Drohende Eskalation in Bosnien: Lage in Bihać spitzt sich wegen Zustrom illegaler Migranten drastisch zu

Epoch Times23. Oktober 2019 Aktualisiert: 23. Oktober 2019 16:47
Die Stadt Bihac in Bosnien-Herzegowina sieht sich durch eine steigende Zahl von Migranten restlos überfordert. Der Bürgermeister der Stadt will die Situation eskalieren lassen.

Die Kleinstadt Bihac an der Grenze zu Kroatien sieht sich durch die steigende Zahl von Migranten überfordert. Viele der illegalen Einwanderer hausen in improvisierten Camps oder im Freien.

Das Lager Vucjak liegt zehn Kilometer entfernt von der nordwestbosnischen Stadt Bihac. Wie die „Aargauer-Zeitung“ berichtet, leben die Migranten dort in provisorischen Zelten und liegen oftmals auf nacktem Erdboden. Waschräume und Toiletten seien verdreckt.

Migrantenlager auf ehemaliger Mülldeponie errichtet

Die 50.000-Einwohner-Stadt Bihac, die den Zustrom von Migranten kaum mehr zu bewältigen vermag, errichtete das Lager Vucjak auf einer ehemaligen Mülldeponie. Das Gebiet befindet sich unmittelbar an der Grenze zu Kroatien. Dort versuchen die Menschen ohne Papiere über die „grüne“ Grenze zu gelangen. Rund 7000 von ihnen halten sich, der Zeitung zufolge, derzeit in Bihac und im umliegenden Kanton Una-Sana auf. Im Juni nahmen die überfüllten Lager der internationalen Hilfsorganisationen keinen mehr auf. Die Migranten schliefen auf der Straße.

In Vucjak leben demnach aktuell rund 700 Menschen, die gegen ihren Willen von der bosnischen Polizei dorthin gebracht worden seien. Die internationalen Organisationen und NGOs kritisieren das improvisierte Lager.

Sarajevo kümmert sich nicht um das Problem

Unterdessen versorgt das Rote Kreuz von Bihac die Migranten medizinisch und mit Essen. „Unsere Mittel sind begrenzt“, erläutert Rot-Kreuz-Chef Selam Midzic. „Die gesamte Migrationskrise (in Bosnien) wird auf Bihac und den Kanton Una-Sana abgeladen.“ Die Zentralregierung in Sarajevo kümmere sich nicht um das Problem. Die Stadt und der Kanton blieben sich selbst überlassen.

Kranke Menschen würden dort unter „unhygienischen Verhältnissen“ behandelt, sagt ein deutscher Aktivist, der als freiwilliger Helfer in einem Ambulanzzelt arbeitet. Es grassierte die Krätze – einige hätten Planert. Zudem würden viele Migranten Verletzungen haben, die sie sich beim illegalen Grenzübertritt eingehandelt hätten. Kroatische Polizisten würden die Migranten „misshandeln“ und dann nach Bosnien zurückschicken.

„Das läuft immer nach demselben Schema ab: Die Ertappten müssen sich aufreihen, die Polizisten nehmen ihnen Geld, Schuhe und Handys weg – oder zerstören die Handys -, verprügeln sie und treiben sie zurück über die Grenze“, so der Aktivist. Hauptsächliche Verletzungen seien Blutergüsse von Schlägen und Tritten, gelegentlich komme es auch zu Knochenbrüchen.

Kroatische Präsidentin: Polizei muss „ein wenig Gewalt“ anwenden

Kroatien bestreitet die Vorwürfe. Die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic sagte jüngst in einem Interview, die Polizei müsse gegenüber illegalen Migranten manchmal „ein wenig Gewalt“ anwenden. Die beanstandeten Verletzungen würden aber vom dornigen Gebüsch in dem unwegsamen Terrain stammen, das die Migranten durchqueren.

Den schwierigen Gang über die Berge ins EU-Nachbarland Kroatien würden die Migranten „The Game“ – Das Spiel nennen, so die Zeitung weiter. Entweder du schaffst es bis Österreich, Deutschland oder Italien und kommst ins Asylverfahren, oder du scheiterst, bekommst Prügel und musst zurück zum Start.

Zahl der Migranten steigt

In den letzten Wochen stieg die Zahl der Migranten, die aus der Türkei in Booten über die Ägäis nach Griechenland kamen. 9334 Ankünfte registrierte man dort im August, mehr als doppelt so viele wie im August des Vorjahres. Im Oktober wird fast täglich von mehreren hundert Überfahrten berichtet. Griechenland ist Ausgangspunkt der sogenannten Balkanroute. Diese galt als weitgehend geschlossen, seitdem Ungarn im Herbst 2015 an seinen Südgrenzen zu Serbien und Kroatien Zäune und Sperren errichtete.

Die Hauptschiene der Balkanroute hat sich deshalb mehr nach Westen verlagert, sie verläuft nun über Serbien, Bosnien, Kroatien und Slowenien. Bis Bosnien kommen die Migranten mithilfe von Schleppern einigermaßen zügig voran. In Bihac wird es dann schwieriger, doch irgendwann kommt fast jeder durch. Seit 2015 hat Bosnien 42.000 Ankünfte registriert. Im Land halten sich aber derzeit gerade mal 8000 Migranten auf.

Der Druck auf Bihac wird wegen der steigenden Zahl der Ägäis-Überquerer weiter steigen.

Bürgermeister von Bihac will Lage eskalieren lassen

Unterdessen warnte Suhret Fazlic, der Bürgermeister von Bihac, vergangene Woche auf einer Pressekonferenz in Sarajevo die Lage eskalieren zu lassen, berichtet RT. Ab Montag gebe es kein Wasser und auch kein Essen mehr für die Migranten.

Wir lassen die Lage eskalieren, um Sarajevo endlich zum Handeln zu zwingen“, sagte er.

Fazlic beklagte, dass Bihac mit der finanziellen Situation allein gelassen werde. Sollte die Regierung weiterhin nicht reagieren und sich nicht um die Lage kümmern würde es tägliche Demonstrationen vor dem bosnischen Parlament in Sarajevo geben, so Fazlić. Die komplette Flüchtlingskrise in Bosnien fände praktisch nur in seiner Stadt und Umgebung statt. (so)

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