Calais nach „Dschungel“-Räumung: Wohin gehen die Migranten? Hier die Optionen

Epoch Times24. Oktober 2016 Aktualisiert: 24. Oktober 2016 15:26
Die meisten der Bewohner sollen nach dem Willen der Regierung in Aufnahmezentren in ganz Frankreich verteilt werden. Einige wenige können hoffen, auf legalem Weg zu ihrem Zielort Großbritannien zu gelangen.

+++ 11: 40 Innenminister: Räumung von „Dschungel“ läuft bislang ruhig und geordnet +++

Die französische Regierung hat sich zufrieden über den Beginn der Räumung des Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais gezeigt. Innenminister Bernard Cazeneuve sprach am Montag in Paris von einer „ruhigen und geordneten Operation“. Er hoffe, dass so die gesamte Räumung des sogenannten Dschungels verlaufen werde.

Hilfsorganisationen warnten aber, die Lage könne sich bald ändern: Rund 2000 Flüchtlinge wollten die Region nicht verlassen, weil sie heimlich nach Großbritannien gelangen wollten, sagte der Leiter der Organisation L’Auberge des Migrants (Herberge der Flüchtlinge), Christian Salomé.

Derzeit laufe alles gut, weil jene Flüchtlinge zu den Bussen kämen, die „ungeduldig darauf gewartet haben, wegzugehen“. Er mache sich aber Sorgen über die folgenden Tage. „Dann sind nur noch die Leute hier, die nicht weg und weiterhin nach Großbritannien gelangen wollen.“ (afp)

+++ 11:20 Nach London oder in die französische Provinz +++

Seit Montag wird das als „Dschungel“ bekannte Flüchtlingslager von Calais geräumt. Die meisten der Bewohner sollen nach dem Willen der Regierung in Aufnahmezentren in ganz Frankreich verteilt werden. Einige wenige können hoffen, auf legalem Weg zu ihrem Zielort Großbritannien zu gelangen.

Umsiedlung

Die französische Regierung will die meisten Bewohner des Lagers in 451 Aufnahmezentren im ganzen Land umsiedeln. Die Flüchtlinge können eine Präferenz äußern, in welche Region sie mit den bereitgestellten Bussen gebracht werden wollen. 6000 bis 8000 Flüchtlinge sollen so im ganzen Land verteilt werden, von Montag bis Mittwoch werden 145 Busse rollen.

Aufnahme in Großbritannien

Zuletzt sollen sich im „Dschungel“ rund 1300 unbegleitete minderjährige Flüchtlingen aufgehalten haben. Rund 40 Prozent von ihnen geben an, in Großbritannien Familienangehörige zu haben. Sie können darauf hoffen, im Zuge des Familiennachzugs dort aufgenommen zu werden, ihre Fälle werden geprüft. London ist auch bereit, als besonders „verletzlich“ angesehene minderjährige Flüchtlinge ohne Verwandte in Großbritannien aufzunehmen. In der Regel betrifft das junge Mädchen. Im Verlauf der vergangenen Woche wurden knapp 200 Minderjährige aus Calais in Großbritannien aufgenommen.

Rückführung

Nach inoffiziellen Schätzungen der französischen Behörden sind 65 bis 75 Prozent der Bewohner des „Dschungels“ bei der Einreise in die EU bereits in einem anderen Land registriert worden, die meisten von ihnen in Italien. Nach dem Abkommen von Dublin müssten sie eigentlich in dieses Land zurückgeführt werden. Die französischen Behörden wollen aber offenbar ein Auge zudrücken und die Menschen auffordern, in Frankreich Asyl zu beantragen.

Abschiebung

Wer sich weigert, bei der Schließung des Lagers zu kooperieren, dem droht nach Einschätzung von Hilfsorganisationen die Abschiebung in sein Heimatland. Das gilt etwa für Flüchtlinge, die nicht in die bereitgestellten Busse steigen wollen. Oder für solche Flüchtlinge, deren Asylantrag in Frankreich bereits abgelehnt wurde.

