Info von Polizei bewusst zurückgehalten? Abdeslam-Versteck schon im Dezember bekannt?

Epoch Times25. März 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 3:00
Wurden von der Polizei in Belgien Informationen im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris und Brüssel bewusst zurückgehalten? Das Versteck des Top-Terroristen Salah Abdeslam soll Medien zufolge bereits seit Dezember bekannt gewesen sein. Doch erst am 18. März erfolgte seine Verhaftung.

Es scheint fast unglaublich, was die belgische Zeitung "La Derniere Heure" berichtet:

Ein Polizist aus der nordbelgischen Stadt Mechelen/Provinz Antwerpen, etwa 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Brüssel, war seit dem 7. Dezember im Besitz der Adresse des Verstecks des letzten lebenden Paris-Attentäters Salah Abdeslam in der Rue des Quatre Vents 79 in Molenbeek.

Abdeslam-Versteck schon im Dezember bekannt?

Ein Kollege mit Migrationshintergrund hatte ihn über das Versteck informiert. Es hieß, dass Abid, der Sohn einer gewissen D’Jamilla Mohamed, viel Kontakt mit Abdeslam gehabt habe. Der junge Mann hätte einen schwarzen Citroen gefahren und in der Rue des Quatre Vents 79 gewohnt.

Dies geht aus einem vertraulichen Bericht an die Anti-Terror-Abteilung der Kripo Brüssel hervor. Der Bericht wurde jedoch nicht weitergegeben, sondern drei Monate lang von der Polizei in Mechelen zurückgehalten. Eine offizielle Stellungnahme der belgischen Polizei liegt derzeit nicht vor, schreibt die österreichische "Krone".

Abdeslam im Januar in ungarischem Café gesehen

Doch dem nicht genug. Am 19. Januar erkannte eine Frau aus dem österreichischen Burgenland Salah Abdeslam im Café Harrer in Sopron, im Nordwesten Ungarns, wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Sie meldete dies auch dem Landesamt für Verfassungsschutz im 20 Kilometer entfernten Eisenstadt. Von Eisenstadt aus sei die Anzeige laut der Exekutive "ins Innenministerium" geschickt worden. Was dort dann mit der Anzeige passiert ist, lässt sich jetzt nicht mehr klären.

Die Frau sagte: Die Berichterstattung über die Terroranschläge in Paris habe ich immer aufmerksam verfolgt. Ich weiß von den Fotos genau, wie Salah Abdeslam aussieht. Als ich im Jänner mit einer Freundin ins Café Harrer am Stadtrand von Sopron ging, saß der Mann dann direkt neben mir", zitiert die Kronenzeitung.

Dort sei der Terrorist mit einem "weiteren arabisch aussehenden Mann am Tisch ganz hinten gesessen". Die beiden Männer hätten "am Laptop geschrieben und ständig mit ihren Smartphones telefoniert", so die Österreicherin.

Nachdem sie das Café verlassen hatte, wollte sie sofort an der Grenze die Polizei informieren, ihre Freundin riet ihr jedoch ab. So erstattete sie erst am nächsten Tag in Eisenstadt ihre Anzeige.

In diesem Café im ungarischen Grenzort Sopron saß Abdeslam mit einem Komplizen am 19. Januar 2016In diesem Café im ungarischen Grenzort Sopron saß Abdeslam mit einem Komplizen am 19. Januar 2016Foto: Screenshot/Facebook

September: Abdeslam holt Personen in Ungarn ab

Bereits im September war der Terrorist zweimal in Budapest. Der Aufenthalt Abdeslams nach einer fast 1.400 Kilometer weiten Reise war jeweils nur von kurzer Dauer, gerade so, um erwartete Personen zielgerichtet einzuladen.

Am 8. September fuhr Salah Abdeslam über Deutschland und Österreich nach Ungarn, parkte um 11.39 Uhr einen angemieteten Mercedes vor dem Budapester Ostbahnhof Keleti. 45 Minuten später machte er sich bereits auf die Rückreise nach Belgien.

