Vergangenheit und Zukunft. Rebecca, 8 J., Schottland sieht sich Fundstücke aus der Eisenzeit an.Foto: Derek Blair/AFP/Getty Images

Artefakte ins Altmetall: Funde aus der Wikinger- und Eisenzeit in Schweden entsorgt

Epoch Times1. September 2017 Aktualisiert: 2. September 2017 15:58
„Zerstörung der Geschichte" - Archäologen wollen nicht länger schweigen. Vor allem bei kleineren Ausgrabungen in Schweden sei es eine ständige Vorgabe von den Verwaltungsräten, dass so wenige Entdeckungen wie möglich gemacht werden sollten.

Mit Hilfe des „Kulturumweltgesetzes“ entscheidet in Schweden ein Verwaltungsrat vor Beginn eines Bauprojekts über archäologische Forschungsarbeiten. Vor allem bei kleineren Ausgrabungen sei es eine ständige Vorgabe von den Verwaltungsräten, dass so wenige Entdeckungen wie möglich gemacht werden sollten.

Das Swenska Dagbladet stellt die Frage nach der Verantwortung der schwedischen Politiker an die, die für das kulturelle Erbe Schwedens verantwortlich sind. Denn diese „Zerstörung der Geschichte findet während ihrer Amtszeit statt“.

So werden historisch und wissenschaftlich bedeutsame Funde in zunehmendem Maße entsorgt, statt bewahrt und erforscht.

Jetzt schreibt Ola Wong im Svenska Dagbladet, der Kosten- und Zeitdruck bei großen Bauprojekten habe „zu einer teilweise ungesunden Kultur geführt“. Die Bauprojekte müssen darauf Rücksicht nehmen, ob sie bei ihren Arbeiten im Tiefbau historische Funde finden. In diesem Fall ruht dann die Arbeit zu Gunsten der Ausgrabungen.

Der schwedische Journalist Wong zeichnet ein Bild von Archäologen, die aus Kostengründen gezwungen worden seien, Amulettringe aus der Eisenzeit sowie Gewichte und Münzen aus der Wikingerzeit zu entsorgen.

In seinem Artikel richtet er sich an die Grüne Partei, die im Kulturministerium eine tragende Rolle spielt. Er fragt: „Wie tragen die Politiker Verantwortung für das schwedische Kulturerbe?“

Entdeckungen werden weggeworfen

Ola Wong schreibt:

Während die Debatte um brennende Bücher in den Medien tobt, werfen schwedische Archäologen Amulettringe und andere alte Entdeckungen weg. Es fühlt sich falsch und traurig an, Tausende von Jahren der Ritualkunst und des Handwerks zu zerstören, und ich bin nicht der Einzige, der sich dabei so fühlt.“

Der Journalist bezieht sich auch auf den Stockholmer Archäologen Johan Runer, der dieses Thema bereits 2016 in der Zeitschrift Popular Archeology benannte. Er versuchte, eine Diskussion anzuregen. Besonders bei archäologischen Studien vor Bau- und Straßenprojekten läge der Fokus darauf, archäologische Funde schnell und kostengünstig zu beseitigen, damit die Bauarbeiten schnell weitergehen könnten.

Eisenzeit-Amulette, Gewichte und Münzen der Wikingerzeit, gehörten zu der Art von Funden, die vorher grundsätzlich aufbewahrt wurden. Doch jetzt erklärt Johan Runer:

Selbst, wenn es um größere Arbeiten geht, werden [Funde] zurückgewiesen und weit mehr als bisher weggeworfen. Was du tust, ist, unsere Geschichte zu verschleudern!“

Vorgabe: So wenige Funde wie möglich machen

Johan Runer arbeitet an dieser Art von Ausgrabungen und will nicht länger dazu schweigen. So wurden bei einer Grabung im tausendjährigen Kulturdorf Molnby in Vallentuna mehrere Amulettringe aus der Eisenzeit „abgeschrieben“.

Denjenigen die an diesen Informationen zweifeln, empfiehlt Wong, das im Archiv des Nationalarchivbüros nachzulesen, wie den Bericht 2016:38.

