Kanzler Faymann: Was macht ihr, wenn im Mai 100.000 Flüchtlinge vorm Zaun stehen?

Epoch Times15. Februar 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 20:45
Auf der einen Seite “muss” der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann gemeinsam mit den Visegrad-Staaten Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn die Grenze in Mazedonien dicht machen. Auf der anderen rudert er nun zurück und nimmt den EU-”Ostblock” hart ins Gericht.

"Ja, wir stimmen heute mit den anderen Staaten für schärfere Grenzkontrollen in Mazedonien – aber was tun wir, wenn sich im Mai 100.000 Frauen, Kinder und Männer dort vor dem Zaun drängen?”, sagte der Bundeskanzler im Interview mit der Kronenzeitung – als müsse er sich vor späteren Generationen rechtfertigen.

Faymann bedauert misslungene Verteiler-Quote

Denn eigentlich hätte der österreichische Kanzler gerne eine Verteilung der Asylbewerber auf alle EU-Staaten. "So kann’s doch bitte nicht sein, dass all jene, die sich bisher aus der Verantwortung weggedrückt haben, den neuen, viel schlechteren Plan als ‚absolut notwendig‘ bejubeln", kritisiert Faymann die Visegrad-Staaten (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) sowie Griechenland. Sie hätten sich auch nicht kooperativ gezeigt bei einer schnellen Abwicklung der Flüchtlingsströme.

Am Montagabend treffen sich die Regierungschefs der Visegrad-Länder, um vor dem EU-Gipfel am Donnerstag mit Mazedonien und Bulgarien über eine gemeinsame Strategie zu beraten. Sie wollen die Grenzen schließen und nicht den angedachten diplomatischen Weg über die Türkei gehen, die dann nach Verteilerschlüssel die Bewerber in die einzelnen Länder schickt (EPOCHTIMES berichtete).

Faymann: Nicht jubeln, ohne die Folgen zu bedenken

"Diese Gruppe soll bitte jetzt nicht feiern, dass wir uns auf eine Grenzsicherung in Mazedonien einigen. Das wird uns allen keinen ruhmreichen Eintrag in die Geschichtsbücher bringen: Was ist bitte dann, wenn ab Mai an Mazedoniens Grenzzaun 100.000 Flüchtlinge verhungern? Feiern wir dann noch immer die Härte des ungarischen Regierungschefs?", prangerte Faymann weiter an.

Österreich hatte im Januar eine Asyl-Obergrenze von 37.500 Bewerbern festgesetzt. Nun kommt es zu einer Kettenreaktion entlang der Balkanroute (dazu folgender EPOCHTIMES-Bericht): Slowenien drosselte die Zahl der passierenden Flüchtlinge, nun droht dies auch Serbien an.  Ähnlich reagierte Ungarn: Der ungarische Premierminister verstärkt die aktuellen Grenzen und schafft Mittel für “neue Sperren”.

"Mazedonien wird irgendwann dem Druck nicht mehr standhalten können, es werden auch wieder mehr Asylwerber zu unserer Grenze kommen. Wir können die Exekutive und das Bundesheer nur schon jetzt bestmöglich darauf vorbereiten", blickt Faymann  dem derzeitigen Geschehen realistisch ins Auge. (kf)

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