Abtauchen

Eine Reihe von Menschen haben den „Dschungel“ von Calais bereits verlassen, als die ersten Berichte über die Schließung bekannt wurden. Wie hoch ihre Zahl ist, weiß niemand. Sie dürften weiterhin versuchen, sich von Nordfrankreich aus nach Großbritannien durchzuschlagen. Schätzungen zufolge wollen rund 2000 Flüchtlinge die Region um Calais nicht verlassen. (afp)

+++ 9:30 Der erste Bus mit Flüchtlingen fuhr dann gegen 8.40 Uhr ab +++

Die Räumung des als „Dschungel“ bekannten Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais hat begonnen: Um Punkt 8.00 Uhr öffneten am Montagmorgen die Tore eines nahe des Lagers eingerichteten Versammlungspunktes für die Flüchtlinge, wie eine AFP-Journalistin berichtete. Von dort aus sollen in den kommenden Tagen zwischen 6000 und 8000 Flüchtlinge mit Bussen in Aufnahmezentren im ganzen Land gebracht werden – der „Dschungel“ soll dann verschwinden.

Bereits am frühen Morgen versammelten sich zahlreiche Flüchtlinge vor den Toren des Transitzentrums, einer Art improvisiertem Busbahnhof. „Es ist besser, jetzt zwei Stunden zu warten als dann zwei Tage“, sagte ein sudanesischer Flüchtling. Ein anderer Flüchtling sagte, er sei schon um 4.00 Uhr morgens angekommen.

Der erste Bus mit Flüchtlingen fuhr dann gegen 8.40 Uhr ab. Insgesamt 60 Busse sollen am Montag abfahren und zwischen 2000 und 2500 Flüchtlinge in Unterkünfte im ganzen Land bringen. In den kommenden Tagen werden dutzende weitere Busse starten. Schon am Dienstag wollen die Behörden damit beginnen, Zelte und Hütten abzureißen, in denen die Flüchtlinge bislang wohnten.

Die Räumung des Flüchtlingslagers wurde intensiv vorbereitet. Allerdings wollen viele Flüchtlinge den „Dschungel“ nicht verlassen: Sie hoffen, von Calais aus heimlich nach Großbritannien zu gelangen. „Sie müssen uns zwingen zu gehen“, sagte ein afghanischer Flüchtling am Sonntag. „Wir wollen nach Großbritannien.“

Die Regierung droht Flüchtlingen, die das Lager nicht verlassen, mit einer Festnahme. Es gibt auch Sorgen vor Ausschreitungen. In den vergangenen Nächten hatten sich immer wieder Flüchtlinge Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die Flüchtlinge warfen Steine auf die Beamten, diese setzten Tränengas ein. Rund 1250 Polizisten werden die Räumung des Lagers deswegen absichern. (afp)

+++ 6:40: Erste Bewohner finden sich an Versammlungspunkt ein +++

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN

Kurz vor Beginn der Räumung des Flüchtlingslagers im französischen Calais haben sich die ersten Flüchtlinge zur Abreise eingefunden: Vor dem von den Behörden eingerichteten Versammlungspunkt in dem „Dschungel“ genannten Lager warteten am frühen Montagmorgen rund 60 Flüchtlinge auf Einlass, wie eine AFP-Journalistin berichtete. Viele trugen Koffer und Kleiderbündel bei sich. Von dem Versammlungspunkt aus sollen die Flüchtlinge in Aufnahmezentren in anderen Teilen Frankreichs gebracht werden.

Manche Bewohner lehnen es allerdings ab, das Lager in der Nähe des Ärmelkanals zu verlassen. Sie fürchten, dass sie dann keine Chance mehr auf die gewünschte Weiterreise nach Großbritannien haben. In der Nacht hatte es erneut gewaltsame Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und der Polizei gegeben. Polizisten feuerten Tränengasgranaten an einer Umgehungsstraße des Hafens und im Lager ab, wo sie dutzenden Steine werfenden Flüchtlingen gegenüber standen.

Die französischen Behörden wollten das Lager schon seit geraumer Zeit auflösen. Hilfsorganisationen versuchten dies mit juristischen Mitteln zu verhindern, doch ein Verwaltungsgericht gab am Dienstag grünes Licht für die Räumung. Betroffen sind Schätzungen zufolge 6000 bis 8000 Bewohner. Fast 200 minderjährige Flüchtlinge wurden vor der Räumung nach Großbritannien gebracht. (afp)