Lena Holmquist, Archäologin an der Universität von Stockholm, forscht im Schwerpunkt der Wikinger-Ära und betont, gerade die Forschung an Gewichten sei wichtig und noch lange nicht abgeschlossen. Aber bei weggeworfenen Fundstücken sei das fehlende Puzzleteil weg.

Johan Anund, einer der Verantwortlichen an den Staatlichen Historischen Museen hingegen erklärt, die Archäologen hätten zu allen Zeiten Prioritäten setzen müssen, um nicht „in Gegenständen zu ertrinken“. Eine Möglichkeit, die Kosten zu senken sei, die Anzahl der aufzubewahrenden Gegenstände zu reduzieren.

Keramik wird oft aufbewahrt, Münzen nicht

Artefakte an andere Museen weiterzugeben, anstatt sie zu entsorgen scheint den Forschern nicht (mehr) in den Sinn zu kommen. Schon am Ausgrabungsort würde oft eine einzelne Person darüber entscheiden, ob ein Objekt behalten wird, oder eben nicht.

Archäologen würden die Funde nicht verkaufen, weil sie Räuber mit Metalldetektoren nicht ermutigen und keinen Markt für Antiquitäten erschaffen wollten, sagt Runer.

Keramik benötigt keine Konservierung und wird in der Regel aufbewahrt, Metall dagegen müsse nach langer Zeit im Erdreich behandelt werden.

Teil einer politischen Abschaffungskampagne

Doch dies scheint nur ein Teil einer Kampagne um eine politisch-korrekte Geschichtsschreibung zu sein.

So wird das traditionsreiche und älteste Museum, das Königliche Münzkabinett in Stockholm geschlossen und abgerissen. Das Münzkabinett, das um 1570 herum entstand, „hat vor allem durch das noch nicht fertiggestellte Projekt zur Katalogisierung der enormen Funde wikingerzeitlicher Münzen in Schweden internationale Bekanntheit erlangt“, schreibt die muenzenwoche.de.

Auf drei Etagen wurde die Geschichte des Geldes der Welt gezeigt. Es ist bisher nicht bekannt, wo und wie die Bestände von weit über 500.000 Objekten Platz finden sollen. Neben den Ausstellungsräumen müssen auch Tresore abgerissen werden.

„Für diese Entwicklung trägt letztlich das schwedische Kultusministerium die Verantwortung“, so die Münzenwoche und erklärt: „Zumindest in der offiziellen Darstellung sind die steigenden Mieten für die Stockholmer Museen die Ursache dieser folgenschweren Entwicklung … Bei etwas genauerer Betrachtung stellt man natürlich fest, dass die Museumsmieten eh an den Staat zurückfließen und die steigenden Mieten daher nur ein bequemes und politisch wenig gefährliches Argument zur Begründung einer massiven Veränderung (sprich: Dezimierung) der Museumslandschaft ist.

Wiking-Museum mit „kurzweiligen Videos“ neu eröffnet

Am 23. Mai 2017 berichtete die „Süddeutsche“ dafür über ein neu eröffnetes Museum in Stockholm, ein weiteres Wikingermuseum. Dieses will nicht mit Artefakten werben, sondern mit „kurzweiligen Videos“. Doch es hat eine Agenda, die mit dem Mythos der starken Nordmänner aufräumen will. Dieser Mythos sei so entstanden:

Eine Gruppe schwedischer Schriftsteller und Dichter, der Gotische Bund, hat sich auf der Suche nach nationaler Identität zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit den Wikingern beschäftigt und sie dabei kräftig romantisiert.“

Demnach seien die Wikinger zwar Seefahrer und Plünderer gewesen, aber auch Handwerker, Siedler und Händler. Sie waren reinlich und ihre Frauen ziemlich emanzipiert. Die „Süddeutsche“ schreibt: „Am Ende ist das Ganze eher ein Abenteuer mit ein wenig Aufklärung.“ (aw)

Siehe auch:

Schweden: Bibliothek verbrannte Pippi Langstrumpf-Bücher aus ideologischen Gründen

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