Denkzettel zur Europawahl? Macron-Partei fällt in Umfrage hinter Le Pen zurück

Von 6. November 2018 Aktualisiert: 6. November 2018 17:26
In Frankreich befinden sich Präsident Emmanuel Macron und seine Bewegung „En Marche“ zurzeit in einem hartnäckigen Popularitätstief. Auch die bürgerlich-konservativen Republikaner und der Linkspopulist Mélenchon können davon nicht profitieren. EU-kritische rechte Parteien hingegen bleiben im Aufwind, allen voran der Rassemblement National.

Hält der aktuelle Meinungstrend in der Bevölkerung Frankreichs an, könnte der Bewegung „En Marche“ des Staatspräsidenten Emmanuel Macron im Mai des kommenden Jahres eine Denkzettelwahl ins Haus stehen. Eine Ifop-Umfrage, über die Reuters berichtet, hat ergeben, dass En Marche, wären am nächsten Sonntag Wahlen, nur noch auf 19 Prozent der Stimmen kommen würde, ein Minus von einem Prozent gegenüber der vorangegangenen Umfrage.

Damit fiele die Macron-Bewegung hinter den rechtsgerichteten Rassemblement National, den früheren Front National, zurück. Die Partei von Marine Le Pen konnte gegenüber August von 17 auf 21 Prozent in der Wählergunst zulegen.

Neben dem Rassemblement National wollen noch mehrere weitere Parteien der Rechten zu den Europawahlen kandidieren. Die nationalkonservative Vereinigung „Debout la France“ von Nicolas Dupont-Aignan käme auf sieben Prozent der Stimmen, auf jeweils ein Prozent kämen zwei weitere Listen, die für einen Ausstieg Frankreichs aus der Eurozone eintreten.

Als Hoffnungsträger gegen Trump und Putin gestartet

Auch die Beliebtheitswerte des Präsidenten selbst sind in den Keller gesunken. YouGov zufolge seien nur noch 21 Prozent der Befragten mit der Leistung Macrons zufrieden. Seit seiner Wahl zum Staatsoberhaupt im Mai des Vorjahres ist das der niedrigste Wert, der für ihn festgestellt wurde.

Mit großen Vorschusslorbeeren war Macron im Vorjahr angetreten. Der Kurzzeit-Wirtschaftsminister unter François Hollande genoss einen breiten medialen Rückhalt und galt als linksliberaler, proeuropäischer Hoffnungsträger, nachdem die einst mächtigen Sozialisten in allen Wahlumfragen unter die Räder gekommen waren.

Mit Marine Le Pen und dem Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon drohten im Vorfeld des Urnenganges zwei Kandidaten in die Stichwahl zu kommen, die als EU-Kritiker gelten. Der konservative Kandidat François Fillon, der lange Zeit als Favorit im Präsidentschaftsrennen gegolten hatte, wurde im Establishment wiederum als vermeintlicher „Putinversteher“ beargwöhnt und von Skandalen rund um angeblich veruntreute Steuergelder eingeholt.

Macron, der seine eigene Bewegung „En Marche“ aus der Taufe hob und sich als „Anti-Establishment-Kandidat“ inszenierte, traf den Nerv in einer Zeit, in der die europäischen Eliten immer noch unter dem Schock des Brexit und der Trump-Wahl in den USA standen. Angeblich aus Russland kommende Hackerangriffe verliehen ihm vor der Wahl einen „Märtyrerbonus“.

Nach wenigen Monaten folgte die Ernüchterung

Am Ende kam Macron in die Stichwahl mit Marine Le Pen. Auf der Basis des „republikanischen Konsenses“ – der funktionell dem Narrativ von den „demokratischen Parteien“ in Deutschland entspricht – gaben alle anderen etablierten Kräfte eine Wahlempfehlung für ihn ab. Mit 66 Prozent konnte Macron die Stichwahl klar für sich entscheiden. Seine Wahl galt als Zeichen des Aufbäumens eines selbstbewussten Europas gegen den neuen US-Präsidenten und gegen die „russische Bedrohung“.

Nach dem Abklingen der ersten Euphorie stieg jedoch die Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung über den Führungsstil und die technokratischen Entscheidungen des neu gewählten Präsidenten. Auch seine weitreichenden Pläne zur EU-Reform, die selbst in Deutschland auf Skepsis stießen, treffen nicht den Nerv der Nation.

In dieser Situation scheint Marine Le Pen, nachdem ihre Partei über Monate hinweg durch Führungsstreitigkeiten gelähmt war, ihre Anziehungskraft für Protestwähler wiedererlangt zu haben. Anders als Mélenchon: Dessen Partei „Insoumise“ käme der aktuellen Umfrage zufolge nur noch auf elf Prozent und läge deutlich unter dem Ergebnis ihres Präsidentschaftskandidaten.

Auch die konservativen Republikaner befinden sich in der Krise: Obwohl ihr Parteichef Laurent Wauquiez zuletzt mit deutlichen Ansagen im Bereich der Einwanderungspolitik auf den Plan getreten war, kommen sie derzeit über 13 Prozent nicht hinaus.

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