FlixbusFoto: über dts Nachrichtenagentur

Flucht mit Flixbus: Die Reise des Berlin-Attentäters über Amsterdam weit nach Frankreich hinein und mit dem Zug nach Italien

Von 27. Dezember 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2020 18:48
Für rund vier Tage war Anis Amri der meistgesuchte Terrorist Europas. Dennoch konnte der 24-jährige IS-Killer rund 2.000 Kilometer durch Europa reisen, vom Tatort Berlin über Zentralfrankreich bis nach Mailand, Italien, wo ihn die Polizei erschoss. Ein Protokoll seiner Flucht.

+++Update+++Nach neuesten Meldungen fuhr der Berlin-Attentäter Anis Amri mit dem Flixbus von Amsterdam über Umsteigen in Paris nach Lyon Part-Dieu. Während der 15-Stunden-Fahrt sei Amri weder kontrolliert noch durchsucht worden, berichtet der französische TV-Sender „TF1“. Zudem hätten sich laut der italienischen „La Repubblica“ niederländische Sim-Karten in Amris Rucksack befunden, welche aus einem Bestand an Sim-Karten stammte, der in den niederländischen Städten Zwolle, Breda und Nimwegen von Dienstag, 20. bis Donnerstag, 22. Dezember in Kaufhäusern verteilt wurden, berichtet die „Welt“.

Offenbar traf der Tunesier einen rumänischen LKW-Fahrer rund 360 Kilometer westlich von Lyon an einer Autobahntankstelle und sprach ihn an. Amri sei auf ihn zugekommen und habe nach der Autobahn nach Lyon gefragt.

Er kam zielbewusst zu meiner Tür, sah sehr sauber und frisch rasiert aus und trug einen weißen Wollpullover.“

(rumänischer LKW-Fahrer)

Dem 37-jährigen LKW-Fahrer kam der Mann nicht wie ein Terrorist vor, eher wie ein Tourist. Erst als er das Fahndungsfoto in den Medien sah, sei er schockiert gewesen, so „OE24“.

Er sah nordafrikanisch aus. Er sah aus wie ein Tourist, aber nie wie ein Terrorist oder wie jemand auf der Flucht. Irgendwer in Frankreich muss ihm geholfen haben, damit er so gut gekleidet aussah.“

(rumänischer LKW-Fahrer)

Der Mann habe letzten Mittwoch die Polizei in Frankreich und Deutschland über das Treffen informiert. Doch bis er die richtigen Behörden erreicht habe, sei der Mann längst wieder verschwunden gewesen. In der Nacht auf Freitag wurde Amri dann in Mailand von der Polizei erschossen.

Amris Flucht nach Sesto San Giovanni

Hier die Etappen seiner unglaublichen Flucht und einer damit verbundenen Pannenserie der Behörden.

  • Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am Montagabend, dem 19. Dezember 2016, versteckt sich der Tunesier Anis Amri die Nacht über noch in Berlin. Wo, bei wem, ist unbekannt.
  • Vermutlich reiste der IS-Killer am Dienstag nach Amsterdam und dort per Flixbus über Paris nach Lyon, unkontrolliert. Hier wurde er offenbar weit im Landesinneren im südwestlichen Frankreich zwischen Brive-la-Gaillarde und Limoges von einem rumänischen LKW-Fahrer gesehen, als er sich an einer Autobahntankstelle nach dem Weg ins rund 360 Kilometer östlich gelegene Lyon erkundigte (siehe oben).
  • Erst am Mittwoch startet die europaweite Fahndung.
  • Am frühen Donnerstagnachmittag, gegen 13 Uhr, kaufte er beim Bahnhof Lyon Part-Dieu ein Ticket für die Fahrt nach Mailand, Italien, mit Umsteigen in Chambéry. Bilder einer Überwachungskamera zeigen Amri auf dem Bahnsteig in Lyon. Die Bilder zeigen einen Mann mit weißem Wollpullover und Umhängetasche, er scheint allein zu sein.
  • Weil zu dieser Zeit Präsident Hollande in Lyon ein Krankenhaus einweihte, konzentrierten sich alle Sicherheitsmaßnahmen darauf, so „OE24“. Fest steht: Amri wurde hier nicht kontrolliert und besteigt den Zug ins 110 Kilometer entfernte Chambéry, so der französische „l’Express“.
  • In Chambéry stieg er offenbar noch einmal um. Obwohl die Station hier stärker mit Video-Überwachung ausgerüstet ist als Lyon, konnte Amri hier nicht auf den Bildern entdeckt werden. Es wird vermutet, dass er den Stopp einlegte, um den Zug zu wechseln.
  • Gegen 20.30 Uhr kam Amri in Turin an.

  • Hier wartete Amri eine Stunde und fuhr im Regionalzug weiter nach Mailand. Dort wurde er offenbar um 0.58 Uhr auf einer Kamera des Hauptbahnhofs entdeckt (Foto unten: Amri ? jetzt mit dunkler Jacke und Rucksack/Umhängetasche). Amri reiste dann per Bus ins zwölf Kilometer entfernte Sesto San Giovanni (etwa 80.000 Eiwohner).
  • Gegen 3 Uhr stoppen ihn zwei Polizisten, wollen seinen Ausweis sehen. Amri spricht seit seinem jahrelangen Gefängnisaufenthalt in Italien die Landessprache, allerdings mit Akzent, sie werden misstrauisch. Er soll seinen Rucksack leeren. Dabei zieht der Tunesier seine Waffe Kaliber 22 aus der Jacke und schießt auf den Polizisten Christian Movio, verletzt ihn an der Schulter. Dessen 29-jähriger Kollege Luca Scatà gibt daraufhin zwei Schüsse auf Amri ab. Er stirbt innerhalb zehn Minuten, so „NTV“. Hier endet die Reise des 2011 aus Nordafrika im italienischen Lampedusa gelandeten Tunesiers. Doch die Geschichte des Anschlags endet hier noch nicht. Was wollte Amri in Sesto San Giovanni? Wie „N24“ schreibt, gebe es in der Nähe ein Zentrum zur Herstellung falscher Papiere, außerdem fahren in der Nähe des Bahnhofs viele Fernbusse ab. Marokko könnte ein Ziel gewesen sein oder aber die Südspitze Italiens, Kalabrien, wo er vor seiner Reise nach Deutschland war.



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