MI6 in Sorge: Ex-Epstein-Ermittler könnte russischem Geheimdienst Infos zu Prinz Andrew liefern

Von 24. September 2019 Aktualisiert: 24. September 2019 19:18
Im Jahr 2016 ist der frühere Deputy-Sheriff des Palm Beach County, John Mark Dougan, vor internen Ermittlungen in die Russische Föderation geflohen. Er genießt dort Asyl. Dougan war auch in die ersten Ermittlungen gegen Milliardär Jeffrey Epstein im Jahr 2005 involviert. Er soll im Besitz vertraulicher Akten zu dem Fall sein und Kontakt zur russischen Regierung haben.

Der britische Geheimdienst MI6 ist in Aufregung. Wie der Nachrichtenservice von Yahoo berichtet, sorgt sich der Nachrichtendienst um mögliches Kompromat gegen Prinz Andrew, das die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Epstein-Skandal bestätigen und an russische Geheimdienste gelangt sein könnte.

John Mark Dougan, ein früherer Deputy-Sheriff im Palm Beach County in Florida, hatte 2016 seinen Lebensmittelpunkt in die Russische Föderation verlegt. Nach eigenen Angaben auf seiner Facebook-Seite sei er vor einem „korrupten Justizsystem“ geflohen und habe in Russland „politisches Asyl“ erhalten. Mittlerweile betreibt Dougan eine Webseite unter dem Nicknamen „Badvolf“ und bereitet in russischen Städten Steaks nach eigener Rezeptur zu.

Die britischen Dienste befürchten jedoch, Dougan, der Zugang zu den Akten der ursprünglichen Untersuchung über den am 10. August in seiner Gefängniszelle verstorbenen, des mehrfachen sexuellen Missbrauchs und Menschenhandels beschuldigten US-Milliardär Jeffrey Epstein hatte, könnte russischen Geheimdienstoffizieren sensible Details über den Fall verraten.

Giuffre hält an Anschuldigungen gegen Prinz Andrew fest

Eine Quelle gab gegenüber der „Times“ an, Dougan habe nach seinem Umzug nach Moskau auch Kontakt zur russischen Regierung geknüpft. Vor allem befürchtet man, der frühere Deputy könnte über Informationen verfügen, die den britischen Prinzen Andrew belasten, der an achter Stelle in der britischen Thronfolge steht.

Die heute 35-jährige Virginia Giuffre hat wiederholt gegenüber Gerichten und Medien erklärt, Epstein habe sie dreimal an unterschiedlichen Orten zum Geschlechtsverkehr mit Andrew gezwungen. Erst jüngst erklärte sie gegenüber NBC, die frühere Lebensgefährtin Epsteins, Ghislaine Maxwell, soll ihr, als Giuffre 17 Jahre alt war, in London angekündigt haben, sie werde „heute einen Prinzen treffen“. Für diesen, so hieß es nach einem Besuch im Club Tramp, wo auch Andrew anwesend gewesen sein soll, sollte sie anschließend „tun, was Sie für Epstein tun“.

Auf der Toilette und im Schlafzimmer soll es zum Sex zwischen Giuffre und Prinz Andrew gekommen sein. „Er war nicht unhöflich oder so“, schildert Giuffre, er habe sich bedankt und sei gegangen. Für die 17-Jährige sei jedoch eine Welt zusammengebrochen: „Ich bin mit Disney aufgewachsen, wie die meisten kleinen Mädchen. Prinzessinnen und Prinzen waren die guten Menschen auf der Welt, er war es nicht.“

Opfer aus ärmlichen Verhältnissen gesucht

Dougan war Teils des Teams, das die ursprüngliche Untersuchung gegen Epstein im Jahre 2005 geführt hat. Damals hatte eine Frau erklärt, Epstein habe ihrer 14-jährigen Stieftochter 300 US-Dollar für eine „erotische Massage“ bezahlt.

Epstein soll damals gezielt Mädchen aus heruntergekommenen Verhältnissen für seine Praktiken ausgewählt haben. Er rechnete offenbar damit, dass diese nicht nur bereitwilliger gegen Geld mitmachen, sondern auch Stillschweigen darüber bewahren würden. Außerdem würde man diesen möglicherweise keinen Glauben schenken, sollte sie zur Polizei gehen.

Die 2005 in Gang gebrachte Untersuchung, an der auch Dougan mitgewirkt hatte, förderte dennoch eine Vielzahl an belastenden Aussagen und Beweisen zutage. Im Jahr 2007 legte die Staatsanwaltschaft eine 53-seitige Anklageschrift gegen Epstein vor. Epstein, dem eine lebenslange Haftstrafe drohte, erklärte sich mit einem Deal einverstanden.

