Studenten in Rom.Foto: VINCENZO PINTO/AFP via Getty Images

Corona-Ferien und Quarantäne-Dörfer: Italiens Familien und Krankenhäuser an der Belastungsgrenze

Von 7. März 2020 Aktualisiert: 11. März 2020 12:53
Manche Schüler dürften die in Italien derzeit ausgerufenen „Corona-Ferien“ begrüßen. Ihre Eltern stehen angesichts der Ausbreitung des Virus jedoch in ähnlicher Weise knapp an ihrer Belastungsgrenze wie die Krankenhäuser der betroffenen Gebiete.

Vorerst bis zum 15. März bleiben infolge der Ausbreitung des Coronavirus in Italien die Schulen und Universitäten geschlossen. Gesundheitsminister Roberto Speranza erklärte die Maßnahme für unabdingbar, um ein weiteres Übergreifen des Virus zu verhindern. Ob die Corona-Ferien danach eine weitere Verlängerung erfahren, ist noch ungewiss, aber durchaus denkbar: Um den gewünschten Effekt zu erzielen, so zitiert die „Welt“ Gesundheitsexperten, sei gar „eine Schließung von zwei Monaten notwendig“.

Was bei manchen betroffenen Schulkinder kaum größeres Bedauern auslösen dürfte, stellt jetzt schon ihre Familien vor erhebliche organisatorische Probleme. Wo Großeltern vorhanden sind, könnten zwar immerhin sie den berufstätigen Eltern Betreuungsarbeit abnehmen. Auch diese Variante ist jedoch nicht risikoarm: Das Risiko, dass eine Infektion mit dem Coronavirus tödlich verläuft, ist vor allem bei älteren Menschen mit angegriffenem Immunsystem überdurchschnittlich hoch. Deshalb sieht auch Italiens Familienministerin Elena Bonetti diesen Lösungsansatz kritisch.

Probleme bei Kinderbetreuung während der Corona-Ferien

Sie will sich stattdessen dafür einsetzen, dass Eltern finanzielle Unterstützung bei der Bezahlung von Babysittern erfahren. Außerdem soll es leichter möglich werden, Sonderurlaub zu nehmen. Dieser wird im Regelfall jedoch unbezahlt sein – etwas anderes wäre den Unternehmen, die ihrerseits mit Auftragsengpässen infolge des Coronavirus zu kämpfen haben, auch kaum zumutbar.

In der in Norditalien befindlichen roten Zone, in der die am stärksten von Infektionen und Verdachtsfällen betroffenen elf Gemeinden wie Codogno oder San Fiorano angesiedelt sind, gilt die vollständige Quarantäne.

Seit dem 24. Februar gelten auch Restriktionen für die Bewohner der gelben Zone, die an diese Gemeinden angrenzt. Dort sind nicht nur seit zwei Wochen die Schulen geschlossen, es finden auch keine Messen statt, Fußballspiele werden vor leeren Rängen ausgetragen und auch kulturelle Stätten sind geschlossen. Menschen sind dazu angehalten, selbst gegenüber Verwandten, die zu Besuch kommen, Mundschutz zu tragen und einen Sicherheitsabstand einzuhalten.

Bisher ein Zehntel der Infizierten geheilt

Derzeit ist in Italien bei 4636 Personen eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen. Hauptsächlich betroffen sind die Provinz Bozen (Südtirol), die Region Emilia-Romagna, die Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua. Am Mittwochabend (4.3.) waren es landesweit erst 2706 Patienten, von denen immerhin etwa ein Zehntel wieder als geheilt galt. Verstorben waren demgegenüber 107 Infizierte.

Zehn der derzeitigen elf Quarantäne-Kommunen befinden sich in der Lombardei, zuletzt sollen von 1497 positiv getesteten Personen, von denen sich 1096 in Behandlung befinden, 209 in der Intensivstation sein. Die meisten der betroffenen Patienten, vor allem die schweren Fälle, befinden sich dabei im Krankenhaus der Stadt Lodi. Auch in Codogno befindet sich ein Krankenhaus, in dem Corona-Infizierte behandelt werden. Die Kliniken seien auf eine Eskalation dieser Art aber nicht vorbereitet.

In Lodi sei die Intensivstation von den regulär vorhandenen sieben Betten auf 17 erweitert worden. Das Problem dabei sei, wie die „Welt“ von Mitarbeitern erfuhr, dass Infizierte, die intensivmedizinischer Behandlung bedürfen, mindestens zwei bis drei Wochen auf der Intensivstation verharren müssten.

Landesweite Ausbreitung könnte zum Zusammenbruch führen

Da es auch personelle Engpässe gäbe, müssten zahlreiche Angehörige des medizinischen Personals Überstunden machen oder sogar rund um die Uhr im Dienst bleiben. „Einige Ärzte aus den privaten Krankenhäusern in der Umgebung unterstützen die Ärzte in Lodi, indem sie freiwillig und unbezahlt aushelfen“, heißt es vonseiten eines Mitarbeiters, „ansonsten wäre die Situation noch schwieriger.“ Im äußersten Fall müssten Militärärzte angefordert werden.

Es wäre, so der Mitarbeiter weiter, „nicht auszudenken, was passieren würde, wenn das ganze Land gleichzeitig in dieser Situation wäre“.


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