Aktuelle Bilder von den Protesten in Paris: 66.000 Demonstranten unterwegs – 69.000 Polizisten im Einsatz

Epoch Times15. December 2018 Aktualisiert: 15. Dezember 2018 21:14
Am fünften Wochenende in Folge demonstrieren "Gelbwesten" in Paris, vor allem auf dem Platz vor der Pariser Oper. Nach Angaben von Telesur protestierten landesweit 66.000 Menschen gegen die Regierung.

Am fünften Protestwochenende in Folge sind die „Gelbwesten“ in Frankreich mit weniger Menschen unterwegs. Die Polizei feuerte am Nachmittag in Paris Wasserwerfer und Tränengas ab, um Gruppen von Demonstranten nach sporadischen, kurzen Zusammenstößen mit der Bereitschaftspolizei auf den Champs-Elysees und den angrenzenden Straßen zu zerstreuen, schreibt Telesur.

Der Innenminister sagte, dass am Samstag rund 69.000 Polizisten aktiv waren und verstärkt in den Städte, Toulouse, Bordeaux und Saint-Etienne präsent waren. Nach Angaben der Behörden war die Zahl im Vergleich zum vergangenen Samstag rückläufig. Ab 17.00 Uhr Ortszeit zählten die Behörden 66.000 Demonstranten in ganz Frankreich. Letzten Samstag sagten die offiziellen Streitkräfte, dass 126.000 sich zu Demonstrationen zusammenschlossen.

Der Demonstrant Loic Bollay, 44, sagte, die Proteste seien verhaltener als in den vergangenen Wochen, aber die Bewegung würde weitergehen, bis die Beschwerden der Demonstranten angesprochen würden. „Seit dem Angriff in Straßburg ist es ruhiger, aber ich denke, nächsten Samstag und die folgenden Samstage…. es wird wiederkommen.“

Bilder vom Nachmittag

Innenminister Castaner zeigte sich zufrieden mit der Abnahme der Teilnehmerzahl: „Der Tag endet gut“, schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Unverständnis zeigte er für die Fortsetzung der Straßenblockaden durch die „Gelbwesten“. „Die Verkehrskreisel müssen freigegeben werden“, schrieb Castaner. „Der Dialog muss nun alle diejenigen vereinen, die Frankreich verändern wollen.“

Der Präsident der französischen Nationalversammlung, Richard Ferrand, sprach von einem „notwendigen“ Rückgang der Teilnehmerzahlen. „Es wurde deutlich auf ihre Forderungen eingegangen“, erklärte er mit Blick auf Macrons Ankündigungen vom Wochenbeginn. „Die Zeit des Dialogs ist gekommen.“

Die Proteste am Samstag verliefen mit wenigen Ausnahmen friedlich. Am frühen Nachmittag setzten die Sicherheitskräfte auf den Champs-Elysées Tränengas gegen die „Gelbwesten“ ein. Auch am Platz vor der Opéra Garnier kam es zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.

In Paris standen am Samstagmittag laut Innenministerium 2.200 Demonstranten rund 8.000 Sicherheitskräften gegenüber – am vergangenen Samstag waren es 10.000 Demonstranten gewesen. Bis zum Abend wurden in Paris 157 Menschen festgenommen, 104 kamen in Polizeigewahrsam.

Die Teilnehmer zeigten sich indes weiter entschlossen: „Wir sind voller Wut“, sagte Priscilla Ludosky, eines der wenigen Gesichter der Bewegung in Paris. Die Demonstrantin Lucie sagte in Paris, der Rückgang der Teilnehmerzahl sei „eine Niederlage“. „Aber das liegt am Staat, der uns daran hindert, richtig zu demonstrieren“, fügte die 35-Jährige hinzu.

Der Opernplatz war wohlgefüllt

Es sei eine „schwächere Mobilisierung“ zu beobachten, auch bei den gewaltbereiten Demonstranten, sagte Polizeisprecherin Johanna Primevert dem Fernsehsender BFMTV am Nachmittag. Als Zeichen der Entspannung waren der Eiffelturm sowie der Louvre und andere Museen am Samstag geöffnet – anders als noch vor einer Woche.

Auch die Cafés im Zentrum der Stadt waren wieder geöffnet.

Höchste Terrorwarnstufe und Aufruf zu Demonstrationsverzicht

Nach dem Anschlag vom Dienstag in Straßburg hatte die Regierung die Protestbewegung zum Verzicht auf weitere Demonstrationen aufgerufen. Sie begründete dies mit der „extremen Belastung“ der Sicherheitskräfte durch das Attentat.

Die Protestbewegung ist jedoch uneins, ob sie dem Appell Folge leisten sollte. Viele „Gelbwesten“ wollen trotzdem auf die Straße gehen, da ihnen die Zugeständnisse der Regierung nicht ausreichen. Andere Vertreter rufen dagegen zu einem vorläufigen Proteststopp auf.

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Die höchste Terrorwarnstufe, welche die französische Regierung nach dem Anschlag in Straßburg ausgerufen hat, gibt den Behörden außerordentliche Befugnisse: Sie reichen von landesweiten Ausgangssperren bis zu Demonstrationsverboten.

Zudem ermöglicht die höchste Terrorwarnstufe zusätzliche Polizeieinsätze, etwa auf Weihnachtsmärkten. Auch die Schließung öffentlicher Einrichtungen wie Museen und Schulen ist darunter möglich, wie in Straßburg.

Letzte Woche verkündete Macron soziale Erleichterungen

Am vergangenen Wochenende hatten in ganz Frankreich nach offiziellen Angaben 136.000 Menschen demonstriert, allein in Paris waren es demnach 10.000. Es hatte zum Teil heftige Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten gegeben. Tränengas wurde eingesetzt, Autos und Barrikaden brannten.

Macron hatte zu Wochenbeginn als Reaktion auf die Proteste unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns verkündet. Die Regierung appellierte zudem an die Aktivisten, nach dem tödlichen Anschlag in Straßburg auf neue Kundgebungen zu verzichten.

Gemäßigte „Gelbwesten“ riefen zu einer „Ruhepause“ und zum „Dialog“ mit der Regierung auf. Die „Gelbwesten“ fordern seit Wochen den Rücktritt Macrons sowie Steuersenkungen, höhere Renten und Löhne.

In Belgien kam es am Freitagabend zu einem Todesfall in Zusammenhang mit den Protesten. Ein Autofahrer starb, nachdem er in einen Lastwagen gefahren war, der aufgrund einer Straßensperre der „Gelbwesten“ auf französischer Seite abgebremst hatte. Der Unfall ereignete sich nach Angaben französischer Behörden in der Region Erquelinnes an der Grenze zu Frankreich. (afp/dpa/ks)

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