Er bekannte sich unter anderem der Zuhälterei und Förderung der Prostitution von Minderjährigen schuldig. Im Gegenzug wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt, die er allerdings nicht in einem Bundesgefängnis verbringen musste, sondern unter erleichterten Umständen in einer eigens eingerichteten Wohnung im Polizeirevier von Palm Beach. Auch hatte er Freigang und – was für ihn besonders günstig und die Opfer besonders nachteilig war – die Akte kam unter Verschluss. Die Opfer konnten nur noch auf dem Zivilrechtsweg versuchen, Epstein zur Rechenschaft zu ziehen.

Dougan äußert sich in Pressemitteilung

In einem mittlerweile nicht mehr auffindbaren Beitrag auf Facebook soll Dougan im Juli erklärt haben, er habe mit Ermittlern im Zusammenhang mit der damaligen Wiedereröffnung des Verfahrens gesprochen und verfüge immer noch über vertrauliche Dokumente, die niemand außer ihm selbst kenne.

Die Informationen, so soll der frühere Deputy weiter gesagt haben, seien „unglaublich wertvoll“ für jeden Geheimdienst und könnten „belastend“ sein für „einen Typen wie Prinz Andrew“. Der Quelle zufolge, welche in der Times zitiert wird, soll das Wissen Dougans über den Fall Epstein „für den russischen Geheimdienst von großem Interesse“ sein.

Inwieweit Dougan tatsächlich angedroht haben könnte, vertrauliches Wissen preiszugeben, ist ungewiss. Auch, wie glaubwürdig er ist. Auf seiner Facebook-Seite befinden sich auch Verschwörungstheorien rund um den mutmaßlichen iranischen Angriff auf saudische Ölraffinerien. Am heutigen Dienstag (24.9.) hat er jedenfalls eine mit Spannung erwartete Pressemitteilung veröffentlicht.

Darin erklärte Dougan, er sei 2016 nach Russland geflohen, nachdem er einen Korruptions- und Rassismusskandal im Sheriffsbüro des Palm Beach County aufgedeckt und Geheimdienste sein Haus durchsucht hätten. Mit dem Epstein-Fall habe seine Flucht keinen Zusammenhang. Allerdings habe ihm sein früherer Kollege Joe Recarey, der Leitender Ermittler im Epstein-Fall war, 2009 hunderte DVDs und Dokumente mit Bezug zu dem Fall überlassen, die er für ihn aufbewahren solle.

„Ich bin entschlossen, den Fortgang der Geschichte aufmerksam zu verfolgen“

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Dougan selbst habe diese nicht gesichtet. Zudem seien sie mittlerweile auch im Besitz des FBI, da sie bei der Hausdurchsuchung 2016 aufgefunden worden wären. Er selbst verfüge jedoch auch über ein Backup. Vor etwas mehr als einem Jahr verstarb Recarey im Alter von 50 Jahren.

Der frühere Deputy erklärt, er gehe davon aus, dass das FBI die Bezug habenden Akten auswerten und allenfalls im Rahmen der Untersuchung verwenden werde. Er selbst, so Dougan, werde keine der Informationen preisgeben, um die Sicherheit seiner Person und seiner Angehörigen nicht zu gefährden. Er schreibt:

Ich hoffe, die zunehmenden Sorgen und die Berichte über Jeffrey Epsteins internationales Menschenhandelsimperium und seine Beziehungen zu reichen und mächtigen Leuten wie dem Duke of York werden offizielle und mediale Untersuchungen zur Folge haben, die alle Fakten offenlegen werden. Ich bin entschlossen, den Fortgang der Geschichte aufmerksam zu verfolgen.“

Giuffre, die bereits 2015 erstmals Vorwürfe gegen Prinz Andrew erhoben hatte, hält an ihren Anschuldigungen fest. Ein Zivilgericht hatte sie zurückgewiesen und als „bedeutungslos und unverschämt“ qualifiziert. Der Prinz bestreitet die Vorwürfe bis heute.

Frühere Anwesen Epsteins in Frankreich durchsucht

Das mutmaßliche Missbrauchsopfer beharrt jedoch darauf, die Wahrheit zu kennen. Ob sie mit allen Informationen richtig liege, wisse sie nicht, erklärt sie Medien gegenüber, betont aber: „Wenn du missbraucht wirst, kennst du den Täter. […] Ich kenne ihre Gesichter und weiß, was sie mir angetan haben.“

Unterdessen haben, so berichtet Reuters, französische Polizeibeamte die Pariser Immobilien Epsteins durchsucht sowie Büros einer Modelagentur, die einer seiner Vertrauten leitete. Eine Quelle aus der Staatsanwaltschaft in Paris habe dies am heutigen Dienstag bestätigt. Mittlerweile sollen die Durchsuchungen abgeschlossen sein. In Frankreich wurde am 23. August eine Untersuchung eingeleitet, um zu klären, ob Epstein oder mögliche Mitwisser strafbare Handlungen auf französischem Territorium begangen hätten.