocal".

Ein anderer Mitarbeiter, der anonym bleiben will, sagte, dass es schon früher Beschwerden über die Arbeit allein in der Nacht gegeben habe. Dies wurde auch in der Krisensitzung angesprochen. "Alle weinten und jemand sagte, dass es so war, wie wir schon früher gesagt hatten, dass niemand alleine arbeiten sollte", so der Mitarbeiter.

Schwedens Ministerpräsident: "Tragödie"

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven nannte den Vorfall eine "Tragödie". Gegenüber dem "Aftonbladet" sagte er: "Wir werden unser Bestes geben, um die Sicherheit unserer Mitarbeiter in Flüchtlingsunterkünften zu gewährleisten."

In einer Pressekonferenz sprach der Regierungschef davon, dass es nicht ausreiche, den jungen Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben. Junge Menschen bräuchten Bildung, müssten Sozialdienste leisten. Er glaube auch, dass viele Schweden besorgt seien, dass es zu weiteren, ähnlichen Vorfällen kommen könnte, bei so vielen unbegleiteten Jugendlichen mit traumatischen Erfahrungen, schreibt der Göteborg-Posten.

Die Bürgermeisterin der Stadt Mölndal, Marie Östh Karlsson, betonte, den positiven Umgang mit den Flüchtlingen in der Stadt: "Ich bin stolz, wie unsere Gemeinde mit den vielen Flüchtlingen, die hier angekommen sind, umgegangen ist." Ihrer Ansicht nach helfe es nicht, jetzt voreilige Schlüsse zu ziehen, zitiert die MOPO24 die Rathauschefin.

Nachbarn sind schockiert: "Es ist eine Schande."

Die Stadt Mölndal liegt an der Westküste Südschwedens, nur wenige Kilometer von Göteborg entfernt. Hier leben etwa 38.000 Menschen. Das Flüchtlingsheim liegt in zentralen Teilen der Gemeinde, mit Wohnblocks, Grünanlagen, Schulen und Gesundheitszentren. Die schwedische Zeitung GT Expressen traf einige Bewohner nach der Tat: "Alles ist im Moment so… ja, es ist schrecklich. Hier gab es früher nie so  etwas Chaotisches", sagte eine 66-jährige Seniorin. Ein 67-Jähriger beschreibt die Nachbarschaft als friedlich, er ist schockiert. "Es ist eine Schande", so der Rentner.

Gewaltzunahme durch Flüchtlingsmassen

Schwedens Polizeichef Dan Eliasson sagte am Montag zu TT: "Wir sind gezwungen, auf die vielen Störungen in Asylaufnahmezentren zu reagieren. An einigen Stellen sind bedeutende polizeiliche Ressourcen gebunden. Dies war vor sechs Monaten noch nicht der Fall. Das bedeutet, dass wir nicht in der Lage sind, in anderen Bereichen effektiv reagieren zu können." Dies meldete "Thelocal".

Die Einwanderungsbehörden zählten eine Verdoppelung der gewalttätigen Zwischenfälle in Flüchtlingsheimen. Im Jahr 2014 wurden 148 Vorfälle gemeldet, 2015 waren es schon 322. Auch die Zahl der Angriffe auf Asyleinrichtungen sei gestiegen. Mindestens zwei Dutzend Asylzentren wurden in 2015 abgebrannt oder durch Brand beschädigt.

In Schweden leben 9,8 Millionen Menschen. 2015 nahm Schweden 163.000 Asylbewerber auf und hält damit den Rekord in Europa, was den Anteil an Flüchtlingen pro Kopf ausmacht. Unter diesen Personen befinden sich 35.000 unbegleitete Minderjährige. Aufgrund der Überforderung des Landes wurden im November wieder Grenzkontrollen eingeführt. (sm) 

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