eCall im Auto: Back to the future – die totale Überwachung

Von 29. April 2015 Aktualisiert: 29. April 2015 10:31

Ab 2018 wird das automatische Notrufsystem eCall in allen neuen Pkw-Modellen in der EU zur Pflicht. Das EU-Parlament stimmte am Dienstag, 28. April, abschließend für das neue System, mit dem nach Schätzungen der EU-Kommission die Zahl der Unfalltoten um zehn Prozent verringert werden könnte.

Bei einem Unfall soll eCall automatisch den einheitlichen europäischen 112-Notruf auslösen. So sollen Helfer schneller zum Unfallort geführt werden – auch wenn der Fahrer bewusstlos ist. Nach Schätzungen der EU-Kommission gab es 2014 mehr als 25 000 Tote bei Verkehrsunfällen. Zehn Prozent wären dann 2.500 Personen in der gesamten EU

Auf ikNews veröffentlichte Jens Blecker folgenden Kommentar dazu:

Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie sich die Prognosen und Vermutungen der Vergangenheit in die Realität verwandeln. Am 1. Februar letzten Jahres schrieb ich auf IKN einen Artikel zum geplanten eCall-System der EU und nun ist es beschlossene Sache. Ein weiteres Mal wird der Datenschutz mit Füssen getreten und ein Konjunkturprogramm zu Lasten der Bürger durchgeführt, mit möglicherweise unkalkulierbaren Folgen für den Fortschritt des Überwachungsstaates. Brüssel ist ein Monster, welches sich von der Demokratie ernährt.

Man möchte dem gemeinen Bürger die Frage stellen, ob er es in seinem Sessel denn bequem hat, sein Bier kalt genug ist und das Fernsehprogramm ausreichend Ablenkung schafft um ein “wenig abschalten” zu können. Betrachtet man die momentane Lethargie, kann man diese Frage allerdings bereits beantworten. “Machen Sie sich nur keine Gedanken um Ihre Freiheit und Demokratie, das übernehmen wir schon für Sie”, könnte es aus den Lautsprechern der Volksempfänger lauten.

Mit inhaltslosen Versprechen wird den Menschen ein weiteres Mal eingetrichtert, dass auch dieses Überwachungsmoloch nur zu ihrem Besten wäre. Die gewonnenen Daten würden keinesfalls ausgewertet oder benutzt werden, so das Credo aus Brüssel. Spätestens nach Snowden müsste jeder nur noch überlegen, ob er weinen oder lachen soll, ob dieser gruseligen Lügen.

Im Februar letzten Jahres schrieb ich zu dem Thema:

Die Menschen in der EU sitzen zunehmend in einem Glashaus. Alle Bereiche des Lebens werden mehr und mehr “transparent”, um nicht zu sagen “gläsern”. Ab 2015 wird das System eCall verpflichtend in alle neuen PKW eingebaut, Ortung und Kommunikationskanal inklusive. Die geplante Möglichkeit einer manuellen Deaktivierung wurde auf den letzten Metern fallen gelassen.
[…]
Neben Bewegungsprofilen wäre auch hier – wie bei jedem anderen Mobiltelefon – eine Aktivierung des Mikrofons möglich, ohne dass die Personen im Fahrzeug davon etwas mitbekommen. Wenn dann die PKW-Maut endlich durch ist, ließe sich auch gleich ein Pay-per drive Tarif darauf aufbauen.

Ein Gutes hat es für all diejenigen, welche kein Problem damit haben, sich in jeder Lebenslage überwachen zu lassen, die Telematik wird vermutlich sehr schnell weitere kostenpflichtige “Gadgets” entwickeln, um das Leben mit noch mehr unsinnigen Dingen vollzustopfen. [1]

An dieser Stelle könnte man sagen, abermals von der Realität in rasantem Tempo überholt. Bei Heise heißt es zum Thema:

Wir wollen klar machen, dass es keine kontinuierliche Beobachtung mit diesem System gibt”, sagte die parlamentarische Berichterstatterin, Olga Sehnalová (Sozialdemokraten). Ein Antrag der Liberalen, wonach Nutzer das System „leicht von Hand deaktivieren können” sollten, fand im Plenum aber keine Mehrheit. [2]

Ein Zitat aus dem aktuellen Wikipediaeintrag:

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass Fahrzeughersteller die verpflichtend vorhandene Technik auch für kommerzielle Zusatzdienste nutzen werden, die möglicherweise zusätzliche Datenschutzprobleme erzeugen (beispielsweise „Pay-As-You-Drive“-Versicherungsverträge, Mauterfassung).

In den Zusatzdiensten liegt die eigentliche Gefahr für die informationelle Selbstbestimmung, denn die strengen Datenschutzbestimmungen der Verordnung gelten ausschließlich für den eCall-Notruf in seiner Basisfunktion, die Zusatzdienste werden hiervon nicht erfasst. Insbesondere die privaten eCall-Systeme sind vor diesem Hintergrund bedenklich. Eingebettet in die modernen Bordsysteme ist bei entsprechender Gestaltung praktisch die gesamte automobile Wertschöpfungskette in der Lage, unbegrenzt Daten über das Fahrzeug und das Fahrverhalten zu gewinnen.

Der europaweite Versichererverband Insurance Europe hat offiziell Interesse daran geäußert, dass Versicherungsunternehmen Zugriff auf eCall-Daten ihrer Kunden erhalten, was theoretisch der Erstellung spezifischer Risikoprofile dienen könnte. Aufgrund der Intransparenz der eCall-Technologie (das Ausmaß der Datenaufzeichnung wird seitens der Hersteller nicht publik gemacht) sehen Experten die Freiheit des Autofahrers gefährdet. [3]

Zum Vergleich der alte Beitrag, als ich meinen letzten Artikel machte –>http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=ECall&oldid=127245504 Es wirkt fast, als hätte man meine damaligen Bedenken eins zu eins übernommen.

Ähnlich wie bei Apple oder Android, werden unzählige überflüssige Gadgets den neuen Markt erobern. Der Mensch und seine Privatsphäre werden zu einer Ware und die Folgen sind nicht absehbar. Wozu soll man Menschen noch einen Chip implantieren, wenn die sich selbst verwanzen und verwanzen lassen ohne den geringsten Widerstand? Es ist alles einfach nur noch absurd.

Carpe diem

[1] http://www.iknews.de/2014/02/01/ecall-der-schnueffler-als-beifahrer/
[2] http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Parlament-beschliesst-Auto-Notruf-eCall-2626174.html
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/ECall

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