Nach Hidschab-Gate: Katjes sorgt in Wien mit vermeintlichem „Oben-ohne-Plakat“ für Aufsehen

Epoch Times17. September 2019 Aktualisiert: 17. September 2019 19:32
In Wien wird derzeit intensiv über ein Plakat des Süßwarenherstellers Katjes diskutiert. Dieses zeigt ein vermeintlich barbusiges Modell, das sich bei genauerem Hinsehen allerdings als stillende Mutter erweist. Das Unternehmen hatte bereits im Vorjahr mit einer Werbekampagne für Debatten gesorgt, die ein Model mit Hidschab zeigte – das sich allerdings als Nichtmuslima entpuppte.

Der 1950 gegründete Süßwarenhersteller Katjes aus Emmerich am Rhein sorgt zurzeit wieder mit einer vielbeachteten Plakatwerbung für Diskussionen. Wie „Österreich“ berichtet, erregt das Unternehmen breite Aufmerksamkeit durch ein Großflächenplakat in der Wiener Innenstadt, das auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, eine Frau würde dort „oben ohne“ in der Öffentlichkeit abgebildet.

In vielen Großstädten Europas sind in den vorangegangenen Jahren besonders freizügige Plakatmotive tendenziell aus dem öffentlichen Raum verschwunden. Waren es in den 1960er und 1970er Jahren noch hauptsächlich konservative Christen, die – mit immer weniger Erfolg – daran Anstoß genommen hatten, verzichten Werbeagenturen heute oft in Anbetracht wachsender muslimischer Bevölkerungsanteile auf allzu offenherzige Motive. Zudem könnten diese der Verbreitung in sozialen Netzwerken schaden, weil die Gemeinschaftsstandards bezüglich der Nacktheit diese nicht zulassen.

Das derzeit in Wien platzierte Katjes-Plakat dürfte diesbezüglich aber keine Probleme aufwerfen. Eine genauere Betrachtung zeigt, dass der Kopf eines Babys die Brust der Dame verdeckt, das offenbar gerade gestillt wird. Und dass Stillen in der Öffentlichkeit immer noch in höherem Maße skandalisiert würde als nackte Haut, soll auch die Botschaft des Plakats sein, mit dem für ein Veggie-Produkt des Unternehmens geworden wird.

Begleitet von Hashtag #achtemaldrauf

Bereits vor einem Jahr was das gleiche Plakat am Berliner Alexanderplatz aufgetaucht. Katjes hatte dazu den Hashtag #achtemaldrauf kreiert und dem geschäftsführender Gesellschafter von Katjes, Tobias Bachmüller, zufolge darauf hinweisen wollen, dass es das Älteste und Normalste der Welt sei, sein eigenes Kind zu stillen. Auch in der Öffentlichkeit sollte das daher völlig okay sein, äußerte sich Bachmüller. Als Zielgruppe betrachte Katjes Frauen mit Kindern, die sich bewusst ernähren.

Zu Beginn des Jahres 2018 hatte Katjes bereits in traditionellen wie sozialen Medien Deutschlands für Aufsehen gesorgt, als der Süßwarenhersteller für seine mittlerweile vegan hergestellten Produkte mit einem Model warb, das ein Kopftuch trug.

Da die Herstellung der Katjes-Produkte ohne die sonst häufig in dieser Branche übliche Verwendung von Schweinegelatine vonstattengeht, genügen diese auch den religiösen Speisegesetzen von Juden und Muslimen. Aus Sicht der Unternehmensführung ein willkommener Anlass, um mithilfe eines vermeintlich muslimischen Testimonials die islamische Gemeinde als neues Zielpublikum zu erschließen.

Werbe-„Muslima“ war orthodoxe Serbin

Man wolle, hieß es damals bereits, junge Frauen ansprechen, die „Spaß am Leben haben und sich dabei bewusst ernähren“. Dazu zählten auch junge Muslimas, die aus religiösen Gründen den Verzehr von Produkten ablehnen, die Schweinegelatine enthalten.

Die Kampagne sorgte für zum Teil heftige Reaktionen. Neben Islamkritikern, die ein „Symbol der Unterdrückung“ verharmlost zu sehen meinten, kamen diese am Ende allerdings auch aus Kreisen, die am Kopftuch selbst nichts auszusetzen hatten. Diese nahmen jedoch daran Anstoß, dass das Model, das im Hidschab für die Katjes-Produkte warb, selbst, wie n-tv berichtete, gar keine Muslima war, sondern die christlich-orthodoxe Serbin Vicenca Petrovic.

Ob das stillende Model auf dem nunmehr in Wien präsentierten Plakat, das von der Fotografin Johanna Dauphin stammt, tatsächlich die Mutter des mit ihr abgebildeten Kindes ist, ist bislang noch nicht Gegenstand einer öffentlichen Debatte gewesen.

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