IGFM „zutiefst bestürzt“: Winterthur beugt sich Chinas Druck – Darum wird chinesisches Tanztheater Shen Yun zensiert

Epoch Times1. May 2018 Aktualisiert: 1. Mai 2018 17:36
Das schweizerische Winterthur beugt sich dem Druck aus China: Der Stadtpräsident von Winterthur will das weltbekannte chinesische Tanztheater "Shen Yun Performing Arts" nicht mehr stattfinden lassen. Die IGFM ist "zutiefst bestürzt" und schreibt dem Stadtpräsident einen offenen Brief.

Sehr geehrter Herr Künzle

der Arbeitsausschuss China der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ist zutiefst bestürzt, dass Sie als Stadtpräsident von Winterthur die Aufführungen des weltbekannten chinesischen Tanztheaters „Shen Yun Performing Arts“ in Winterthur nicht mehr stattfinden lassen wollen.

Diese Informationen haben wir aus den Schweizer Medien entnommen. Anstatt in angemessener Weise auf die Unterdrückung dieser friedliebenden Künstlergruppe seitens des chinesischen kommunistischen Regimes hinzuweisen, erteilen Sie diesen Menschen für zukünftige Aufführungen in Winterthur einen Platzverweis.

In Ihrer Begründung heißt es laut „Der Landbote“, dass weder die Intervention des chinesischen Botschafters Gen Wenbing noch der Besuch von Vertretern des chinesischen Generalkonsulats in Winterthur Anlass für diese Entscheidung gewesen wäre, sondern vielmehr die Tatsache, dass nach der letztjährigen Show sich Besucher bei der Theaterleitung wegen angeblicher Werbung für Falun Gong beschwert hätten.

Sinologin beschwert sich über Falun Gong-Szenen

Laut Limmattaler Zeitung vom 17.03.2018 hätte sich eine Winterthurer Sinologin darüber beschwert, dass Shen Yun das Publikum in die Irre geführt hätte und dass die zweite Hälfte der Vorführung „reine Werbung für Falun Gong gewesen wäre“.

Vor diesem Hintergrund ist es uns allerdings unbegreiflich, warum Sie erst jetzt weitere Aufführungen von Shen Yun in Winterthur untersagen und nicht sofort nach den Aufführungen im Jahr 2017 gehandelt haben.

Auch sehen wir derartige Aussagen von Sinologen mit äußerst gemischten Gefühlen. Zu viele Sinologen stellen sich als Chinaversteher dar, geizen mit Kritik an Chinas Menschenrechtsverletzungen und nehmen allzu oft die Position des kommunistischen Regimes ein.

Auch wird Shen Yun vorgeworfen, Etikettenschwindel und Werbung für Falun Gong zu betreiben. Wir halten diese Anschuldigung für völlig haltlos. Richtig ist, dass in zwei Szenen die äußerst brutale Verfolgung und Unterdrückung der Falun Gong-Übenden in der VR China thematisiert wird.

Dies allerdings zum Anlass zu nehmen, künftige Auftritte von Shen Yun zu untersagen, werten wir als Unterwürfigkeit gegenüber dem Wirtschaftsgiganten China. Pekings „langer Arm“ zeigt sich immer dann, wenn es um die Aufklärung von Verbrechen der Kommunistischen Partei geht.

Erteilt man dann vielleicht aus falsch verstandener Rücksichtnahme oder aus blindem Gehorsam gegenüber den Chinesen lieber den Menschenrechten eine Absage, als gegenüber seinem Wirtschaftspartner in Erklärungsnöte zu kommen?

In Mozarts Zauberflöte kommt Gedankengut der Freimaurerloge stark zum Ausdruck

Kunst und Politik sind sehr eng miteinander verbunden. Künstler wollen mit ihren Darstellungen eine ganz bestimmte Botschaft vermitteln. Oftmals sind es gesellschaftspolitische Themen oder auch sittliche und ethische Werte, die der Künstler zum Ausdruck bringen möchte.

Denken wir zum Beispiel an Mozarts Zauberflöte, eine der meist inszenierten Opern weltweit. Bekanntlich war Mozart Mitglied der Freimaurerloge, deren Ideale und Gedankengut in der Zauberflöte stark zum Ausdruck kommen. Aber kein Mensch würde heute auf die Idee kommen, das weltbekannte Bühnenstück deshalb aus dem Programm zu nehmen.

In einer freien Zivilgesellschaft haben die politischen Kräfte unter anderem auch die Aufgabe, kritische Künstlergruppen nicht nur zu erlauben, sondern deren Engagement auch zu fördern, selbst wenn die Kritik die Wirtschaftsmacht China tangiert. Dies ist auch ein Akt der freien Meinungsäußerung, die wir doch alle so hoch schätzen. Westliche Staaten dürfen sich nicht weiterhin von diesem despotischen chinesischen Regime erpressen lassen.

Wirtschaftswachstum und Gewalt sind die Methoden der Kommunistischen Partei Chinas

Wirtschaftswachstum und Gewalt sind zurzeit die einzigen Methoden der Kommunistischen Partei Chinas, um ihre Macht zu erhalten. Geschickt kombiniert das Regime Zwangsherrschaft mit Gönnerschaft gegenüber Geschäftspartnern, ausländischen Investoren sowie gegenüber der intellektuellen Elite.

In Wahrheit regiert Peking als totalitäres Regime damals wie heute mit Gewalt, Terror und Zensur. Sowohl die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als auch der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte wurden unterzeichnet, aber niemals ratifiziert.

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69 Jahre Zwangsherrschaft führten zu 70 Millionen Ermordeten und Verhungerten, 13 Millionen Abtreibungen und Sterilisationen pro Jahr — die meisten erzwungen -, jährlich zigtausende Organentnahmen an Gewissensgefangenen mit tödlichem Ausgang, insbesondere an friedlichen Falun Gong-Übenden.

Dazu kommen über 100.000 niedergeschlagene Aufstände pro Jahr. Angesichts dieser Sachlage, sehr geehrter Herr Künzle, können wir es uns kaum vorstellen, dass Sie an Ihrer Entscheidung festhalten werden, Shen Yun in Winterthur nicht mehr auftreten zu lassen.

Ich verbleibe mit den besten Grüßen und in der großen Hoffnung, dass Sie sich in dieser Angelegenheit für die Freiheit der Kunst und für die Verteidigung grundlegender Menschenrechte einsetzen werden,

Hubert Körper Sprecher des Arbeitsausschusses China Mitglied des Vorstands.

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