Gestrandet in Griechenland: Viele Syrer flüchten zurück, in ihre Heimat

Epoch Times14. Juni 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 17:10
Der Rückweg in die Türkei ist beim Schlepper günstiger zu haben als der in Richtung Westen. Vor der mazedonischen Grenze gestrandet, machen sich enttäuschte Syrer auf den Weg in ihre Heimat. Sie wollten eine Zukunft für sich und ihre Familien. Es sind nicht die Aussichtslosen, die gehen oder die mit dubiosen Beweggründen, sondern die, die eine echte Chance für eine Zukunft gesucht hatten.

"Seit Kurzem beobachten wir einen umgekehrten Strom von Migranten und Flüchtlingen aus Idomeni in Richtung unserer nördlichen Grenze", erklärt Ilias Akidis, Leiter der Polizeigewerkschaft von Didimoticho, einer kleinen nordostgriechischen Grenzstadt.

Die Kleinstadt Didimoticho befindet sich rund 50 Kilometer südlich der Großstadt Edirne im äußersten Westen der Türkei, die als Adrianopel einst für rund Hundert Jahre Hauptstadt des Osmanischen Reiches war.

Auch Vizebürgermeister Ioannis Topaloudis hat diese Rückfluchtbewegung schon bemerkt. Täglich machen sich 20 bis 40 Personen auf den Weg.

Doch der Landweg ist durch einen Zaun versperrt, es bleibt nur der Fluss.

Von Didimoticho bis zur Grenze sind es nur zwei Kilometer östlich. Dann kommt der griechisch-türkische Grenzfluss Evros, der bei den Türken Meric heißt.

Zu dieser Jahreszeit "ist der Evros sehr gefährlich", weiß Ilias Akidis, "wegen der Regenfälle", der Wasserstand sei sehr hoch.

Im vergangenen Jahr hat die Strömung vielen Migranten das Leben gekostet, auf ihrem Weg nach Griechenland. 

Kleine Familie kann nicht mehr

"Wir haben nicht erwartet, dass wir in Europa so behandelt würden", sagte Atia al-Dschassem, ein 27-jähriger Friseur aus Damaskus. Sie kamen am 24. Februar über die Ägäis nach Griechenland und weiter Richtung Norden, er und seine kleine Familie. An der Grenze zu Mazedonien ging es nicht mehr weiter. 

"Wir dachten, sie würden human sein, sich um uns und unsere Kinder kümmern, unsere Kinder schützen. Wir dachten, uns würde geholfen, aber wir haben das Gegenteil erlebt. Europa hat überhaupt kein Gefühl für uns."

Monatelang harrten Atia, seine Frau Jasmine Ramadan und die kleine Tochter Ledschine (1) an der griechisch-mazedonischen Grenze aus. Doch jetzt können sie nicht mehr und wollen auch nicht: "Wir sind wirklich müde. Ich bitte Gott, dass er mir hilft, zurück in die Türkei zu gelangen. In Syrien unter den Bomben ging es uns besser als hier."

Die Familie hat ein neues Ziel. Atias Bruder lebt in der Türkei, dort wollen sie hin. "Ich gehe in die Türkei, ich will Europa nicht mehr. Ende", resigniert der junge Familienvater. "

Vielleicht hätte die kleine Familie gute Integrationschancen in Deutschland gehabt, vielleicht. Doch dass spielt keine Rolle mehr.

Eine Landkarte und Geschichten

Weil der legale Weg zurück langwierig und bürokratisch ist, wenden sich viele erneut an die Schlepper. Der Preis: nur ein Bruchteil gegenüber dem in Richtung Westen, nur wenige Hundert Euro statt Tausende.

Auch ein 21-jähriger Kunststudent aus Damaskus gibt die Hoffnung auf ein Leben in Europa auf. Nach drei Monaten im Schlamm von Idomeni beschloss Madschd Hamed Mitte Mai heimzukehren: "Ich will nach Syrien gehen und mein Studium an der Kunstschule fortsetzen. Selbst wenn sich die Grenzen öffnen, kehre ich zurück. Ich bin sehr wütend auf die Europäer wegen der Situation, in der wir hier leben."

Hamed bat die UN um Unterstützung für seine Heimkehr, doch "sie haben mir gesagt, es sei nicht sicher, nach Syrien zurückzukehren". 

Nun ist der junge syrische Student unterwegs nach Saloniki und weiter in Richtung Didimoticho Rund 450 Kilometer weit ist die Reise zum Evros. Er hat eine Landkarte im Gepäck und Geschichten, Geschichten, die ihm andere erzählten.  "Von dort überquere ich den Fluss, wie andere Syrer es mir erzählt haben."

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Die, die gehen sind oft jene, Perspektiven haben, auch in Syrien. Sie wollen keine Grenzen stürmen oder sich Gefechte mit den Polizisten liefern.

"Ich habe nie versucht, die Grenze zu Mazedonien illegal zu überqueren. Ich wollte legal nach Deutschland gelangen, aber jetzt bin ich gezwungen, auf diese Art in mein Land zurückzukehren." Madschd Hamed ist enttäuscht. Von der Türkei aus will er in den Libanon fliegen und sich dann nach Damaskus durchschlagen. Doch zuvor muss er den Evros überqueren.

(Quelle: "N24")(sm)

https://youtube.com/watch?v=Nh7hHsu5p0w