Österreichische Behörden bestätigten, dass Abdeslam bei seiner Ausreise aus Ungarn an der Grenzraststation Aistersheim kontrolliert wurde. Bei ihm waren zwei weitere Männer, nach denen belgische und französische Ermittler derzeit fahnden.

Am 17. September, neun Tage später, kam Abdeslam abermals in Budapest an. Diesmal mit einem gemieteten Audi A6. Er parkte wieder in der Nähe des Bahnhofs Keleti, wo zu diesem Zeitpunkt Tausende syrische Flüchtlinge ankamen. Nach kurzem Aufenthalt fuhr der Terrorist nach Belgien zurück. Dies meldete die "Krone" mit Hinweis auf den französischen Sender BFM TV.

Siehe auch, Bahnhof Keleti, Sept. 2015:
Schwer erschüttert: Arabisch verstehende Europäerin erzählte von ihrer Reise im Migrantenzug (Video)

Mehrere Verdächtige bei Brüsseler Razzien festgenommen

Im Zuge der Fahndungen nach dem Brüsseler Attentat am Dienstag, 22. März, wurden jetzt sieben Verdächtige bei Razzien in Brüssel verhaftet. Über deren Identitäten wird vorerst geschwiegen. Erste Infos der Staatsanwaltschaft werden am heutigen Freitag erwartet. Drei Attentäter starben bei den Selbstmordanschlägen, zwei weitere Personen, die auf Überwachungskameras zu sehen waren, werden gesucht. In einer Wohnung im Stadtteil Schaerbeek wurde eine Bombenwerkstatt gefunden.

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Die belgischen Sicherheitsbehörden stehen seit den Pariser Anschlägen unter massiver Kritik, weil diese in Belgien vorbereitet wurden. Belgien an sich hat mit gewaltbereiten Islamisten ein Problem. Es hat die höchste Dschihadistendichte in Europa. Aus dem Elf-Millionen-Land gingen knapp 500 Personen nach Syrien, um zu kämpfen, schrieb die österreichische "Die Presse".

https://youtube.com/watch?v=MTJplmNTSxU

Molenbeek: Einst Sozialistenhochburg jetzt Islamistenhochburg

Das ehemalige Arbeiterviertel, welches auch als "Klein Manchester" bekannt wurde, war einst auch die Hochburg der Sozialistischen Partei.

Seit 2001 etwa gilt der Brüsseler Stadtteil Molenbeek als Hochburg militanter Islamisten. Die vorwiegend muslimischen Migranten stammen fast alle aus Nordafrika, aus Marokko. Ein Viertel aller etwa 80 Moscheen Brüssels steht hier in Molenbeek.

Die Arbeitslosenquote unter den rund 100.000 Einwohnern ist hier dreimal so hoch, wie der Landesdurchschnitt, bei Jugendlichen erreichte sie 2015 sogar 42 Prozent. Dabei ist das Durchschnittsalter der Bevölkerung relativ jung, es liegt bei 34 Jahren.

Die Perspektivlosigkeit der jungen Migranten im Viertel ist Futter für den IS. Wie der UN-Menschenrechtsrat angibt, zahle der IS seinen Propagandisten in Belgien knapp 9.000 Euro pro angeworbenen Dschihadisten, so "Die Presse" weiter. Das Durchschnittsalter der angeworbenen Dschihadisten liegt bei 23 Jahren, Tendenz sinkend.

Von hier stammten die Waffen für den Charlie-Hebdo-Anschlag Anfang Januar 2015. Auch Spuren der Paris-Anschläge führten nach Molenbeek. Und hier konnte sich auch Salah Abdeslam über Monate hinweg verstecken. Hier wuchs auch der Planer der Paris-Anschläge auf, Abdelhamid Abaaoud. (sm)

Molenbeek – Terroristen im Herzen Europas

https://youtube.com/watch?v=qJmGNIAEhgI

Siehe auch:

Drahtzieher Salah Abdeslam: Warum er nur kurz verhört wurde?

Analyse: Warum Belgien ein so großes Problem mit radikalen Islamisten hat?