Eskalation in Frankreich: Hunderttausende protestieren gegen Regierung – Polizei setzt Tränengas ein

Epoch Times29. April 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 2:40
Hunderttausende Franzosen haben am Donnerstag erneut gegen die Regierung protestiert. Dabei kam es in mehreren französischen Städten zu schweren Ausschreitungen. Demonstranten und Polizisten wurden verletzt.

Die Lage in Frankreich ist gekippt: Hunderttausende Menschen gingen am Donnerstag auf die Straßen um gegen die von Staatschef Francois Hollande vorangetriebene Reform des Arbeitsrechts zu demonstrieren. Dabei kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Protestteilnehmern und der Polizei.

Behörden zufolge waren es landesweit 170.000 Protestteilnehmer, die Gewerkschaften sprachen von 600.000. Demnach gingen allein in Paris 60.000 Menschen auf die Straße. Insgesamt habe es im ganzen Land mehr als 200 Demonstrationen gegeben.

Vielerorts setzte die Polizei Tränengas und Schlagstöcke ein, um nach eigenen Angaben vermummte Jugendliche zurückzudrängen. Mehr als hundert Menschen wurden nach Angaben des Innenministeriums festgenommen, 24 Polizisten verletzt. Dies berichten die "Deutschen Wirtschafts Nachrichten" unter Berufung auf die französische Nachrichtenagentur AFP. 

Schon seit Wochen ist die Lage in Frankreich extrem angespannt. Bei den Protesten am Donnerstag kam es unter anderem in Paris zu gewalttätigen Ausschreitungen. Laut AFP wurden drei Polizisten schwer verletzt. Auch in Marseille und in den Universitätsstädten Nantes und Rennes kam es zu bürgerkriegsähnlichen Szenarien. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Schlagstöcke ein und Dutzende Menschen wurden festgenommen. Die Gewerkschaften warfen der Polizei vor, auch mit Gummigeschossen in die Menge geschossen zu haben.

Der Frust bei der Jugend in Frankreich ist groß. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 25 Prozent, Tendenz steigend.

Bei den gestrigen Protesten blockierten Schüler landesweit mehrere Gymnasien, Streiks führten zu kleineren Behinderungen im Zug- und Flugverkehr. Auch in Druckereien wurde gestreikt, weshalb an den Kiosken viele Zeitungen fehlten, zitiert DWN den AFP-Bericht. 

Hollandes Reformpläne stehen unter heftiger Kritik. Schon seit Ende März demonstrieren Hunderttausende Bürger gegen dieses Gesetz. Die Franzosen befürchten mit der Arbeitsmarktreform, in der unter anderem die 35-Stunden-Woche gelockert und die Regeln für betriebsbedingte Kündigungen vereinfacht werden sollen, den Verlust sozialer Errungenschaften. Der französische Präsident hingegen verspricht sich davon mehr Arbeitsplätze. 

Die Gewerkschaften ließ bereits verkünden, dass die Proteste nicht nachlassen werden. Durch den Einsatz verschiedener Organisationen musste die Regierung auch schon einige Punkte des Gesetzestextes abändern. Am 3. Mai soll sich die französische Nationalversammlung mit dem Reformvorhaben befassen. Davor wird es am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, wieder zu Protestaktionen kommen. Dies wurde von seiten der Gewerkschaften bereits angekündigt.

Im Zuge der Demonstrationen gegen die Arbeitsrechtsreform ist auch die Protestbewegung "Nuit debout" entstanden. Die Anhänger der Bewegung versammeln sich seit dem 31. März jeden Abend auf dem Place de la République um gegen die soziale Ungerechtigkeit im Land zu protestieren. (so) 

Siehe auch: 

Dauer-Demonstrationen in Frankreich: Franzosen befürchten "soziale Explosion"

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